12.05.2015, 14:59 Uhr | 0 |

Die Maulwurf-Lösung Gütertransport im unterirdischen Tunnelsystem

Das britische Unternehmen Mole Solutions will den Warentransport von der Straße holen und unter die Erde verlagern. In einem Tunnelsystem. Das unterirdische Streckennetz mit Magnetschwebetechnik soll schneller, preiswerter und umweltfreundlicher sein. In einem Forschungsprojekt wird jetzt die Machbarkeit geprüft.

Mole Solutions
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Güter sollen künftig unterirdisch mit Magnetschwebetechnik transportiert werden. Seit 2002 arbeitet das britische Unternehmen Mole Solutions an dieser Vision. Jetzt soll in Northhampton die Machbarkeit der völlig neuen Infrastruktur geprüft werden. 

Foto: Mole Solutions

Das britische Unternehmen Mole Solutions (Maulwurf-Lösungen) hat Großes vor. Seitdem die Firma 2002 gegründet wurde, arbeiten die „Maulwürfe“ an ihrer Idee für ein Transportsystem, das die Waren in unterirdischen Tunneln an die Verteilstellen bringen soll. Weniger Lkw auf den Straßen und eine kostengünstige, schnelle und umweltfreundliche Verteilung der Fracht ist das Ziel des Projektes, dessen Konzept bisher in einigen Studien untersucht worden ist.

Jetzt will Mole Solutions die Machbarkeit der völlig neuen Infrastruktur an einem konkreten Fall in der englischen Stadt Northampton prüfen.

Betriebskosten betragen nur ein Fünftel des herkömmlichen Warentransportes

Die Planungen sehen vor, dass neben oder unter der bereits existierenden Transportinfrastruktur wie größeren Straßen ein eigenes Tunnelsystem mit Schienen gebaut werden soll. Die Röhren wären zwischen 1,30 Meter bis zu 2,40 Meter an den Verladestationen groß. Auf dieser Güter-Pipeline wären geschlossene, mit zwei beladenen Paletten bestückte Kapseln ohne Fahrer unterwegs, vollautomatisch und rund um die Uhr.

Der Antrieb über eine Magnetschwebetechnik soll sehr präzise und störungsfrei sein und vorzugsweise mit Strom aus nachhaltigen Energiequellen versorgt werden. Dann, so rechnet das Unternehmen vor, könnte der Betrieb des Maulwurf-Systems auf 12 bis 20 Prozent der Kosten, die für den Warentransport auf der Straße anfallen, reduziert werden.

Die technischen Bausteine für die neue Güter-Rohrpost haben die Briten bereits entwickelt, inklusive eines Prototyps in kleinerem Maßstab mit einer 100 Meter langen Schienenstrecke. Jetzt unterstützt die britische Regierung ein weiteres neunmonatiges Forschungsprojekt, mit dem Mole Solutions in die nächste Phase gehen will.

Die Teststrecke soll verlängert und für die zwei bestehenden Kapseln mit einer Ladung von je fünf Tonnen soll eine vollautomatische Verladestation gebaut werden.

Planungen am Beispiel der Stadt Northampton

„Wir werden im jetzigen Planungsstadium noch keine Tunnels graben. Das ist zunächst ein Test, mit dem die tatsächlichen Kosten ermittelt werden sollen“, sagt Roger Miles, Direktor von Mole Solutions. Außerdem spielt das Unternehmen seine Idee, zunächst noch in der Theorie, am Beispiel der Stadt Northampton durch. Die Stadt sei deshalb für das Pilotprojekt geeignet, weil sie eine hohe Dichte an Logistikunternehmen habe, sagt Miles. Die Fracht-Pipelines sollen so geplant werden, dass sie die Außenbezirke der Stadt mit inneren Knotenpunkten verbinden.

Videoquelle: Mole Solutions

Am Ende würden dann die Güter über Land mit herkömmlichen Transporten auf der Straße oder Schiene, zumindest vorerst, an den Stadtrand geliefert werden. Von dort würden sie unter der Erde an die Knotenpunkte gebracht und die letzten Meter wieder überirdisch ans endgültige Ziel gefahren werden. „Mit dem Projekt wollen wir sehen, ob durch den unterirdischen Transport die Warenverteilung in Northampton real verbessert werden kann“, sagt Miles.

Vergleichbar mit unserem Trink- und Abwassersystem

Der Weg bis zu einer funktionierenden neuen Infrastruktur, die vergleichbar sei mit unserem bestehenden Trink- und Abwassersystem, sei noch weit, das gibt auch Roger Miles zu. Aber die Möglichkeiten seien enorm. „Der Stau auf den Straßen ist ein globales Problem. Wir könnten mit dem neuen System den Straßenverkehr wesentlich entlasten, nicht nur in Großbritannien, sondern auch in Ländern wie China oder Indien.“

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Von Gudrun von Schoenebeck
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