09.06.2017, 12:34 Uhr | 0 |

Fehlender Nachwuchs Boeing will ab 2018 den Verkehrsflug ohne Pilot testen

Boeing will nächstes Jahr mit Testserien beginnen, deren Ziel es ist, künftig Verkehrsflugzeuge pilotenlos fliegen zu lassen. Im Simulator am Boden laufen die autonomen Flüge sogar schon im Sommer dieses Jahres an. Auch die Nasa hat sich die Entwicklung autonomer Flugzeuge auf ihre Fahnen geschrieben.

Boeing 737
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Boeing will den voll automatisierten Flug vorantreiben: Die amerikanische Fluggesellschaft startet 2018 mit Testserien, deren Ziel es ist, künftig Verkehrsflugzeuge pilotenlos fliegen zu lassen. Mit dem Passagierflugzeug B737 hat das Unternehmen bereits robotergesteuerte Simulationsflüge absolviert.

Foto: Boeing

Boeing will nächstes Jahr mit Testserien beginnen, deren Ziel es ist, künftig Verkehrsflugzeuge pilotenlos fliegen zu lassen. Im Simulator am Boden laufen die autonomen Flüge sogar schon im Sommer dieses Jahres an. Auch die Nasa hat sich die Entwicklung autonomer Flugzeuge auf ihre Fahnen geschrieben.

In aller Welt beklagen die Luftverkehrsgesellschaften immer häufiger den gravierenden Mangel an Pilotennachwuchs. Boeing- Vorstandsmitglied Mike Sinnett: „In den nächsten 20 Jahren werden alles in allem 1,5 Millionen neue Piloten benötigt.” Erforderlich sind sie unter anderem für die rund 40.000 Verkehrsflugzeuge, die in diesem Zeitraum neu in Dienst gestellt werden sollen. Hinzu kommen schier unzählige Flugzeuge für andere Einsatzzwecke als den Personen- oder Fracht-Transport. In der Vergangenheit kam ein großer Teil des Pilotennachwuchses aus den Luftstreitkräften aller Länder. Dort werden inzwischen allerdings sehr viel weniger Piloten ausgebildet, als in der kommerziellen Luftfahrt benötigt werden.

Drohnen-Entwicklung als Technik-Lieferant

Sinnet hebt darauf ab, dass es inzwischen hochwertige Drohnen gibt, die weniger als 1.000 US-Dollar das Stück kosten und im unbemannten Flug Erstaunliches leisten können. Damit stehe ein Großteil der erforderlichen Technik schon zur Verfügung.

Zugleich werden in der Verkehrsluftfahrt seit Jahrzehnten automatische Landesysteme für Schlechtwetterlandungen genutzt. Schließlich hat Boeing selbst schon mit der B737 – das bisher meistgebaute Modell ziviler strahlgetriebener Passagierflugzeuge – die so genannte Alias-Technik getestet, bei der ein Roboter als Co-Pilot das Flugzeug selbsttätig landet.

Noch keine garantierte Betriebssicherheit

Sinnett fasst den heutigen Stand zusammen: „Das Flugzeug allein ist schon in der Lage alles Erforderliche zu tun. Was aber bisher noch fehlt ist die völlige Integrität oder garantierte Betriebssicherheit, dass alles auch stets funktioniert.“ Dabei verweist Boeing darauf, dass seit 2009 im amerikanischen Luftverkehr kein Passagier oder Besatzungsmitglied eines Verkehrsjets durch einen technisch bedingten Absturz ums Leben gekommen ist. Die Forderung, dass das so bleibt, ist nach Einschätzung des Flugzeugbauers die Richtschnur an der die Vollautomatisierung der Verkehrsluftfahrt gemessen werden muss.

Eine Schwierigkeit auf diesem Wege ist nach Einschätzung von Boeing, dass sich auch die Zulassungsbehörden für Verkehrsflugzeuge bislang noch nicht im Klaren sind, was letztlich die einzelnen technischen Voraussetzungen für die unumgängliche Betriebsgenehmigung der künftigen pilotenlosen Jets sein müssen.

Großes Gewicht kommt der Künstlichen Intelligenz zu

Dazu gehört vor allem das so genannte maschinelle Lernen der Computer, die die Entscheidungsprozesse der Piloten nicht nur übernehmen, sondern ganz erheblich beschleunigen müssen. Sinnett gibt dazu ein prägnantes Beispiel: Im Jahr 2009 landete Flugkapitän Chesley Sullenberger einen Airbus A320 nach einem totalen Triebwerksausfall durch die Kollision mit Wildgänsen in einer meisterhaften Leistung im Hudson River. Kein Passagier und kein Besatzungsmitglied kamen dabei um. Wie Sinnett allerdings betont, hätte Sullenberger das havarierte Flugzeug durchaus noch auf den New Yorker LaGuardia-Flughafen zurückfliegen können – wenn es ihm möglich gewesen wäre, diese Option mit all ihren Risiken so schnell und sicher durchzurechnen, wie es ein Computer vermag.

Schon 2019 soll ein Dreamliner automatisiert fliegen

Zumindest für die nächsten Jahre hat Boeing klare Vorstellungen, wie die Entwicklung der besatzungslosen Verkehrsflugzeuge verlaufen soll. Für 2019 plant der Flugzeugbauer voll automatisierte Starts und Flüge sowie Rollbewegungen am Boden durch ein Großflugzeug, den Boeing 787 Dreamliner. Natürlich wird dieses Flugzeug noch keine Musterzulassung für den unbemannten Verkehrsflug haben – aber es wird testweise fliegen dürfen. Wie es dann weitergehen wird, ist laut Boeing bislang noch nicht abzusehen. Auch die Akzeptanz der Passagiere müsste sich ändern: Noch 2016 ergab eine Bitkom-Untersuchung, dass nur einer von zehn Flugreisenden in ein autonom fliegendes Flugzeug einsteigen würde. 

 Die neue Version wird als „Präzisions-Kampfhubschrauber” bezeichnet. Hauptantriebskraft für dieses Vorhaben sind die beträchtlichen Kosteneinsparungen, die der Verzicht auf einen menschlichen Piloten bietet.

Was sonst noch so möglich ist hat Flugzeugbauer Airbus im März auf dem Genfer Autosalon gezeigt. Ja, Airbus hat wirklich ein Auto gebaut, das nicht nur autonom fahren, sondern auch noch fliegen kann. Dabei passt die Kabine für die Fahrgäste auf ein Fahrgestell, kann aber genauso an eine riesige Drohne gekoppelt werden. Und das alles in wenigen Sekunden.

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Von Peter Odrich
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