17.05.2016, 07:26 Uhr | 0 |

Navi zeigt den Weg Fürs Fahrrad: Navi, Alarmanlage und Info-Center in einem

Ein unscheinbares Kästchen am Lenker entpuppt sich bei näherem Hinsehen als Alleskönner: Das SmartHalo einer kanadischen Erfinder-Truppe verleiht jedem Fahrrad Navi, Alarmanlage, Fitnesstracker und Info-Center – wenn das Smartphone mit an Bord ist. 

Smartphone in die Tasche, SmartHalo übernimmt
Á

So, jetzt kann das Smartphone in die Tasche. Alle weiteren Informationen können jetzt am SmartHalo abgelesen werden, das am Lenkrad befestigt wurde.

Foto: SmartHalo

Was ist ein Fahrrad – ist es in erster Linie ein Transportmittel? Ist es ein Fitnessgerät oder eine praktische und günstige Möglichkeit, nach einem Treffen mit Freunden nach Hause zu kommen? Oder ist es ein Lifestyle-Objekt?

Für jedes handelsübliche Fahrrad

Mit SmartHalo ist es das alles auf einmal: Das kleine Gerät, das am Lenkrad befestigt wird, macht jedes handelsübliche Fahrrad zum SmartBike. Somit brauchen sich Pedalritter nicht mehr mit einem halben Dutzend Einzelgeräten herumschlagen: Der Bordcomputer ersetzt ein Navigationsgerät, um auch unbekannte Strecken schnell und sicher ohne dauernde Kartenstopps fahren zu können, einen Fitnesstracker, um die bewältigte Strecke mit dem persönlichen Trainingsplan abgleichen zu können, und ein leistungsfähiges Licht, um sich auch im Dunkeln auf der Straße zu bewegen.

Ach ja, eine Diebstahlsicherung und Informationen über Anrufe, Wetter und ähnliches sind ebenfalls enthalten.

Stromsparende LEDs zeigen unaufdringlich die Richtung an

Eine siebenköpfige Gruppe Tüftler aus dem kanadischen Montreal, nach eigenen Angaben selbst passionierte Großstadt-Radler, hat den voraussichtlich ab September 2016 erhältlichen Alleskönner entwickelt. Auf den ersten Blick wirkt der kleine schwarze Kasten mit seinen 81x67x20 mm unspektakulär, doch sobald er aktiviert wird, verrät er seine Geheimnisse. Auf der rund handtellergroßen Scheibe, die sich als Display entpuppt, erscheinen bunte Zeichen. Zentrales Element ist ein Lichtkranz aus stromsparenden LEDs, die je nach Aktion unterschiedliche Hinweise geben.

Damit lotst SmartHalo seinen Besitzer durch das dichteste Straßengewirr, indem es unaufdringlich anzeigt, wann man abbiegen soll oder ob es weiter geradeaus geht. Sollte einmal eine Kehrtwende angesagt sein, vermittelt der leuchtende Kreis auch das durch einfache Symbole. Wichtig war den Erfindern dabei, dass die Symbole intuitiv sind und den Fahrer nicht ablenken. Also leuchtet es grün, wenn die Richtung stimmt, ein weißes Blinken weist auf eine kommende Abzweigung hin, und Rot signalisiert die Notwendigkeit zum Umdrehen.

Das Smartphone ist das ausgelagerte Gehirn des Systems

Parallel dazu sammelt das kleine schwarze Ding wie ein Fitness-Armband Daten über die zurückgelegte Strecke und schickt sie direkt an die entsprechende App des Smartphones, das der Fahrer bequem in der Tasche verstauen kann. Später lassen sie sich auswerten, weiterverarbeiten oder an Freunde schicken; was auch immer der Besitzer will.

Dabei sein sollte das Smartphone – iPhone 4S oder höher bzw. Android mit Bluetooth ab 4.0 – aber auf jeden Fall: Es ist gewissermaßen das ausgelagerte Hirn des Fitnesstracker-Navigations-Assistenten am Lenker, in das man Trainings- und Wegziele eingibt, das Strecken errechnet und jede Menge weiterer Berechnungen im Hintergrund anstellt.

