Stellenwechsel

Abwerben lassen? Wann es sich lohnt!

Wenn sich ein Personalberater überraschend per Telefon meldet und einen Mitarbeiter abwerben möchte, fühlt sich mancher Ingenieur gebauchpinselt, der im Alltagsgrau Highlights vermisst. Schon lange bekam man nicht mehr so viel Lob über die eigene Qualifikationen zu hören und manch einer beginnt zu fliegen.

Wenn die angebotene Stelle besser zu den Qualifikationen passt, sollte man die Chance nutzen.

Wenn die angebotene Stelle besser zu den Qualifikationen passt, sollte man die Chance nutzen.

Foto: panthermedia.net/iamnao

„Habe ich es doch gleich gewusst, dass ich aus meinen Qualifikationen viel mehr machen kann als bei meinem augenblicklichen Arbeitgeber, der doch so oft mein wirkliches Können verschmäht. Jetzt werde ich allen zeigen, was in mir steckt!“ In der Hoffnung, dass bei einem neuen Arbeitgeber alles besser ist, wird möglicherweise der angebahnte Wechsel vollzogen. Mit viel Glück trifft man dann nach dem Abwerben tatsächlich auf einen wesentlichen besseren Arbeitgeber.

Sich abwerben lassen: Weniger attraktiv als früher

Damit die berufliche Karriere auf diese Weise nicht zum Vabanquespiel wird, sollte sehr nüchtern auf den Anruf des Personalberaters zwecks Abwerbung reagiert werden. Das Paradies auf Erden gibt es in keinem erfolgreichen Unternehmen des 21. Jahrhunderts. Unternehmen haben in den letzten Jahren schwer an Individualität verloren, sowohl was die Arbeitsprozesse als auch den Führungsstil angeht. Auch dadurch ist es weniger attraktiv geworden, sich abwerben zu lassen.

Nüchtern betrachtet sehen die Unternehmen alle recht ähnlich aus: Controllingzahlen diktieren das Geschehen, überall waren bereits die gleichen Berater tätig und haben nach gleichen Mustern die Geschäftsprozesse standardisiert etc. Verhaltens- und Arbeitsweisen und auch die Umgangsformen in den Unternehmen unterscheiden sich kaum noch, das soziale und betriebliche Umfeld ähnelt sich stark. Sich abwerben zu lassen, ist dadurch für Ingenieure weniger lukrativ geworden. Die Suche nach einem dauerhaften Arbeitgeber, bei dem man endlich Ruhe, den sicheren Hafen und verlässliche Karriereperspektiven antrifft, wird in der heutigen Zeit, wo Flexibilität eine der größten Trumpfkarten von Unternehmen im globalen Überlebensgeschehen ist, zur absoluten Illusion.

Wann es sinnvoll ist, sich abwerben zu lassen

Ein Stellenwechsel ohne wesentliche Verbesserungen und nur in der Hoffnung, ein angenehmeres Berufsleben anzutreffen, bringt daher nichts. Sich abwerben zu lassen macht nur Sinn, wenn es sich wirklich lohnt. Und das fängt beim Gehalt an. Mindestens 15 Prozent mehr müssen bei einem externen Stellenwechsel ohne Wenn und Aber drin sein. Bietet ein angebotener Job keine wesentliche Gehaltsverbesserung oder wird der Bewerber nach dem Motto vertröstet: „Jeder trägt in unserem Unternehmen den Marschallstab im Tornister, es ist alles erreichbar, warten Sie nur ab“, sollte man lieber die Finger von der Sache lassen.

Neben dem Gehalt spielen für das Abwerben die Position und die damit verbundenen Verantwortlichkeiten eine Rolle. Ist kein Aufstieg mit wesentlich mehr Verantwortung erkennbar, möglicherweise nur die Positionsbezeichnung klangvoller oder die Auspuffrohre des Dienstwagens etwas größer, gilt auch hier: Finger weg! Gleiches gilt für nicht unmittelbar greifbare Karriereperspektiven. In Gesprächen kann viel Süßholz geraspelt werden. Letztendlich zählen keine Wunschbilder, die beim Opiumrauchen gemalt wurden, sondern Fakten. Und Fakt ist die Position und sind die Bedingungen, zu denen man im neuen Unternehmen startet – nicht mehr und nicht weniger.

Wer sich abwerben lässt, sollte nicht den Preis eines Unternehmenswechsels unterschätzen. Nehmen wir einmal das Beispiel eines erfolgreichen technischen Verkäufers, der hin und wieder mit seinem Geschäftsführer unzufrieden ist, sich aber ansonsten anständig im Unternehmen entwickelt und im Grunde jede Menge Freiheitsspielräume genießt. Da gibt es wieder einmal eine Missstimmung und ein Personalberater bietet die Alternative Key Account Manager in einem Unternehmen, das in anderen aber ähnlichen Märkten unterwegs ist. Das hört sich zunächst gut an.

Personalberater beschwichtigen beim Abwerben

Faktisch gibt es jedoch weder ein wesentlich verbessertes Gehalt noch eine erheblich höhere Verantwortung, lediglich das Gesicht des Vorgesetzten sieht anders aus. Der Personalberater beschwichtigt hier beim Abwerben: „Keine Angst, da ist noch mehr drin!“ Der erfolgreiche Vertriebsmann würde einen hohen Preis für den Stellenwechsel zahlen. Er verliert seinen mühsam aufgebauten Kundenstamm und sein hervorragendes Image, das er sich in seinen Märkten aufgebaut hat. Was ihn im neuen Unternehmen in Form von Vorgesetzten, Kollegen, Kunden und Märkten erwartet, weiß er nicht. Im Grunde muss er zur Stunde Null anfangen.

Im alten Unternehmen weiß er immerhin, woran er ist. Im Vergleich zu seinen Kollegen fährt er hier seit Jahren auf der Überholspur. Der Erfolg des Unternehmens wird sogar erheblich von seinen Verkaufserfolgen bestimmt. Eine weitere positive Entwicklung scheint wahrscheinlich. Dass es ihm dabei nicht schnell genug geht und viele Konflikte mit dem Geschäftsführer ausgetragen werden müssen, ist eher normal und sein ganz persönliches Problem, dass er nicht zum Anlasse nehmen sollte, sich abwerben zu lassen.

Möglicherweise leidet er angesichts seines Erfolgs auch unter einer leichten Realitätsverstellung, das ihn für das Abwerben anfällig macht. Bevor voreilig zum Stellenwechsel geschritten wird, sollte selbstkritisch in sich gegangen werden, um die eigene Ausgangssituation und herangetragene Jobangebote zu prüfen. Wer hier nicht weiterkommt, sollte sich den objektiven Rat eine Coachs einholen, um der Kariere nicht vorzeitig den Wind aus den Segeln zu nehmen.

 

Von Bernd Andersch, Karrierecoach Düsseldorf

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