Karrierestrategie 22.12.2014, 12:02 Uhr

Welche Perspektiven nach der Kündigung?

Es ist soweit! Das monatelange Suchen nach einem besseren Arbeitgeber und attraktiverem Job wurde mit einer lohnenswerten beruflichen Alternative belohnt. Der Arbeitsvertrag liegt unterschreiben auf dem Tisch, gleich neben der Kündigung, die noch heute dem Vorgesetzten ausgehändigt werden soll. Der Ingenieur lässt nochmals die letzten beiden Jahre seines Berufslebens Revue passieren und die Gefühle vermischen sich.

Kündigung: Bis zum Ende durchziehen, es gab schließlich gute Gründe für Ihre Entscheidung!

Kündigung: Bis zum Ende durchziehen, es gab schließlich gute Gründe für Ihre Entscheidung!

Foto: panthermedia.net/baranq

Insbesondere erinnert er sich an das zweite Vorstellungsgespräch: „Es erwarten Sie interessante Projekte, schnelle Entscheidungen wegen flacher Hierarchien, hervorragende Arbeitsbedingungen, sehr gute Aufstiegsperspektiven“ und, und, und. Die Märchenstunde im Vorstellungsgespräch und die Realität hatten aber leider nicht viel gemeinsam. Gut, dass man diesem Arbeitgeber jetzt den Rücken zudrehen und zu neuen Ufern aufbrechen kann – packen wir es an!“

Doch nicht jeder Kandidat, der auf dem Absprung ist, zieht die Sache bis zum Schluss durch. Da gibt es zum Beispiel den jungen Ingenieur, der das erste Mal kündigt. Ganz kühl lässt ihn die Situation nicht. Immerhin hat ihm der Arbeitgeber den Berufseinstieg nach dem Studium ermöglicht und das Anfangsgehalt fiel im Vergleich zu seinen Ex-Kommilitonen eher überdurchschnittlich aus – doch statt Dankbarkeit bekommt der Arbeitgeber jetzt die Kündigung präsentiert. Die aufkommenden Bedenken sind nachvollziehbar. Große Emotionen braucht die arbeitnehmerseitige Kündigung dennoch nicht zu begleiten. Schließlich ist die Berufswelt keine soziale Veranstaltung.

Eine Kündigung hat immer Gründe auf beiden Seiten

Damals gab es für die Einstellung des Ingenieurs sicherlich einen geschäftlichen Anlass. Ebenfalls gibt es für den Ingenieur Gründe, weshalb er die Kündigung schreibt. Schlechte Arbeitsbedingungen, fehlender technologischer Anspruch in Projekten etc. können Gründe dafür sein. Häufig wird aber gekündigt, weil man mit Vorgesetzten oder Personalabteilungen nicht zu Recht kommt. Und weil das so ist, brechen nicht nur vereinzelt Ingenieure nach den ersten Berufsjahren zu neuen Ufern auf!

Aber auch gestandene Ingenieure finden sich aus nämlichen Gründen latent auf dem Absprung. Viele Vorgesetzte und Personaler fühlen sich erst dann an ihre Versäumnisse erinnert, wenn sie am Tage x die Kündigung des Mitarbeiters zugestellt bekommen. Manche Abteilungsleiter erstarren zur Salzsäule, denken sie an laufende oder geplante Aufgaben oder Projekte, die fach-, termin- und kostengerecht abgeschlossen werden müssen. Die Lücke, die der Kündigende hinterlässt, zieht möglicherweise große Probleme nach sich.

Eine Kündigung kann dem Arbeitgeber schaden

So ist z.B. nicht jeder Entwicklungsingenieur in seiner Spezialfunktion von heute auf morgen zu ersetzen. Statt sich mit der Kündigung abzufinden, erwacht (zu)spät aber jetzt der Kampfgeist. Es wird im Handumdrehen versucht, die defizitäre Personalarbeit in 30 Minuten nachzuholen. Plötzlich kommt es zu Gesprächen mit dem Kündigenden, um ihn von seinem Vorhaben abzubringen. Er sieht sich dem gesamten rhetorischen Vermögen erfahrener Manager und Personaler ausgesetzt.

