Eis als Baustoff 13.12.2017, 12:43 Uhr

Dieser Turm aus Eis ist geformt wie der Rock einer Flamencotänzerin

Wie schafft man es, einen 30 Meter hohen Eisturm so zu formen, dass er aussieht wie der fliegende Rock einer Flamencotänzerin? Die Antwort holländischer Nachwuchs-Ingenieure: mit riesigen Luftballons und einem Schuss Pykrete. So wird Eis sogar zum stabilen Baustoff für kalte Gebiete.

Er sieht aus wie der Rock einer Flamencotänzerin: Der Flamenco Tower, der vor Weihnachten in Harbin im Nordosten Chinas entstehen wird, soll beweisen, dass Eis in kalten Gebieten ein guter Baustoff sein kann.

Foto: TU Eindhoven

Entwurf des Flamenco Towers aus Eis für das Festival in Harbin in China.

Foto: TU Eindhoven

Ingenieure spritzen braunes Pykrete auf die aufgeblasene Bauform – eine Mischung aus Wasser und Holzfasern. Gefriert es, ist es dreimal stärker als herkömmliches Eis.

Foto: Bart van Overbeeke

Ansicht eines Eisblocks, angereichert mit Holzfasern für mehr Stabilität.

Foto: TU Eindhoven

Entwurf des Flamenco Towers aus Eis für das Festival in Harbin in China.

Foto: TU Eindhoven

2015 haben die angehenden Ingenieure der TU Eindhoven in Finnland eine vereinfachte Form der Sagrada Familia in Barcelona aus Eis gebaut.

Foto: TU Eindhoven

2015 haben die angehenden Ingenieure der TU Eindhoven in Finnland eine vereinfachte Form der Sagrada Familia in Barcelona aus Eis gebaut.

Foto: TU Eindhoven

2015 haben die angehenden Ingenieure der TU Eindhoven in Finnland eine vereinfachte Form der Sagrada Familia in Barcelona aus Eis gebaut.

Foto: TU Eindhoven

2015 haben die angehenden Ingenieure der TU Eindhoven in Finnland eine vereinfachte Form der Sagrada Familia in Barcelona aus Eis gebaut.

Foto: TU Eindhoven

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Kann man aus Eis Häuser und sogar Türme bauen. Man kann. Das zeigen junge Ingenieure der TU Eindhoven: Sie fliegen vor Weihnachten in den Nordosten Chinas, zum berühmten Eisfestival in Harbin, das jährlich bis zu eine Million Besucher mit Eisskulpturen aus aller Welt verzaubert. Dort bauen die Nachwuchsingenieure gemeinsam mit chinesischen Kollegen der University of Harbin den Flamenco Tower – einen 30 Meter hohen Turm aus Eis, der aussieht wie der fliegende Rock einer Flamencotänzerin.

Doch dieser Turm ist nicht nur ästhetisch ein Vergnügen. Er soll auch zeigen, zu welchen stabilen Bauformen sich Eis verarbeiten lässt, wenn es mit weiteren Materialien angereichert wird. Dazu haben sich die Studenten sogar ein spezielles Bauverfahren einfallen lassen. So sind die gewölbten Rüschen des Rocks, die Besuchern als Eingangstor ins Bauwerk dienen, besonders schwer zu bauen.

Riesige Luftballons dienen als Stützform

Um diese Form Wirklichkeit werden zu lassen, haben sich die Ingenieure etwas Besonderes einfallen lassen. Bevor es ans Eisbauen geht, ist maschinelle Pustearbeit gefragt. Die Ingenieure schleppen aufblasbare Formen aufs Gelände des Eisfestivals, die sie mit Luft füllen. Dann rühren sie Pykrete an – ein Gemisch aus einem Teil Holzfasern und sechs Teilen Wassern, ein Gemisch, das gefroren dreimal stärker als normales Eis ist und wegen seiner geringen Wärmeleitfähigkeit mit einer niedrigen Schmelzrate punktet.

Der nächste Schritt: Die Winterkünstler schießen mit Schneekanonen Schnee auf das Ballongerüst und spritzen anschließend mit Schläuchen flüssiges Pykrete hinterher. Sobald die Hülle gefroren ist, lassen die Studenten die Luft aus den Stützballons. Et voila, der Flamenco Tower steht. Geht der Plan auf, wird der 30 m hohe Eisturm von Weihnachten bis Mitte März stehen bleiben. Dann wird ihn das Tauwetter in die Knie zwingen.

Eis als Baustoff der Zukunft für Sibirien – und auf dem Mars

Der Turm wird spektakulär aussehen, keine Frage. Er soll aber auch Werbung für Pykrete machen – ein Materialgemisch, das laut Forschern ein geeignetes Baumaterial für kalte Gebiete ist, etwa für Sibirien, die Arktis oder sogar den Mars. Eis ist dort genügend vorhanden, man müsste lediglich Sägemehl transportieren. „Eis ist einer der Baustoffe der Zukunft“, ist Luo Peng, Vizedekan am Harbin Institute of Technics, überzeugt. „Deswegen sind solche Projekte ideal, um Wissen zu sammeln“. Wäre Pykrete dann nicht der ideale Baustoff für Elon Musk, der 2025 eine Besiedlung des Roten Planeten plant?

Etwas Erfahrung mit der Schalenbauform haben die Wissenschaftler schon sammeln können. Studenten der TU Eindhoven haben 2013 in Finnland mit Pykrete eine zehn Meter hohe Eiskuppel mit einem Durchmesser von 30 Metern gebaut. 2015 haben sie in der finnischen Stadt Juuka eine spektakuläre Eisbrücke nach einem Bauplan Leonardo da Vincis folgen lassen. Die geschwungene Konstruktion bestand aus 900 Tonnen Eis.

Ein Beitrag von:

  • Patrick Schroeder

    Patrick Schroeder arbeitete während seines Studiums der Kommunikationsforschung bei verschiedenen Tageszeitungen. 2012 machte er sich als Journalist selbstständig. Zu seinen Themen gehören Automatisierungstechnik, IT und Industrie 4.0.

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