Abgeflaute Konjunktur und Corona-Krise

Bewerben in der Krise: Wie Ingenieure trotzdem ihren Traumjob bekommen

Die abgeflaute Konjunktur und Corona-Krise lassen den Stellenmarkt einbrechen. Doch auch in Krisenzeiten heißt es, im Job am Ball bleiben und sich auf einen möglichen Wechsel oder den nächsten Karriereschritt vorzubereiten. Karriereberater Gerhard Stähler hat Tipps.

Mann vor Laptop

Vorbereitung ist beim Vorstellungsgespräch die halbe Miete.

Foto: panthermedia.net/gpointstudio

Im ersten Quartal 2020 gab es bundesweit über eine Million offene Stellen auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Gegenüber dem Vorquartal sank die Zahl der offenen Stellen um 330.000. Zu diesem Ergebnis kommt die IAB-Stellenerhebung, einer regelmäßigen Betriebsbefragung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB).

„Die Betriebe wurden verteilt über die ersten drei Monate des Jahres 2020 befragt. Von den rund 9.000 befragten Betrieben haben wir rund 1.500 in den letzten zwei Märzwochen kontaktiert. Da der wirtschaftliche Shutdown erst in dieser Zeit begann, bilden die Zahlen in erster Linie die abgeflaute Konjunktur vor der Corona-Krise ab. Die volle Wucht der wirtschaftlichen Einschränkungen wird sich erst in den Zahlen für das zweite Quartal zeigen“, erklärt der IAB-Forscher Alexander Kubis.

Die stärksten Rückgänge waren im ersten Quartal 2020 im exportnahen Verarbeitenden Gewerbe und im damit verbundenen Logistiksektor sowie in den Dienstleistungen zu verzeichnen.

Diese Fakten sind alles andere als erheiternd. Dennoch sollten sich Ingenieure auf ihre Karriere konzentrieren und bei Wechselwünschen nicht verzagen. Hier finden Sie Tipps und Beratung.

Vorstellungsgespräch über Skype – ungewohnt, aber möglich

Klassische Vorstellungsgespräche sind aktuell kaum möglich. Viele Betriebe haben ihre Angestellten ins Home Office geschickt – und auch der Teamleiter wird unter Umständen nicht im Büro sein. Daher erhalten Bewerber oftmals Einladungen zu einem Skype-Interview. Diese Situation ist neu, denn sie bringt eine ganz andere Form des Bewerbungsgesprächs mit sich. Schließlich sitzt man der Personalabteilung und dem potentiellen Chef nicht gegenüber; Hände schütteln und eine kurze Begehung der Räumlichkeiten ist ebenfalls nicht möglich. Doch Interviews über digitale Kanäle sind durchaus machbar, weiß Gerhard Stähler, Geschäftsführer der Talentor Germany – Kaiser Stähler Rekrutierungsberatung GmbH.

Auch für das Online-Vorstellungsgespräch per Skype-Interview und Video ist eine detaillierte inhaltliche Vorbereitung unbedingte Voraussetzung. Jedoch müssen viele weitere Aspekte beachtet werden, vor allem technische.

Online-Vorstellungsgespräch: Vorbereitung ist das A und O

Das Online-Vorstellungsgespräch hat gegenüber dem persönlichen Bewerbungsgespräch von Angesicht zu Angesicht einige Vorteile. Am offensichtlichsten ist wohl, dass Sie sich die mitunter zeitaufwendige An- und Abreise sparen. Sie müssen also für das Online-Vorstellungsgespräch insgesamt weniger Zeit einplanen. Da das Gespräch in Ihrer gewohnten Atmosphäre stattfindet, werden Sie sich außerdem sicherer und selbstbewusster fühlen. Doch Vorsicht: Zu viel davon und Sie begehen bereits die ersten Fehler. Denn wichtig ist, dass Sie ein Online-Vorstellungsgespräch genauso ernst nehmen wie ein Live-Gespräch – auch in der Vorbereitung.

Die Eigenheiten der Bewerbungsgespräche via Video und Skype beherbergen nämlich auch einige Nachteile: Für das Online-Vorstellungsgespräch per Skype-Interview oder per Video müssen Sie schließlich selbst für eine angenehme Gesprächsatmosphäre sorgen und eventuelle (technische) Fallstricke verhindern.

Hier haben wir zahlreiche Tipps für das Online-Vorstellungsgespräch zusammengetragen.

