13.10.2017, 07:50 Uhr | 0 |

Ist smart auch sicher? Fahrradschloss und Tachometer in einem

Wer sein Fahrrad an öffentlichen Plätzen abstellt, der kennt das Problem: Fahrraddiebstahl. Deshalb gibt es mittlerweile immer mehr smarte Fahrradschlösser. Wir haben uns ein aktuelles Modell genauer angesehen.

Bisecu charging
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Der Akku lässt sich einfach per Mikro-USB innerhalb von zwei Stunden aufladen.

Foto: Bisecu

In Deutschland werden Jahr für Jahr rund 300.000 Fahrräder als gestohlen gemeldet. Wer selbst einmal betroffen war, weiß: die Aufklärungsquoten sind gering, die Versicherung kostet meist mehr als sie im Bedarfsfall hilft. Deshalb schützen Fahrradbesitzer ihr Zweirad mit allen Mitteln und der Markt lockt mit smarten, automatischen und panzerfesten Fahrradschlössern. 

Bisecu – der neueste Hype auf Kickstarter

Digitales Zubehör für Fahrräder gibt es mittlerweile in breiter Auswahl. Ein von den Entwicklern als Weltneuheit bezeichneter Artikel erhält aktuell auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter viel Interesse. Bisecu soll nämlich zum einen als Fahrradschloss ohne Schlüssel und zum anderen als Fahrradtachometer mit vielfältigen Funktionen dienen. Das ursprüngliche Finanzierungsziel von 30.000 US-Dollar scheinen die Macher mühelos zu erreichen. Was also verbirgt sich hinter Bisecu im Detail?

Bisecu als Schloss und Alarmanlage

Zunächst einmal dürfte die Handhabung von Bisecu überzeugen: Es soll in wenigen Minuten auf nahezu alle gängigen Fahrräder montierbar sein. Angebracht wird das zylinderförmige, nur etwa 350 Gramm schwere Gerät am Vorderrad. Von da aus kommuniziert es per Bluetooth und einer App mit dem Smartphone des Besitzers. Gibt der Besitzer darüber den Befehl zum Schließen oder entfernt sich samt Smartphone von dem Rad, blockiert ein Mechanismus im Inneren von Bisecu das Vorderrad. Nähert sich der rechtmäßige Besitzer seinem Fahrrad wieder, sendet sein Smartphone automatisch den Befehl zum Aufschließen an Bisecu.

Sobald das Schloss blockiert, schaltet es auch in den Alarmmodus. Wird das Fahrrad bewegt, ertönen 100 Dezibel laute Signaltöne und alarmieren so die Umgebung. Die Lautstärke reicht an vorbeifahrende Lkw heran. Der Besitzer erhält per Bluetooth einen Hinweis, dass der Alarm ausgelöst wurde.

Seine Energie erhält das System aus einem Lithium-Ionen-Akku. Dessen Kapazität ist nicht näher beziffert, soll aber bei Normalgebrauch genügend Elektrizität für bis zu sechs Monate vorhalten. Aufladen lässt sich der Akku per Mikro-USB innerhalb von zwei Stunden.

Das Fahrradschloss als Tachometer

Im Inneren von Bisecu sind neben dem Akku ein Beschleunigungsmesser, ein Gyroskop und ein Tachometer verbaut. Diese drei Komponenten dienen zum einen dazu, unberechtigte Bewegung festzustellen und gegebenenfalls Alarm auszulösen. Bei Normalbetrieb sammeln sie aber auch kontinuierlich Informationen zur gefahrenen Geschwindigkeit und den zurückgelegten Kilometern. Die Tachometer-Funktion soll garantieren, dass während der Bewegung des Rads nicht versehentlich der Mechanismus zum Verschließen ausgelöst wird und so eine gefährliche Situation entstehen könnte.

Die gesammelten Daten gibt das Gerät an die App auf dem Smartphone des Besitzers weiter. Der Fahrradfahrer kann so jederzeit auf seinem Smartphone sehen, wie viele Kilometer er zurückgelegt hat, was seine derzeitige Durchschnittsgeschwindigkeit ist und wie lange er schon unterwegs ist. Zudem signalisiert ein eingebauter LED-Streifen am Gerät selbst durch unterschiedliche Farben, wie schnell der Radfahrer unterwegs ist. Bei Dunkelheit sorgt dieser Effekt für zusätzliche Sicherheit, weil man besser gesehen wird.

