Personalabbau in Unternehmen

Wie Ingenieure auf ein Angebot zur Abfindung reagieren sollten

Wenn Ingenieure ein Angebot zur Abfindung erhalten, schätzen sie Summe oft größer sein, als sie in der Praxis tatsächlich ist. Denn sie muss reichen, bis ein neuer Arbeitsplatz gefunden ist. Auch Kosten für Bewerbungsaktivitäten sollten davon bezahlt werden.

Mann mit blauem Sparschwein im Geldregen

Abfindung: Oft zu hoch eingeschätzt.

Foto: panthermedia.net/SIphotography

Zurzeit wird wieder einmal in vielen Unternehmen mit eisernem Besen gekehrt. Umstrukturierungen sind an der Tagesordnung. Verantwortlich dafür sind Managementfehler der Vergangenheit, internationaler Wettbewerbsdruck, ungezügelter Drang zur Rendite und vieles mehr. Im Zuge der Umstrukturierungen dreht sich das Personalkarussell, und nicht jeder profitiert. Der eine oder andere, manchmal ganze Gruppen oder Unternehmensbereiche, sollen abgestoßen werden. Die gestern noch groß umjubelten und hochgelobten Ingenieure befinden sich plötzlich auf der Verliererstraße – und müssen über ihre Abfindung verhandeln.

Manchmal „durch die Blume“ ein anderes Mal drastisch und mit Nachdruck wird ihnen mitgeteilt, dass sie nicht mehr ins zukünftige Konzept passen. Um das Ausscheiden zu erleichtern, gibt es den „goldenen Handschlag“ oder wie die Engländer zu sagen pflegen, den „goldenen Fallschirm“. Doch manchmal trügt der Schein, und der Fallschirm hält nicht das, was er verspricht, die Landung ist nicht immer sanft, mancher fällt sogar wie ein Stein vom Himmel. Daher sollte genau überlegt werden, ob, wann und wie ein Abfindungsangebot akzeptiert wird, denn möglicherweise ist mit der Abfindung bereits die Karriere als Ingenieur in der abhängigen Anstellung vorbei.

Die Abfindung für Ingenieure ist kleiner, als sie auf den ersten Blick aussieht

Da bekommt ein gut verdienender Ingenieur, der gerade das 50. Lebensjahr vollendet hat, eine üppige Abfindung, sagen wir einmal 150.000 Euro. Geht man davon aus, dass 25 Prozent der Fiskus abzweigt und er seinen Dienstwagen adäquat ersetzen muss, bleiben noch stattliche 80.000 Euro übrig. Doch wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, im Alter 50+ lückenlos oder überhaupt eine angemessene Folgebeschäftigung zu erlangen?

Mit dem Blick auf die Abfindung bleibt dem Ingenieur vielleicht ein Jahr Zeit, bei einem sparsameren Lebenswandel etwas mehr… und dann hilft auch noch die Arbeitsagentur. Geht der Ingenieur bei der Suche nach der Anschlussbeschäftigung gezielt und richtig vor, kann er erfolgreich sein. Doch häufig wird sehr viel Zeit für wenig zielführende Aktivitäten aufgebracht, und zum Schluss zieht sich die Schlinge zu. Hoffentlich sind dann keine großen Kredite und Ähnliches offen!

Ingenieure sollten Zeit gewinnen, bevor sie eine kleine Abfindung akzeptieren

Zugegebenermaßen befindet sich der hier herbeizitierte Ingenieur auf hohem Niveau. Doch wie sieht es mit einer Abfindung von zum Beispiel 50.000 Euro aus? Wer den freiwilligen Sofortausstieg bei seinem Arbeitgeber erwägt und nur wenige Monatsgehälter zu erwarten hat, muss von allen guten Geistern verlassen sein – außer er hat bereits eine berufliche Alternative unter Dach und Fach gebracht. Doch was tun, wenn der Arbeitgeber wackelt?

Oberstes Gebot: Es muss Zeit gewonnen werden! Spätestens jetzt muss ein Feuerwerk an Bewerbungsaktivitäten im Arbeitsmarkt abgebrannt werden. Der vorausschauende Ingenieur sollte schon die Initiative ergreifen, wenn erste Gerüchte über Freisetzungen und Abfindungen im Unternehmen aufkommen, um am Tage X wirklich die Alternative auf dem Tisch zu haben. Es wird ja selten jemand im Schlaf von den neuesten Unternehmensentwicklungen überrascht und bekommt als Ingenieur am nächsten Tag eine Abfindung vorgeschlagen.

Es kann die beste Option sein, eine Abfindung hinauszuzögern

„So lange wie möglich an Bord bleiben“, scheint das beste Rezept, um für den Arbeitsmarkt attraktiv zu bleiben und ohne große Einbrüche die berufliche Entwicklung fortsetzen zu können. Auch Auffang- oder Beschäftigungsgesellschaften sollte man eher kritisch begegnen. Häufig führt der Weg aus diesen Gesellschaften nicht weiter. Statt die Abfindung zu akzeptieren, ist es für Ingenieure meist sinnvoller, das Beschäftigungsverhältnis so lange wie möglich fortzusetzen und parallel am Arbeitsmarkt zu agieren.

