Female Founders Monitor 23.04.2019, 11:50 Uhr

Warum Frauen so selten gründen – ein Blick in die deutsche Start-up-Szene

In den deutschen Großstädten boomt die Gründerszene. Doch der Trend zur Innovation findet größtenteils ohne weibliche Gründer statt – gerade einmal 15 % aller Gründer sind weiblich. Woran das liegt, was sich aus den Zahlen ablesen lässt und welchen bleibenden Einfluss Frauen in der Gründerszene hinterlassen könnten, zeigt eine aktuelle Studie.

Gründerinnen: Eine Frau steht mit verschränkten Armen vor einem Schreibtisch mit Laptop

Foto: panthermedia.net/AllaSerebrina

Nur 15,1 % aller Gründer sind Frauen. Diese Zahl stammt aus dem aktuellen Female Founders Monitor überrascht vor allem aus zwei Gründen: Obwohl Frauen landläufig mit dem Prädikat mangelnder Risikobereitschaft konfrontiert werden, spricht die Zahl der Existenzgründungen eine andere Sprache. Unter Selbständigen liegt die Frauenquote bei 40%, da überrascht die aktuell niedrige Zahl der Gründerinnen im Vergleich. Außerdem befragte der Start-up-Verband Frauen und Männer bei einer repräsentativen Umfrage, ob sie sich vorstellen können, ihr eigenes Unternehmen zu gründen. Bei den Männern sind es 39 %, bei den Frauen immerhin 32 %, die diese Frage bejahten. Auch hier ist eine gewisse Diskrepanz wahrnehmbar, sie ist jedoch längst nicht so extrem wie die Gesamtzahl der Gründerinnen es vermuten ließe. Wo also liegen die Gründe für den geringen Frauenanteil unter den Gründern in Deutschland?

Eine Untersuchung der Zahlen – welche Frauen gründen, wann und warum?

Entgegen des Mythos des Gründers, der direkt nach der Uni in der Start-up-Szene durchstartet, sind die meisten Gründer/innen in ihren 30ern. Männer sind im Schnitt 35,3 Jahre und Frauen 35 Jahre alt, nur jede/r Dritte ist jünger als 30 Jahre.

Ein wichtiger Faktor, der Frauen und Männer unterscheidet, ist die vorhandene Berufserfahrung vor der Gründung. Bei den Herren sind es 14 % aller Gründer, die zuvor keine Berufserfahrung gesammelt haben, bei den Damen nur 9% – das spiegelt sich auch bei der durchschnittlichen beruflichen Erfahrung in Jahren wieder. Da kommen Frauen im Schnitt auf 9 Jahre, Männer nur auf 8. Bezüglich des Bildungsabschlusses sind es bei Männern und Frauen gleichsam rund 80 % aller Gründer/innen, die eine Universität, Hochschule oder Fachhochschule besucht haben. Einen Abschluss hat aber nur jede/r Vierte.

