22.06.2017, 13:01 Uhr | 0 |

4,5 Millionen in China Chinesische Leihräder mit QR-Code sollen Europa erobern

Solch ein Leihradsystem gibt es in keiner Stadt Europas: Leihräder, die man überall abstellen kann, die nicht abgeschlossen sind und die man einfach per App ausleiht. Scan des QR-Codes genügt. Die Idee kommt aus China – und Manchester ist die erste Stadt in Europa, die Ende Juni 1.000 chinesische Mobikes losrollen lässt.

Mobike in Manchester
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Das erste Mobike für Manchester ist schon da: Mit 1.000 Rädern startet das chinesische Leihradsystem erstmals in Europa. In Asien hat Mobike schon 4,5 Millionen Räder auf den Straßen. Jetzt ist Europa dran.

Foto: Mobike

Manchester ist die 100. Stadt weltweit, in der Mobike aus China ein Leihradsystem einführt. 4,5 Millionen Leihräder hat das Start-up in nur einem Jahr vor allem in 80 chinesischen Städten auf die Straße gebracht. Das Geschäft mit den Leihrädern in China boomt – weil das Mobike-Konzept so viel einfacher ist als die öffentlichen Leihradsysteme in Europa.

Den Startschuss in Europa gibt Mobike in Manchester am 29. Juni mit einer Flotte von 1.000 Fahrrädern, deren Zahl schnell und stark wachsen soll. Manchester ist die erste nicht-asiatische Stadt, in der sich Mobike ansiedelt.

Mobike kennt keine festen Standplätze

Das Besondere am Mobike-System: Die Bikes können überall abgestellt werden, wo Fahrräder in der Öffentlichkeit stehen dürfen. Und genauso können sie überall dort, wo sie stehen, angemietet werden. Die Räder werden auch nicht abgeschlossen. Warum nicht? Jedes Rad verfügt über eine Elektronikbox, die es Mobike erlaubt, jedes Rad per Satellit zu überwachen. Wird es nicht genutzt, ist das Rad automatisch blockiert.

Gemietet werden die Räder über die Mobike-App. Die Kunden müssen ihre Passnummer oder eine sonstige Ausweisnummer angeben. Zugleich muss ein Guthaben online hochgeladen werden. Die Anmietung ist solange möglich, wie der Nutzer ein Guthaben besitzt.

Und wie findet man ein Mietrad? Da jedes Rad vernetzt ist, kann man per Kartenansicht alle freien Räder in der Nähe aufrufen. Man kann auch 15 Minuten lang ein Fahrrad reservieren. Findet man das Rad nicht, kann man es sogar piepen lassen.

Angekommen am Fahrrad, muss man nur den QR-Code am Lenker einscannen. Ist genug Guthaben vorhanden, wird das Fahrrad freigegeben und kann genutzt werden. Die Fahrt und Zeitdauer wird ebenfalls per Satellit überwacht. Eine halbe Stunde wird mit einem Dollar berechnet.

Mobike-Räder fallen durch ihre Farbe auf

Die Mobike-Räder wurden eigens von dem Start-up entwickelt. Die Räder sind längst nicht so schwer und klobig wie beispielsweise die Leihräder in Paris. Der silber lackierte Rahmen gleicht einem V, am Tretlager ist eine einarmige Schwinge angebracht, in der die Antriebswelle für das Hinterrad integriert ist. Auch das Vorderrad dreht sich an einer Einarmschwinge. Die Felgen sind auffallend orange, bereift sind die Räder mit Vollgummi.

Am Lenker ist ein Fahrradkorb für Einkäufe und Taschen montiert. Die Räder erzeugen während der Fahrt sogar ihren eigenen Strom für die dauerhafte Verbindung ins Internet. 

 

Welches Schwergewicht da nach Europa kommt, zeigen ein paar wenige Zahlen. Während Deutschlands größter Anbieter Call a Bike 13.000 Räder im Einsatz hat, kommt Mobike auf 4,5 Millionen. Gerade hat das Start-up 600 Millionen US-Dollar neues Kapital eingesammelt, um zu wachsen. Wichtigste Geldgeber sind Tencent aus China und der iPhone-Lieferant Foxconn aus Taiwan.

Manchester als Schaufenster für Europa

Der Start in Manchester ist für Mobike der Beginn einer großen Expansion in Europa. Nach den Erfahrungen in China und Singapur erwartet Mobike, dass jedes Rad viermal am Tag vermietet wird. „Wir sind zuversichtlich, dass Manchester und seine Bewohner sofort die Vorteile unserer Dienstleistungen sehen werden“, sagt der Chef von Mobike UK, Steve Pyer. „Die Stadt wird ein Schaufenster sein, was möglich ist, wenn die Radverkehrsnutzung steigt und die Stadtplaner intelligente Daten nutzen können.“

Auch das gehört nämlich zum Geschäftsmodell von Mobike: Alle gefahrenen Wegen und Zeiten werden gespeichert, sodass die Stadtplaner genau wissen, wo die Radfahrer unterwegs sind und wo nicht. Die Daten sollen vermarktet werden.

Interesse an noch mehr ungewöhnlichen Rädern? Wie wäre es mit dem Rad ganz ohne Fahrradkette oder Riemenantrieb?

Übrigens: Das Fahrrad feiert in diesem Jahr seinen 200. Geburtstag. Und warum ein Vulkanausbruch bei der Erfindung eine zentrale Rolle spielte, lesen Sie hier.

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Von Peter Odrich
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