Es kann ja auch noch zu der einen oder anderen überraschenden Wendung im eigenen Unternehmen kommen. Wer sich zu früh verabschiedet, bereut dann möglicherweise den übereilten Schritt. Anders sieht es mit Angeboten für eine Abfindung aus, die dem Ingenieur noch eine realistische Suchzeit für einen neuen Job zugestehen. In sechs bis neun Monaten kann im Normalfall die berufliche Alternative generiert werden. Ingenieure 50+ und besonders profilierte Spezialisten tun sich je nach Branchenherkunft allerdings schwerer und brauchen mehr Zeit.

Ingenieure sollten die Abfindung nicht für privaten Konsum ausgeben

Weshalb möglicherweise zu früh auf ein Angebot zur Abfindung eingegangen wird, kann auch an der Fehleinschätzung des Ingenieurs an der eigenen Situation liegen. Gerade vom Erfolg verwöhnte Ingenieure überschätzen ihre Attraktivität für den Arbeitsmarkt. Ihnen ist nicht klar, was es eigentlich bedeutet, auf die Straße gesetzt worden zu sein und beruhigen sich lieber damit, das Feld freiwillig, sozusagen „auf eigenen Wunsch“, geräumt zu haben. Der Abgang wird gesundgebetet, der Arbeitsmarkt interpretiert das aber anders. Der einzelne ist eben nicht mehr Mitarbeiter des Weltkonzerns xyz, er ist schlicht und ergreifend nur noch ein Ingenieur, der eine neue Stelle sucht. Und auch wenn Ingenieure sehr gefragt sind, muss der nächste freie Job nicht im Nachbarort oder beim anvisierten Wunschunternehmen liegen.

Häufig wird auch die Abfindung von Ingenieuren generell falsch interpretiert, mehr oder weniger als „Schmerzensgeld“. Manch jüngerer und wenig lebenserfahrene Mensch neigt zum zweckentfremdeten Einsatz des Geldsegens. Zwischen Weltreise und Anzahlung der Eigentumswohnung sind alle Facetten denkbar. Das böse Erwachen kommt später, wenn das Konto leer ist, die Anschlussbeschäftigung fehlt und die Kosten für jede Bewerbungsaktivität schmerzen.

Die Abfindung sollten Ingenieure nicht unnötig sparen

Es gibt aber auch die andere Kategorie Mensch. Wackelt der Arbeitsplatz, wird eine strikte Haushaltspolitik gefahren und jeder Cent dreimal herumgedreht. Diese Spezies beginnt bei den beruflichen Dingen zu knapsen, überlegt sich vor jeder Bewerbungsaktivität, ob sich der Aufwand überhaupt lohnt. Ihr Ziel: Möglichst die Abfindung als Ingenieur komplett „retten“, um sie später für andere Aktivitäten zur Verfügung zu haben.

Beide Strategien sind wenig ratsam. Trotz des beschwingenden Gefühls, ein gewisses Sümmchen Geld in den Fingern zu halten, sollten schnell rationale Überlegungen die Oberhand gewinnen. Es geht jetzt nur um das eine: So schnell wie möglich einen Anschlussjob zu finden. Jeder, der als Ingenieur eine Abfindung erhält, sollte sich vor Augen führen, wofür diese Abfindung eigentlich gedacht ist.

Die Abfindung dient Ingenieuren zur Jobsuche

Eine Abfindung dient dem Ingenieur dazu, einen neuen Arbeitsplatz zu suchen! Ist der Arbeitsplatzverlust besprochene Sache, sollte das Geld möglichst zielgerichtet und intensiv für das Bewerbungsgeschehen eingesetzt werden. Nicht umsonst bietet der eine oder andere Arbeitgeber auch als (Teil-)Alternative zur Abfindung die Outplacement-Beratung an, was insbesondere Kandidaten mit wenig aktueller Bewerbungserfahrung nicht gleich abschlagen sollten. Andererseits kann man sich auch punktuell zu bestimmten Themen bezahlten Rat einholen.

Eine Abfindung ist für Ingenieure weder dazu gedacht, sie zu sparen noch zu konsumieren. Sie dient ausschließlich der schnellen und intensiven Suche nach einem neuen Arbeitsplatz. Wer bei der Jobsuche spart oder zu zögerlich investiert, spart am verkehrten Ende und der vermeintliche Sparkurs wird schon schnell ins teure berufliche Abseits führen. Ist dagegen ein neuer Job gefunden, kann immer noch der verbleibende Rest zweckentfremdet eingesetzt oder auf die hohe Kante gelegt werden.

 

 

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