Top Stellenangebote

Zur Jobbörse
Wirtschaftsbetrieb Hagen AöR-Firmenlogo
Fachbereichsleitung Grün (m/w/d) Wirtschaftsbetrieb Hagen AöR
Heilbronner Versorgungs GmbH-Firmenlogo
Planungsingenieur in den Bereichen Gas und Wasser (m/w/d) Heilbronner Versorgungs GmbH
Heilbronn Zum Job 
Flughafen München GmbH-Firmenlogo
Leiter Elektrotechnik / Stromnetzprojekte (w/m/d) Flughafen München GmbH
Oberding Zum Job 
Intego GmbH-Firmenlogo
Servicetechniker / Field Service Engineer (m/w/d) - Einsatz in Kalifornien (USA) Intego GmbH
Erlangen Zum Job 
PohlCon GmbH-Firmenlogo
Anwendungsingenieur (m/w/d) PohlCon GmbH
Sumitomo Rubber Europe GmbH-Firmenlogo
Ingenieur FEA (m/w/d) Reifensimulation in Hanau Sumitomo Rubber Europe GmbH
Bundesanstalt für Straßen- und Verkehrswesen (BASt)-Firmenlogo
Bauingenieurin / Bauingenieur (m/w/d) (Master/Uni-Diplom) Bundesanstalt für Straßen- und Verkehrswesen (BASt)
Bergisch Gladbach Zum Job 
wpd infrastruktur GmbH-Firmenlogo
Erfahrener Projektleiter Bau (m/w/d) wpd infrastruktur GmbH
Universität zu Köln-Firmenlogo
Bauingenieur*in oder Architekt*in (w/m/d) mit Vertiefung im Baubetrieb bzw. Projektmanagement Universität zu Köln
wpd infrastruktur GmbH-Firmenlogo
Erfahrener Elektroingenieur (m/w/d) für nationale Wind- und Solarenergieprojekte wpd infrastruktur GmbH
wpd construction GmbH-Firmenlogo
Erfahrener Projektleiter Elektrotechnik (m/w/d) wpd construction GmbH
Bietigheim-Bissingen Zum Job 
Universität zu Köln-Firmenlogo
Ingenieur*in (w/m/d) für Energiemanagement, Nachhaltigkeit und technische Gebäudeentwicklung Universität zu Köln
Boyd Weiler GmbH & Co. KG-Firmenlogo
CAD-Konstrukteur (m/w/d) Boyd Weiler GmbH & Co. KG
Weiler-Simmerberg Zum Job 
TransnetBW GmbH-Firmenlogo
Senior Ingenieur Systemintegration und KI-basierte Performancebewertung (w/m/d) TransnetBW GmbH
Stuttgart Zum Job 
TransnetBW GmbH-Firmenlogo
Ingenieur Systemführung Operative Betriebsplanung (w/m/d) TransnetBW GmbH
Stuttgart Zum Job 
Allbau Managementgesellschaft mbH-Firmenlogo
Bauprojektleiter (m/w/d) Allbau Managementgesellschaft mbH
DFS Deutsche Flugsicherung GmbH-Firmenlogo
Ingenieur* im Anforderungsmanagement DFS Deutsche Flugsicherung GmbH
WipflerPLAN Planungsgesellschaft-Firmenlogo
Bauingenieur / Bautechniker Kommunaler Tiefbau (m/w/d) WipflerPLAN Planungsgesellschaft
Donauwörth, Nördlingen, Pfaffenhofen an der Ilm, Lauf an der Pegnitz Zum Job 
VINCORION Advanced Systems GmbH-Firmenlogo
Information Security Manager (all genders) VINCORION Advanced Systems GmbH
Hochschule Düsseldorf University of Applied Sciences-Firmenlogo
Professur "Wirtschaftsinformatik und Datenbanken mit dem Schwerpunkt IT-Venture-Design, Digital Enterprise und innovativer Lehre in Makerspace-Settings (W2)" Hochschule Düsseldorf University of Applied Sciences
Düsseldorf Zum Job 

Bei der akademischen Ausrichtung zeigen sich die Unterschiede recht deutlich. Wenig verwundern dürfte, dass ein Großteil der Gründer/innen einen wirtschaftswissenschaftlichen Hintergrund aufweist, doch während bei Männern auch Ingenieurwissenschaften und Informatik mit jeweils knapp 20 % aller Gründungen stark repräsentiert sind, gründen nur wenige Frauen aus den technischen Studiengängen.
Nur 5,6 % aller weiblichen Gründerinnen haben Informatik, Mathematik oder Computer Science studiert, Absolventinnen der Ingenieurwissenschaften sind immerhin 9,3 %. Überproportional häufig hingegen gründen Studentinnen der Geisteswissenschaften, der Künste und aus dem Grafikdesign. Diese Ungleichverteilung ist in der Digitalbranche deutlich zu spüren. Da Gründerinnen deutlich seltener einen technischen Studienhintergrund besitzen, sind sie nicht nur generell, sondern vor allem in der Techbranche unterrepräsentiert.

Warum scheitern Gründerinnen?

Unter den Gründern und Gründerinnen scheint sich aber auch ein anderes Mindset zum Scheitern wiederzufinden. Immerhin ist der Willen zum Gründen eines neuen Start-ups nach einem ersten Versagen bei Männern mit 60 % deutlich stärker ausgeprägt als bei Frauen mit nur 52 %. Gerade dann aber haben sich Netzwerke verfestigt und Erfahrungen können bei der Neugründung helfen.

Unter den 100 erfolgreichsten Entrepreneuren Deutschlands haben 43 % mehrfach gegründet. Bei den Männern hat mehr als jeder zweite Gründer bereits zuvor ein Unternehmen gegründet, bei den Frauen nur jede Vierte. Gerade hier sollten aber Gründerinnen nachhaken und den besseren Zugang zu Kapital und zu Gründernetzwerken nutzen, um in Serie zu gründen und sich in der Start-up-Szene festzusetzen.

