17.10.2016, 09:59 Uhr | 0 |

Lebensretter in Ruanda Drohnen fliegen Blutspenden in Bergdörfer

Starker Blutverlust ist in Bergdörfern Ruandas oftmals ein Todesurteil. Was tun, um die Versorgung zu verbessern? Blut mit Drohnen ausliefern, antwortet das Start-up Zipline um Ex-Mitarbeiter von Google, SpaceX und Lockheed Martin. 

Drohne von Zipline
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Drohne von Zipline: Der unbemannte Flieger wirft Blutkonserven ab, die am Fallschirm zu Boden segeln. Das geht schneller als ein Lkw-Transport. 

Foto: Zipline

Die ersten 15 Drohnen hat Zipline in der Nähe der Hauptstadt Kigali in Betrieb genommen. Sobald eine Notfall-SMS eingeht, beladen Mitarbeiter die unbemannten Flieger mit Hilfsgütern und schicken sie über ein Katapult in die Luft. Dann schnappen sie sich ein iPad und steuern die Drohnen mit 100 km/h zum Notfallort. Selbst bei Regen und Winden bis 30 km/h.

Blutspenden segeln am Fallschirm zur Erde

Über dem Zielgebiet werfen die Drohnen die Hilfsgüter aus einer Höhe von 150 m mit einem Fallschirm ab. Der Vorteil: Blutkonserven sind in wenigen Minuten am Notfallort. Wegen der schlecht ausgebauten Infrastruktur und Erdrutschen in der Regenzeit brauchen Lkws oftmals mehrere Stunden, um entlegene Orte wie das Bergdorf Kiruhura zu erreichen.

„Unsere Technik hat das Potential, vorher unerreichbare Barrieren zu überwinden und somit viele Menschenleben zu retten", sagt Zipline-Geschäftsführer Keller Rinaudo. Derzeit versorgt das Start-up 21 umliegende Stationen jeden Tag mit bis zu 150 Blutkonserven. 

Zipline will in weitere Regionen expandieren. Mit der Reichweite der Drohnen (150 km) und mehreren Stationen würden sich große Teile Ruandas abdecken lassen. Denn das Land ist mit einer Fläche von 26.000 km2 kaum größer als Mecklenburg-Vorpommern. Die Rechnung für die Transporte übernimmt das Gesundheitsamt Ruandas. Laut BBC zahlt sie dem Start-up etwa die gleiche Geldmenge, die ein Bodentransport kostet.

Katastrophale Versorgung: Nur ein Arzt für 20.000 Einwohner

Die medizinische Versorgung Ruandas ist katastrophal. Das Land leidet immer noch an den Folgen des Völkermords an den Tutsi vor über 22 Jahren. Unter den Opfern des Genozids befanden sich Tausende Ärzte und Krankenpfleger. Heute steht für 20.000 Einwohner nur ein Arzt zu Verfügung. Viele der medizinischen Außenposten sind zudem chronisch unterversorgt. Zu den größten Gefahren zählen Krankheiten wie die Grippe, Infektionen der Atemwege und starker Blutverlust.

Auch in Deutschland transportieren Drohnen Medikamente. Der Paketdienst DHL bringt Arzneimittel mit gelben Paketkoptern auf die Nordseeinsel Juist und auf die Winklmoosalm.

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Von Patrick Schroeder
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