Offene Fragen zu Bisecu als Tachometer

Die Entwickler von Bisecu meinen, dass die Genauigkeit der Messungen zu Geschwindigkeit und zurückgelegter Strecke mit hochpreisigen Geräten etwa vom Spezialhersteller Garmin zu vergleichen seien. Über den genauen Funktionsumfang der App, die den klassischen Tacho ersetzen soll, sind allerdings bisher kaum Informationen bekannt. Deshalb lässt sich nicht sagen, ob die App in der Lage sein wird, Daten mit anderen Apps wie beispielsweise Health-Kit auszutauschen. Auch über mögliche Kompatibilität mit Smartwatches, die während des Fahrens gefahrloser abzulesen wären, liegt bislang keine Informationen vor.

Kritik an Bisecu als Diebstahlschutz

Auch bezüglich des Systems als Fahrradschloss haben Beobachter und potenzielle Käufer bereits einige Einwände geäußert. Zwar lässt sich das Gerät offensichtlich nicht ohne Bluetooth-Code vom Vorderrad trennen, aber Fahrraddiebe nehmen Zweiräder auch heute schon häufig als Einräder mit nach Hause und lassen das angekettete (oder in diesem Fall blockierte) Rad vor Ort. 

 

Ein anderes Manko: Bisecu hat kein eingebautes GPS und keine eigene mobile Internetverbindung. Beim Diebstahl des ganzen Fahrrads lässt sich also der neue Standort nicht feststellen. Das Team hinter Bisecu arbeitet nach eigener Aussage an einer zusätzlichen Fahrradkette, damit sich das System so erweitern lässt, dass Fahrräder auch an Laternen, Zäune, Fahrradständer und anderen festen Gegenständen angeschlossen werden können. Bisher bietet das Gerät eben nur Wegfahrschutz und Audio-Alarm. In einer zweiten Generation von Bisecu sollen erst GPS und mobiles Internet implementiert werden.

Perspektiven für das automatische Fahrradschloss

Wie oft bei Projekten auf Kickstarter lässt sich kaum seriös bewerten, ob das Konzept tatsächlich alltagstauglich ist. Das Team hinter Bisecu hat seinen Sitz mit dem kalifornischen Irvine angeben, ein Teil der sechs Entrepreneure stammt aber aus Südkorea. Sie bezeichnen sich selbst als Fahrrad-Enthusiasten, die mit ihrem technischen Wissen das modernste Fahrradschloss der Welt realisieren möchten. Bisecu ist ihr erstes Projekt auf Kickstarter. Der anvisierte Preis für das Produkt liegt bei 119 US-Dollar, die Auslieferung ist für März 2018 geplant, das Finanzierungsziel ist nahezu erreicht.

Angesichts einer angestrebten Massenproduktion macht das vergleichsweise geringe Finanzierungsziel allerdings stutzig. Ebenso die sparsamen Informationen zu den geplanten Apps. Optimistisch hingegen stimmen das zumindest theoretisch durchdachte Konzept, die angestrebte hochwertige Ausführung und der Ausblick darauf, dass Bisecu bald mit einer Fahrradkette zu erweitern sein soll.

Kurzum: Bisecu liefert einen interessanten Ansatz zum Thema Fahrradschloss und -tachometer. Tests und Erfahrungen beim Einsatz unter Realbedingungen stehen allerdings noch aus.

Im Wettbewerb mit Seil- und Gasschlössern

Sie wollen wissen, was es sonst für verrückte, technisch verblüffende oder unglaubliche Fahrradschlösser auf dem Markt gibt? Wir haben bereits einige vorgestellt und für Sie gestöbert.

Im März haben wir das tex-lock vorgestellt, ein Schloss aus Textilien, das einem Bolzenschneider minutenlang standhalten soll. Im Gegensatz zu Bügelschlössern aus Stahl ist es viel einfacher zu handhaben und auch viel leichter. Doch auch das Seil-Schloss hat seine Tücken.

Ein Schloss, das Diebe zum Kotzen bringt, kommt aus den USA. Das Bügelschloss aus Stahl sieht ganz harmlos aus, verströmt aber ein Gas, wenn es geknackt wird, das zum Erbrechen führt. Hilfreich dagegen –zumindest für die Besitzer –ist das Alcoho-Lock, ein Fahrradschloss, dass sich für betrunkene Fahrer nicht öffnet. Das mag den ein oder anderen Besitzer zwar nerven, aber nach einer guten Portion Schlaf wird man dem Fahrrad vielleicht dankbar sein.  

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Von ingenieur.de
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