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Interviews nicht absagen

VDI-Karriereberater Gerhard Stähler rät davon ab, Interviews in der aktuellen Situation abzusagen. Zum Teil werden sogar Stellenangebote direkt nach einem Videointerview vergeben oder in einem kleinen Kreis weiter finalisiert, gibt Stähler gegenüber dem Verein Deutscher Ingenieure an. In der Podcast-Folge „Bewerben in der Krise“ für „Technik aufs Ohr“ bestätigt Stähler dieses Vorgehen.

Die Prozesse haben sich in Unternehmen zwar durch die Coronakrise verlangsamt, aber das Leben und auch das berufliche Leben gehen weiter.

Von Kurzarbeit betroffen? In unserem Kurzarbeitergeld-Rechner erfahren Sie, was Sie bekommen

Bewerbungsunterlagen im Home Office sortieren

Sie sind auch schon seit Wochen im Home Office? Bevor Ihnen die Decke auf den Kopf fällt, können Sie die Chance nutzen, um die eigenen Bewerbungsunterlagen zu sortieren. Ein frisches Layout beim Lebenslauf oder ein Update der Kenntnisse können Wunder bewirken. Vor allem Ingenieure, die wechselwillig sind, sollten die Zeit für eine Reflexion nutzen. Folgende Fragestellungen können hilfreich sein:

  • Was gefällt mir an meiner jetzigen Arbeitsstelle?
  • Was möchte ich ausbauen?
  • Wo will ich hin?
  • Wer ist mein Wunscharbeitgeber?
  • Wo kann ich Fortbildungen machen?

Mit diesen Antworten im Gepäck, geht es an die Neuausrichtung der Bewerbungsunterlagen. Wie ein maßgeschneidertes Anschreiben für Ingenieure aussieht, finden Sie hier.

Bewusst mit der eigenen Karriere beschäftigen

Warten ist keine Option. Nur weil um uns herum die Corona-Krise wütet, heißt es nicht, dass sich Bewerber nicht mit ihrer Karriere befassen können. Auf das Ende der Krise oder einen Aufschwung zu warten, macht wenig Sinn.

„Dies gilt nicht nur für die damalige und heutige Krise, sondern das pro-aktive Verhalten war auch in der Finanzkrise 2008/9 die richtige Strategie. Um es platt auszudrücken: Nach der Krise ist vor der Krise. Dass wir jetzt circa 10 Jahre relativen Aufschwung erleben durften, ist nicht der Normalfall“, so Stähler.

Durch gute wirtschaftliche Grundbedingungen und dem Mittel Kurzarbeitergeld, ist eher davon auszugehen, dass wir nach der Krise unsere Karriere wieder pushen können. Voraussetzung ist allerdings, dass der „Lock-Down“ nicht noch länger oder zu lange anhält.

Tipps Bewerben in der Krise:

  • Reflektieren und eigene Karriereziele festlegen
  • Bewerbungsunterlagen erneuern
  • Initiativbewerbungen senden
  • Gesprächsmöglichkeiten nutzen
  • Gut auf Videokonferenzen oder Telefon-Interviews vorbereiten
  • Auf ausgeschriebene Stellen eingehen, denn diese sind auch in der Krise langfristig gedacht

Arbeitgeber, die jetzt Stellen ausgeschrieben haben, suchen in der Krise noch selektiver und setzen auf hohe Qualität. Hier besteht die Chance, sich zu positionieren.

Netzwerken in der Krise

Netzwerken ist nicht nur jetzt eine gute Idee, sondern dient generell dem Ausbau von beruflichen Kontakten. Nehmen Sie sich etwas Zeit, um das LinkedIn- und Xing-Profil aufzufrischen und potentiellen Arbeitgebern zu folgen. Aus dem Netzwerk können beispielsweise auch Tipps für den Arbeitsalltag kommen oder einer Ihrer Kontakte unterstützt Sie dabei, während eines längeren Auslandsaufenthalts vor Ort Fuß zu fassen, weil er sie in die Eigenheiten der dortigen Kultur einführt. Gutes Networking geht also über Small Talk bei Branchenveranstaltungen weit hinaus. Wie Ingenieure richtig netzwerken, lesen Sie hier.

Gerhard Stähler ist Geschäftsführer der Talentor Germany – Kaiser Stähler Rekrutierungsberatung GmbH. Für den VDI ist er auf dem Gebiet der Karriereberatung aktiv. Über Chancen in der Krise und neue Formen der Bewerbungsgespräche spricht Gerhard Stähler außerdem in der Podcast-Folge Technik aufs Ohr „Bewerben in der Krise“.

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