Gehalt 04.01.2013, 01:00 Uhr

Altersteilzeit für Ingenieure

Zahlreiche gesetzliche Änderungen haben die Möglichkeiten, vorzeitig und/oder flexibel in Rente zu gehen, sukzessive verringert. Daraus ergibt sich, dass flexible Erwerbsausstiege stärker als bislang von Sozialpartnern, Betriebsparteien oder individuell gestaltet werden müssen. In diesem Beitrag werden einige Möglichkeiten wie die Altersteilzeit vorgestellt, aber auch deren Grenzen benannt.

Altersteilzeit: Durch neue Regelungen spielen individuelle Vereinbarungen zum flexiblen Übergang in die Rente eine größere Rolle.

Altersteilzeit: Durch neue Regelungen spielen individuelle Vereinbarungen zum flexiblen Übergang in die Rente eine größere Rolle.

Foto: panthermedia.net/ArturVerkhovetskiy

Das zentrale Instrument für flexible Übergänge in die Rentenphase war und ist die Altersteilzeit. Sie wird seit dem 1.1.2010 nicht mehr staatlich gefördert. Dieser Einschnitt war ein wichtiger Impuls für vielfältige Neujustierungen. So sind vor allem die Nutzungsvoraussetzungen für Altersteilzeit in den entsprechenden Tarifverträgen angepasst worden. Berechtigtenquoten wurden eingeführt oder abgesenkt sowie Rechtsansprüche der Beschäftigten auf Altersteilzeit abgeschafft oder eingeschränkt. Teilweise wurde das Mindestalter für die Nutzung von Altersteilzeit erhöht, teilweise wurden die Aufstockungsbeträge des Arbeitgebers zum Entgelt abgesenkt und den gesetzlichen Mindestvorgaben angenähert.

Einige jüngere Tarifverträge fokussieren stärker auf Arbeitsbelastungen und auf untere Einkommensgruppen. Auch sind für die Gewährung von Altersteilzeit verstärkt ausschließlich betriebliche Fragen von Belang, die Altersteilzeit liegt also zunehmend in der alleinigen Entscheidungsgewalt des Arbeitgebers. Viele jüngere Altersteilzeit -Tarifverträge öffnen sich zudem vermehrt für betriebliche Regelungen: Tarifliche Vorgaben stellen dabei immer öfter nur noch den Rahmen, der von den Akteuren in den Betrieben jeweils situativ mit Inhalt zu füllen ist.

Individuelle Vereinbarungen statt Altersteilzeit

Eine noch größere Rolle als die Altersteilzeit spielen einzelbetriebliche oder individuelle Vereinbarungen für neuere Übergangsinstrumente. Langzeitkonten lassen sich für einen gleitenden oder vorzeitigen Erwerbsausstieg nutzen. Man baut über einen längeren Zeitraum aus Arbeitszeit- oder Entgeltbestandteilen ein Guthaben auf, das am Ende des Erwerbslebens für eine Reduzierung der Arbeitszeit oder eine vollständige bezahlte Freistellung verwendet werden kann. In einigen Branchen zahlt der Arbeitgeber einen Zuschuss, der das verfügbare Guthaben erhöht. Den Vorteilen von Langzeitkonten stehen jedoch einige Risiken gegenüber. Da solche Konten in der Regel mit erbrachter Mehrarbeit (bzw. dem Entgeltäquivalent) bestückt werden, enthalten sie einen großen Anreiz zur Arbeitsverdichtung. Auch Fragen der Verfügungshoheit über die Guthaben, der Portabilität bei einem Arbeitgeberwechsel oder des Insolvenzschutzes sollten geregelt werden.