Ohne diese Rechenleistung ist SmartHalo kaum mehr als das schicke 200-Lumen-Licht, als das es ebenfalls taugt – falls es den Fahrer überhaupt in Ruhe strampeln lässt. Denn sobald sich jemand am Fahrrad zu schaffen macht, ohne dass SmartHalos schlauer Telefon-Kumpel in der Nähe ist, gibt es einen durchdringenden Ton von sich: die Alarmanlage fürs Fahrrad. Um zu verhindern, dass SmartHalo unleidlich wird, nur weil das Smartphone in der Tasche ermattet Feierabend gemacht hat, kann der Besitzer einen Code festlegen: An der individuellen Folge aus vier bis sechs kurzen oder langen Klopfern aufs Display erkennt Halo auch ohne Telefon seinen Besitzer. Außerdem kann man weitere Smartphones einladen, zum Beispiel, wenn man sein SmartBike verleihen will.

Keine Chance für Regen, Matsch und Langfinger

Unbefugtes Abschalten oder Abmontieren ist ebenfalls nicht so einfach: Die kleine Kommandozentrale am Lenker ist so konstruiert, dass sie sich nur per Spezialschlüssel abnehmen lässt – aber dann innerhalb weniger Sekunden. Und manuell ausstellen muss man es auch nicht: So lange der per USB-Anschluss aufladbare Akku hält – den Erfindern zufolge rund drei Wochen –, wacht SmartHalo auf, sobald es benutzt wird. Für den Besitzer bedeutet dies, dass er das kleine Gerät beruhigt am Fahrrad lassen kann. Selbst Wind und Wetter hält es laut Hersteller problemlos aus.

Apropos Wetter: Wolkenfronten, Regenschauer und anderes Unbill kommen mit SmartHalo nicht mehr unvermittelt, sondern mit Ankündigung. Und da es sowieso die ganze Zeit mit dem Telefon in Kontakt steht, weist Halo auch gleich auf eingehende Anrufe und Textnachrichten hin. Als persönlicher Assistent macht sich SmartHalo auch fern vom Fahrrad nützlich: Falls man vergessen hat, wo der Drahtesel parkt, kann man jederzeit sein Telefon fragen. Die Daten sind ja sowieso für die Fitness-App gespeichert.

Finanzierung per Crowdfunding ist mehr als gesichert

Um ihre Erfindung zu finanzieren, hatten die Tüftler auf eine Crowdfunding-Kampagne per Kickstarter gesetzt. Ihre Zielsumme von 300.000 Dollar haben sie inzwischen locker übertroffen: Mehr als 500.000 Dollar sind inzwischen zusammengekommen. Damit wollen sie jetzt Zusatzziele wie kabelloses Laden, eine Community und die „SmartHalo-Labs“ verwirklichen, wo über weitere mehr oder weniger nützlichen Funktionen gebrütet werden darf. 

Videoquelle: SmartHalo

Die Unterstützer auf Kickstarter sollen ihre SmartHalos noch diesen Mai bekommen; alle anderen können das Gerät ab etwa September kaufen, so der Plan der Erfinder. Vorbestellbar ist es derzeit noch für 139 $, später soll es rund 159 US-Dollar kosten. 

Und wenn Sie ihr Fahrrad noch mehr aufrüsten möchten, dann schauen Sie sich doch mal das Vorderrad Geo Orbital Wheel an. Denn das macht selbst aus einem gemütlichen Hollandrad ein flottes E-Bike. Dazu wird einfach das Vorderrad ausgetauscht. Und schon flitzt der Radler mit 32 km/h durch die Gegend.

Anzeige
Von Judith Bexten
Zur StartseiteZur Startseite
schlagworte: 
kommentare

Aktuell wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben. Loggen Sie ich ein oder melden Sie sich neu an, wenn Sie noch keine Zugangsdaten haben
> Zum Login     > Neu anmelden