27.11.2015, 12:09 Uhr | 0 |

Einfache Lösung Kunststoffrohr soll Abgasprobleme der VW-Diesel beseitigen

Die Beseitigung der Abgasprobleme bei Dieselfahrzeugen könnte für VW weniger aufwendig werden als gedacht. Die technische Lösung klingt jedenfalls genial einfach: Ein kleines Plastikrohr soll’s richten. Ob das ohne schwere Nebenwirkungen funktioniert, bleibt aber abzuwarten.

Strömungsgleichrichter für VW-Dieselmotoren
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Ein Strömungsgleichrichter – ein Kunststoffrohr mit Gitter – soll die Abgasprobleme bei VW lösen. Der Einbau soll weniger als eine Stunde dauern.

Foto: Volkswagen

Die Presseerklärung von VW klingt nachgerade fantastisch. Sie trägt drei Überschriften: „Minimale Hardwaremaßnahmen bei den 1.6 TDI Motoren – 2.0 TDI Motoren benötigen nur ein Software-Update – Ziel: Kein Mehrverbrauch und keine Einbußen bei den Fahrleistungen“. Ein kleines Kunststoffteil im Materialwert von ein paar Cent soll alle Abgasprobleme bei VW-Dieseln lösen.

Kunststoffrohr mit Gitter soll Verbrennung optimieren

Doch ist der Strömungsgleichrichter, der im Prinzip aus einem einfachen Gitter in einem Plastikrohr besteht, wirklich das Ei des Kolumbus? Bei den 1.6 TDI Motoren soll er dafür sorgen, dass die einströmende Luft vor dem so genannten Luftmassenmesser quasi beruhigt wird. Dieses Gerät „ermittelt die aktuell durchgesetzte Luftmasse; ein für das Motormanagement sehr wichtiger Parameter für einen optimalen Verbrennungsvorgang“, erklärt VW.

Der Umbau soll in weniger als einer Stunde erledigt sein. Bei den größeren 2-l-Motoren sollen sogar 30 min und eine aktualisierte Software reichen, um gesetzeskonforme – und steuerklassengemäße – Stickoxidwerte zu erzielen. Die Experten beim Kraftfahrtbundesamt hat VW jedenfalls davon überzeugen können.

Dass die VW-Ingenieure Autos mit niedrigen Emissionen bauen können, zeigt der aktuelle NOx-Test der Kollegen von auto motor und sport. Die haben Dieselfahrzeuge im Straßenverkehr getestet und die NOx-Emissionen gemessen Ausgerechnet ein VW Golf mit Euro-6-Diesel hat am wenigsten Stickoxid ausgestoßen.

Spritverbrauch könnte steigen

Schaut man sich die drei Schlagzeilen genauer an, fällt das erste Problem auf: Kein Mehrverbrauch, keine Leistungseinbußen – beides ist als „Ziel“ beschrieben, nicht als Erfolg. VW zeigt sich auf Nachfrage unwissend und äußert sich bislang nicht dazu, ob die Dieselfahrer künftig mehr für Sprit ausgeben müssen.

Dazu soll noch keine Einschätzung möglich sein? „Da zunächst alle Modellvarianten gemessen werden müssen, kann die Erreichung dieser Ziele zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht final bestätigt werden“, heißt es in Wolfsburg.

Rückrufaktion im ganzen Jahr 2016

Experten zweifeln daran ebenso wie an der Hoffnung des Autobauers, in Nordamerika mit einer gleichermaßen einfachen und vergleichsweise billigen Lösung davonzukommen. Hier prüfen die Behörden derzeit noch die Unterlagen des Autobauers. Weil aber in den USA noch strengere Abgasnormen gelten als in der EU, könnten Plastikgitter und neue Software zu wenig sein.

Noch in diesem Monat will VW dem Kraftfahrtbundesamt auch eine Lösung für die dritte Motorvariante mit 1,2 Litern präsentierten. Die Rückrufaktion für alle rund elf Millionen betroffenen Autos soll im Januar beginnen und das ganze Jahr über laufen. Alle Kunden würden auf Wunsch kostenlose Ersatzwagen erhalten. Insgesamt muss VW rund 8,5 Millionen Autos allein in den 28 EU-Ländern nachrüsten.

Hier lesen Sie den VW-Skandal im Nachrichtenticker.

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Von Werner Grosch
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