Bereits seit 1992 gibt es alternativ zur Altersteilzeit die Möglichkeit, dass Versicherte mit Anspruch auf eine vorgezogene Altersrente einen Teil ihrer Rente beziehen und parallel dazu im Rahmen vorgegebener Hinzuverdienstgrenzen weiter einer entgelt- oder arbeitszeitreduzierten Beschäftigung nachgehen können. Dabei wird der in Anspruch genommene Teil der Altersrente (Teilrente) durch Abschläge gemindert – aber nicht nur für die Dauer der Beschäftigung, sondern lebenslang. Inzwischen gibt es einige Tarifverträge (z. B. in der chemischen Industrie oder im Öffentlichen Dienst), in denen Teilrente eine Rolle spielt.

bAv als Alternative zur Altersteilzeit

Im Zuge dieser Entwicklung werden Forderungen lauter, der Gesetzgeber solle die Hinzuverdienstgrenzen abschaffen und zudem Altersteilzeit schon ab dem 58. oder 60. Lebensjahr unabhängig vom Anspruch auf eine vorgezogene Altersrente ermöglichen. An Sozialpartner und Betriebsparteien richten sich Forderungen, die Abschläge bei Teilrentenbezug durch Arbeitgeberleistungen zu kompensieren oder zu gewährleisten, dass eine Beschäftigung neben Teilrentenbezug sozialversicherungspflichtig, also mehr als geringfügig ist.

Im Rahmen der betrieblichen Altersvorsorge (bAv) gibt es mittlerweile ebenfalls erste Ansätze zur Gestaltung des Rentenübergangs. Analog zur Altersteilzeit können Arbeitnehmer einen Teil ihrer angesparten bAv für einen gleitenden Erwerbsausstieg nutzen. Auch ein vollständiger, vorzeitiger Ausstieg ist möglich, bei dem dann ein Teil der bAv die Zeit zwischen Erwerbsausstieg und Beginn der gesetzlichen Rente überbrückt. Durch die Beitragsfreiheit der Einzahlungen in die Arbeitslosen- und die Rentenversicherung und die nachgelagerte Verbeitragung in die Kranken- und Pflegeversicherung ist die bAv Langzeitkonten gegenüber im Vorteil.

Ingenieure haben gute Chancen auf Altersteilzeit

Noch steigern ließe sich die Attraktivität der bAv durch die Einführung bzw. Erhöhung einer Arbeitgeberzulage und durch die Verpflichtung des Arbeitgebers, für jeden Beschäftigten ein bAv-Konto zu eröffnen. Damit auch ältere Beschäftigte noch in den Genuss bAv-finanzierter Übergangsmodelle als Alternative zur Altersteilzeit kommen können, bedarf es zudem Sonderregelungen mit entsprechend kurzer Restansparzeit.

Möglichkeiten des Übergangs aus Erwerbsarbeit in den Ruhestand oder die Altersteilzeit werden von individuellen und von institutionellen Bedingungen strukturiert. Der Gesetzgeber zieht sich aus der Regelungsmaterie zurück, die Tarifparteien können oder wollen diese Lücke jedoch nicht vollständig füllen. Damit gewinnen die einzelbetrieblichen Bedingungen und Gestaltungsmöglichkeiten ebenso an Bedeutung für individuelle Handlungsmöglichkeiten beim Rentenübergang wie die jeweiligen individuellen Merkmale, also die Erwerbs- und Sozialversicherungsbiographie, das Einkommen, Gesundheit, Qualifikation u. Ä.

Mit Blick auf diese Kriterien haben Ingenieure sicherlich überwiegend gute Karten. Wer interessiert ist an einem vorzeitigen oder gleitenden Erwerbsausstieg oder der Altersteilzeit, dem bieten sich unterschiedliche, gegebenenfalls auch kombinierbare Wege. Die arbeitsrechtliche und tarifliche Entwicklung zeigt jedoch: Standardisierte Wege gibt es immer weniger. Es gilt, zu verhandeln und gemeinsam mit dem Arbeitgeber betriebliche oder individuelle Lösungen zu finden.

Dr. Thilo Fehmel, Mitarbeiter am Lehrstuhl für Sozialpolitik des Instituts für Soziologie der Universität Leipzig und im Forschungsprojekt „Re-Flexibilisierung des Rentenübergangs“ am Institut für Soziale Arbeit und Sozialpolitik der Universität Duisburg-Essen.

E:Mail: fehmel@sozio.uni-leipzig.de

 

Von Dr. Thilo Fehmel, Institut für Soziologie der Universität Leipzig Tags: ,

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