Bitkom 03.08.2021, 11:10 Uhr

Bundestagswahl 2021: Startups kritisieren Politik und fordern Innovationskraft

Der Digitalverband Bitkom hat im Rahmen der Bundestagswahl 2021 mehr als 200 Tech-Startups zu den Wünschen an die kommende Bundesregierung befragt. Die Antworten sind deutlich und zeigen die Schwächen in Deutschland auf.

Junge Leute zusammen in einem Raum am Computer

Startups fordern von der kommenden Bundesregierung klare Innovationsbereitschaft in junge Gründungsideen sowie weniger bürokratische Hürden.

Foto: panthermedia.net/ViewApart

Eine Idee ist schnell geboren, doch genauso schnell wieder gestorben – zum Beispiel, wenn die finanziellen Mittel fehlen oder Investoren in der entscheidenden Wachstumsphase nicht mehr an das Geschäftsmodell glauben. Zur Bundestagswahl 2021 haben sich deutsche Tech-Startups geäußert. Drei Wünsche sind immens groß.

Startups gelten als Treiber der digitalen Transformation. Das betonte erst kürzlich der Bundesverband Deutsche Startups e.V. Im Ruhrgebiet kreieren zahlreiche Startups ein Wasserstoff-Valley. Durch innovative Technologie entstehen neue Unternehmen und damit Arbeitsplätze. Für die Bundestagswahl 2021 haben Startups ganz klare Forderungen an die nächste Bundesregierung.

Startups fordern zur Bundestagswahl 2021 mehr Wagniskapital

Digitalere Verwaltung, mehr Wagniskapital in der Wachstumsphase und besserer Zugang zu öffentlichen Aufträgen: Diese Themen befassen junge Gründerinnen und Gründer. 59 Prozent der Startups wünschen sich mehr Einsatz bei der Digitalisierung der Verwaltung. Den jungen Gründern schwebt zum Beispiel eine einzige Anlaufstation vor, bei der alles erledigt werden kann. So müssten nicht mehrere Ämter oder Behörden kontaktiert werden.

Der typische Gründer ist der junge Akademiker

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56 Prozent fordern mehr Wagniskapital in der Wachstumsphase. In Deutschland gibt es zu wenig Venture Capital, vor allem in der Wachstumsphase neu gegründeter Unternehmen. Das ergibt die Studie „Treibstoff Venture Capital: Wie wir Innovation und Wachstum befeuern“ von Roland Berger, der Internet Economy Foundation (IE.F) und dem Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften e.V. (BVK). Notwendiges Kapital fehlt, um aus innovativen Geschäftsmodellen erfolgreiche Unternehmen zu formen. Dieser Mangel schwächt die Innovationskraft der deutschen Wirtschaft.

In Europa haben sich die Venture-Capital-Investitionen zwar in den letzten fünf Jahren auf 16 Milliarden Euro mehr als verdreifacht, doch besteht immer noch ein deutlicher Rückstand im Vergleich zu den USA.

Die teuersten Start-ups der Welt

53 Prozent der befragten Startups wünschen sich von der kommenden Bundesregierung einen besseren Zugang zu öffentlichen Aufträgen für Neu-Gründungen.

„Die drei am häufigsten genannten Top-Themen für die nächste Bundesregierung sind Dauerbrenner. In der Vergangenheit wurden die Maßnahmen meist aber gar nicht oder nur halbherzig angegangen“, sagt Bitkom-Präsident Achim Berg. „Wir brauchen nach dem Corona-Jahr dringend neuen Schwung in der Startup-Politik – und zwar vom ersten Tag der neuen Regierung an.“

Wenn Sie selbst ein Startup gründen wollen, sollten Sie in diese Podcast-Folge von „Technik aufs Ohr“ reinhören. Hier gibt es Tipps für Gründerinnen und Gründer.

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Förderung wird zur Bundestagswahl 2021 gewünscht

50 Prozent der vom Bitkom befragten Tech-Startups wünschen sich den Ausbau staatlicher Förderangebote. Ebenfalls jedes zweite Startup spricht sich für bessere Bedingungen bei der virtuellen Mitarbeiterbeteiligung aus. Hierbei geht es um „fiktive“ schuldrechtliche Stellungen, bei denen die Auszahlung an den Eintritt von bestimmten Bedingungen wie zum Beispiel den Börsengang geknüpft ist. „Bei der Mitarbeiterbeteiligung hat die Bundesregierung einige Schritte unternommen, ging dabei aber an der Realität vieler Startups vorbei. Das Votum der Startups zeigt, dass hier weiterhin Handlungsbedarf besteht“, so Berg.

Warum Frauen so selten gründen – ein Blick in die deutsche Start-up-Szene

Investment in Life Science und Industrial Tech

Laut den Befragten sollte sich die Politik speziell für Hightech-Startups (45 Prozent), zum Beispiel im Bereich Life Science und Industrial Tech, einsetzen. In Deutschland gibt es den
High-Tech Gründerfonds (HTGF), der aktivste deutsche Frühphaseninvestor. Rund 892 Millionen stehen in mehreren Fonds zur Verfügung, um junge innovative Technologie Startups bei der Umsetzung der Geschäftsidee zu unterstützen. Ob Ingenieurwissenschaften, Life Science oder Software: Zu den Investoren zäheln das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, die KfW sowie namhafte Wirtschaftsunternehmen.

Zu den weiteren wichtigen Startup-Themen zur Bundestagswahl 2021 zählen:

  • Fachkräftemangel (43 Prozent)
  • besserer Zugang zum EU-Binnenmarkt (30 Prozent)
  • Schaffung einer neuen Gesellschaftsform für Startups (29 Prozent)
  • bessere Bedingungen für Venture Debt (Kredite) (23 Prozent)

Die Umfrage hat Bitkom Research im Auftrag des Bitkom durchgeführt. Tech-Startups in Deutschland wurden vom 04. März bis 11. Mai 2021 online befragt. Die Fragestellungen lauteten: „Welche der folgenden Themen sind mit Blick auf euer Startup für euch ein Top-Thema für die kommende Legislaturperiode?“.

Lesen Sie auch: Gründungszuschuss und Co.: Das müssen Sie beim Start in die Selbstständigkeit beachten

Ein Beitrag von:

  • Sarah Janczura

    Sarah Janczura schreibt zu den Themen Technik, Forschung und Karriere. Nach einem Volontariat mit dem Schwerpunkt Social Media war sie als Online-Redakteurin in einer Digitalagentur unterwegs. Aktuell arbeitet sie als Pressesprecherin beim VDI e.V.

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