Es wird dem Kündigenden beigebracht, wie toll die Zukunftsvisionen des Arbeitgebers sind, dass sich ein Verbleib finanziell auf jeden Fall auszahlen wird und sich der Marktwert des betreffenden Ingenieurs immens steigern würde. Plötzlich werden diverse Entwicklungsmöglichkeiten, Förderprogramme usw. aus dem Zylinder gezaubert. Möglicherweise wird aber auch der potenzielle neue Arbeitgeber richtig durch den Kakao gezogen und dem Ingenieur mit dem „größten Karrierefehlgriff seines Lebens“ Angst gemacht.

Schadensbegrenzung nach der Kündigung

In der Tat kommt jetzt so mancher unerfahrene Ingenieur ins Grübeln. Plötzlich kümmert man sich um ihn. Vorgesetzte zweigen kostbare Arbeitszeit für seine Belange ab und unterhalten sich mit ihm. Die graue Maus steigt plötzlich wie der Phönix aus der Asche auf und fühlt sich kräftig gebauchpinselt. Zweifel und Fragen an der Richtigkeit der Kündigung kommen auf: „Vielleicht haben die Vorgesetzten und Personaler doch recht und ich bin hier gar nicht so schlecht dran. Was soll ich jetzt machen? …“

Hier gibt es eine klare Antwort. Die Anstrengungen der Vorgesetzten und Personaler sollten nicht überbewertet werden. Schließlich gehen sie nur einer ihrer Aufgaben nach, für die sie engagiert sind. Vorgesetzte und Personaler denken wohl mehr an die Zeit, Aufwand und Risiko, die eine neue Stellenbesetzung nach der Kündigung mit sich bringt, als an die Belange des Kündigenden. Es wird eine reine Schadenbegrenzung betrieben, wobei Führungskräfte eigentlich nur ihr Problem lösen wollen: Mit den Aufgaben und Projekten soll es ohne größere Umstände weitergehen.

Kündigung: Echtes Interesse oder faule Kröte?

Wie dem auch sei, ob das plötzliche Interesse am Mitarbeiter echt ist oder nicht, kann einfach geprüft werden. Versucht der Arbeitgeber genau die Abwanderungsgründe zu erheben und zu analysieren? Geht er auf die Alternative zur Kündigung ein? Setzt er als Konsequenz alle Hebel in Bewegung, um schnell ein attraktives Alternativangebot zu generieren? Wenn dem so ist, kann ein Nachdenken nicht schaden. Wird dagegen in den Gesprächen nur heiße Luft ausgepustet, werden große Versprechen nicht schriftlich fixiert und einfach nur in den Raum gestellt, dem Mitarbeiter Angst gemacht usw., handelt es sich lediglich um Billigstrategien von Führungskräften, um Unbequemlichkeiten aus dem Weg zu gehen.

Wer sich für eine Kündigung entscheidet, wird dies nicht aus einer Sektlaune heraus tun. Viele – meist betriebliche – Gründe lösen die Suche nach einem neuen Arbeitgeber aus. Letztlich entscheidet man sich nicht unbesehen für einen x-beliebigen neuen Arbeitgeber. Zeit genug zum Grübeln gibt es vor der Entscheidung. Wer sich entschieden hat, sollte das angefangene Vorhaben zu Ende bringen. Nur, wenn der Arbeitgeber ein wirklich attraktives Alternativangebot schnell auf den Tisch bringt, kann nochmals nachgedacht werden. Dennoch darf eines nicht vergessen werden: Wer bleibt, wird im Nachhinein immer ein Dorn im Auge von Personalern und Führungskräften sein, die irgendwann einmal eine Revanche gegenüber dem „Umfaller“ fordern.

www.andersch-consulting.de

 

Ein Beitrag von:

  • Bernd Andersch

    Bernd Andersch ist Karriere-Coach, Sachbuchautor und Spezialist für Bewerbungsstrategien.

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