Letztlich zeigt sich bei Gründerinnen auch der konservative Umgang mit Finanzmitteln als Hindernis. Männliche Gründer sind wesentlich häufiger bereit, Kapital aufzunehmen, um damit die eigenen Wachstumsambitionen zu stillen. Gerade hier haben die Frauen in den letzten Jahren aber Boden gut gemacht, der Anteil geplanter Kapitalaufnahmen ist im letzten Jahr von 30 % auf 41 % gestiegen. Frauengeführte Unternehmen neigen außerdemdazu, die Umsatzgenerierung in den Vordergrund zu stellen, sie sind häufig kleiner und Frauen gründen häufiger alleine als Männer.

Fehlende Vernetzung als Wachstumshemmer

Gründerinnen neigen laut Female Founders Monitor anders als Gründer seltener dazu, sich lokal zu vernetzen. Dabei sitzen gerade in den Digital Hubs der Bundesländer nicht nur gleichgesinnte Gründer, sondern auch staatliche Förderer und Entscheider aus der Wirtschaft. Während Frauen in bloßen Zahlen aber seltener an den Clustern beteiligt sind, schätzen sie den Mehrwert der Kooperation höher ein als ihre männlichen Wettbewerber. Diese fehlende Vernetzung ist sicherlich ein entscheidender Faktor, der sich auf alle Aspekte des erfolgreichen Gründens auswirkt. Denn ohne eine feste Integration ins Unternehmensgründernetzwerk und den Zugang zu Investoren sinken die Erfolgschancen weiblicher Gründerinnen drastisch.

Solche Netzwerke stärker zu bewerben und gezielt Frauen zu lokalen Initiativen und in die Digital Hubs zu bringen, muss das Ziel sein, damit Frauen nicht nur verstärkt gründen, sondern verstärkt erfolgreich gründen. Das zeigen auch die Beispiele erfolgreicher deutscher Gründerinnen wie Verena Pausder von Fox & Sheep oder Anna Alex von Outfittery, die vor allem Wert darauf legen, dass Gründerinnen nicht versuchen, den Männern und dem Finanzierungswahn nachzueifern. Stattdessen sollten Gründerinnen gezielt die weibliche Perspektive in ihre Unternehmen einfließen lassen und keinesfalls schon im Vorfeld an der Vereinbarkeit von Entrepreneurship und Familie (ver)zweifeln.

Fazit – so kommt Deutschland zu mehr Gründerinnen

Dass weniger Frauen aus technischen Studiengängen zum Gründen neigen, hat verschiedene Gründe. Zum einen studieren Frauen seltener Informatik, Mathematik und Ingenieurwissenschaften. Zum anderen buhlen die deutsche Wirtschaft und globale Unternehmen wie Google bereits seit Jahren vermehrt um Bewerberinnen, was ihre Arbeitsmarktaussichten für die abhängige Beschäftigung besonders attraktiv machen.

Ein weiterer Grund liegt im Zeitpunkt der Gründung. Viele Frauen gründen mit Mitte 30 eben häufig neben Unternehmen auch Familien. Trotz aller staatlichen Förderung von Vätern in der Erziehung haben Mütter durchschnittlich neun Stunden pro Woche weniger zur Verfügung als Väter. Hier könnte politisch etwa das Elterngeld Entlastung bringen, wenn es auch weiter gezahlt würde, obwohl Vater oder Mutter sich schon wieder der Karriere widmen.

Dass die Frauenquote unter Gründer/innen aber verhältnismäßig niedrig liegt, bedeutet nicht, dass der Anteil weiblich geführter Start-ups zu vernachlässigen wäre. Im Gegenteil, denn häufig sind es gerade die Gründerinnen, deren Unternehmensgründungen nicht primär wirtschaftlichen Gesichtspunkten folgen. Soziales und Themen von gesellschaftlicher Relevanz stehen im Fokus weiblicher Start-ups.

 

Erfahren Sie mehr zur Selbstständigkeit in Deutschland

Welche Förderungen gibt es für Gründer?

Der typische Gründer  – Ergebnisse des Deutschen Start-up-Monitors

Frauen erobern den Ingenieurberuf

Ein Beitrag von:

  • ingenieur.de

    Technik, Karriere, News, das sind die drei Dinge, die Ingenieure brauchen.

Themen im Artikel

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.