Rohstoffe 14.10.2021, 08:29 Uhr

Lithium: Brandenburg mausert sich zum größten europäischen Fabrik-Standort

In Brandenburg soll die größte Lithium-Fabrik Europas entstehen. Das klare Ziel: China abhängen.

Standort im Industriegebiet Guben Süd Luftaufnahme

Standort der Lithium-Fabrik im Industriegebiet Guben Süd.

Foto: Rock Tech Lithium Inc.

Eine unabhängigere Produktion von Elektroautos würde den Tech-Standort Deutschland nach vorne bringen. Das deutsch-kanadische Unternehmen Rock Tech hat sich genau das zur Aufgabe gemacht. Ausgerechnet in der Nähe von Tesla soll ein Giga-Werk entstehen.

In 60 Kilometer Entfernung von der Tesla-Fabrik entsteht die größte Lithium-Fabrik Europas. Ab 2024 sollen in Guben rund 24.000 Tonnen Lithium weiterverarbeitet werden – ausreichend für 500.000 Elektroautos. Die Bauarbeiten beginnen bereits im Frühjahr 2022. Wird das Elon Musk weitere Sorgen bereiten? Er findet aktuell zu wenige Arbeitskräfte für seine Tesla-Fabrik in Deutschland.

Woher kommt das Lithium für Brandenburg?

Der Rohstoff selbst wird aus der eigenen Mine in Kanada kommen. Ansonsten sei von der Rohstoffverarbeitung bis zum Bau der Elektroautos alles abgedeckt. Rock-Tech-Chef Dirk Harbecke spricht von “einer der ersten Regionen Europas, die fast die gesamte Wertschöpfungskette von Elektroautos abdeckt“.

Die Fabrik wird in Guben, Landkreis Spree-Neiße in der brandenburgischen Niederlausitz, stehen. Die Stadt liegt an der Neiße, die eine natürliche Grenze zwischen Deutschland und Polen bildet. 1033 wurde Guben erstmals als Handels- und Handwerkersiedlung erwähnt.

Brandenburg zieht Big Player an

Tesla wartet noch auf die finale Genehmigung, baut aber schon kräftig an der Fabrik in Grünheide. Batteriezellen sollen ebenfalls hergestellt werden. Weitere Konzerne siedeln sich an. BASF wird bald seine Kathodenfabrik in Schwarzheide in Betrieb nehmen. Die Kathode zählt zu den wichtigsten Bestandteilen einer Elektroauto-Batterie. Und nun Rock Tech mit der größten Lithium-Fabrik in Europa.

Brandenburg und darüber hinaus – das kanadische Unternehmen plant nicht nur eine Giga-Fabrik, sondern fünf. Jedes Jahr soll ein neues Werk in Europa entstehen.

Akku

Lithium-Ionen-Akkus sind weit verbreitet. Von ihrer Weiterentwicklung könnte die Energiewende erheblich profitieren.

Foto: panthermedia.net / janaka

Nachfrage nach Lithium steigt

Die Elektro-Offensive zahlreicher Automobilhersteller wie Ford, Volkswagen und BMW lässt die Nachfrage nach dem weißen Rohstoff extrem steigen. Laut der deutschen Rohstoffagentur (Dera) steige die Nachfrage allein in Europa bis 2025 auf 200.000 bis 500.000 Tonnen Lithiumkarbonatäquivalent (LCE) pro Jahr.

Lithium: Überraschender Fund im deutschen Bergwerk

Weltweit beträgt das Volumen von Lithium rund 86 Millionen Tonnen (Angaben 2020). Lithium wird in erster Linie aus Festgestein und Sole gewonnen. Zu den zentralen Förderländern zählen Australien, Chile und China.

Unabhängigkeit von China

Apropos China: Lithium wird fast ausschließlich dort verarbeitet. In sogenannten “Konverter-Fabriken” läuft die Produktion mit Lithium. Bei der Fertigung von Batteriezellen sind China, Südkorea und Japan schon längst Vorreiter und bauen eigene Werke in Europa. Lithium-Fabriken in asiatischer Hand sieht man in Europa eher weniger. Neben Rock Tech hat das niederländische Unternehmen AMG den Bau eines Konverters angekündigt. Dieses soll ab 2023 im Chemiepark Bitterfeld-Wolfen stehen und 20.000 Tonnen Lithium verarbeiten.

Das kann die größte Lithium-Fabrik in Europa

  • Produktionsstart in Guben mit einer Kapazität von 24.000 Tonnen
  • Bau eines zehn Hektar großen Konverters
  • Investment von einer halben Milliarde Euro
  • Verhandlungen zur Unterstützung von Land, Bund und aus Brüssel laufen

Abgebautes Lithium wird Bedarf nicht decken

Die Boston Consulting Group hat eine Analyse vorgelegt, die besagt, dass die jährlich abgebaute Menge an Rohstoffen wie Lithium aktuell bei weniger als einem Drittel dessen, was zur Deckung des Elektrobatteriebedarfs im Jahr 2030 erforderlich sein wird, liegt. Lithium ist eines der wichtigsten Rohstoffe zur Batterieherstellung. Hier ist der Bedarf besonders kritisch zu sehen. Die Nachfrage wird laut den Analysten die Produktionskapazitäten schon in vier Jahren deutlich übersteigen.

CEO Harbecke setzt dafür auf Recycling von aussortierten E-Auto-Batterien. Spätestens in zehn Jahren seien nach ihm keine Minen mehr notwendig.

Ein Beitrag von:

  • Sarah Janczura

    Sarah Janczura

    Sarah Janczura ist Content Manager und verantwortliche Redakteurin für ingenieur.de. Nach einem Volontariat mit dem Schwerpunkt Social Media war sie als Online-Redakteurin in einer Digitalagentur unterwegs. Sie schreibt über Technik, Forschung und Karrierethemen.

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