Karrierestrategie 15.08.2017, 00:00 Uhr

Frauen erobern den Ingenieurberuf

Immer mehr Frauen studieren Ingenieurwissenschaften und arbeiten als Ingenieurinnen. Doch noch sind nicht alle Männerdomänen erobert. Die Bemühungen, Frauen für technische und naturwissenschaftliche Berufe zu begeistern, haben es bis in die obersten Politikbereiche geschafft.

Der Frauenanteil in Ingenieurberufen nimmt zu.

Der Frauenanteil in Ingenieurberufen nimmt zu.

Foto: panthermedia.net/Ikonoklast

Die Bemühungen, Frauen für technische und naturwissenschaftliche Berufe zu begeistern, haben es bis in die obersten Politikbereiche geschafft. Der nationale Pakt für Frauen in Mint-Berufen (Mint steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) wird von Bildungsministerin Johanna Wanka bei jeder Gelegenheit lobend erwähnt, technische Betriebe öffnen ihre Pforten eigens für Mädchen-Schnuppertage und Konzerne stellen bei gleicher Eignung lieber Frauen ein. Die Maßnahmen sind vielfältig, sie sind heftig umstritten und sie wirken. Ein Viertel der Studenten, die sich im Wintersemester 2016/2017 in ein ingenieurwissenschaftliches Fach eingeschrieben haben, sind junge Frauen. Der erste Schritt hin zu mehr Ingenieurinnen ist damit getan.

Frauen erobern die Ingenieurwissenschaften

Zugegeben, die Plätze in den deutschen Hörsälen sind noch nicht paritätisch besetzt – obwohl das geht, wie das Maschinenbauinstitut des MIT zeigt – und auch die vom EU-Parlament geforderte Frauenquote für Aufsichtsräte könnte heutzutage noch kein ingenieurwissenschaftlicher Studiengang erfüllen. Aber Hochschulen sind keine Unternehmen und nicht jeder Hochschulabsolvent fühlt sich zum höheren Management berufen. Die knapp 23 100 Ingenieurinnen, die deutsche Hochschulen 2015 mit einem Abschluss verließen, dürften also reichen, um in einigen Jahren die Führungsriegen der großen Unternehmen aufzumischen. Und sie bekommen Jahr für Jahr Verstärkung.

Ging im Wintersemester 2010/2011 nur ein gutes Fünftel der Studienplätze der Ingenieurwissenschaften an Frauen, waren es im vergangenen Wintersemester über 24%. In Zahlen ausgedrückt: Vor sieben Jahren nahmen 23 800 junge Frauen ein Ingenieurstudium auf, im Wintersemester 2016/17 waren es 30 000. Da die Studienanfängerzahlen im gleichen Zeitraum insgesamt stiegen, sind die prozentualen Zuwächse zwar gering, aber sie sind stetig. Frauen entscheiden sich zunehmend für ingenieurwissenschaftliche Studiengänge – wenngleich nicht in allen Fächern.

Kombifächer bei angehenden Ingenieurinnen beliebt

Wenn sich Frauen für ingenieurwissenschaftliche Studiengänge entscheiden, dann häufig für solche, die vermeintlich weniger technisch beladen sind. Traditionell studieren etwa mehr Frauen als Männer Architektur. Im Wintersemester 2015/16 waren es rund 20 200 Frauen und 16 500 Männer. Aber auch die Studienfächer Biotechnologie (Frauenanteil: 54 %), Gesundheitstechnik (45 %) und Chemie-Ingenieurwesen (35 %) locken überdurchschnittlich viele Frauen an. Im Mittelfeld liegen dagegen das Bauingenieurwesen mit einem Frauenanteil von 29 %, die Werkstofftechnik mit 25 % und das Wirtschaftsingenieurwesen mit ingenieurwissenschaftlichem Schwerpunkt (22 %). Generell kann man sagen: Die beliebtesten Ingenieurstudiengänge bei Frauen sind Kombinationen der Ingenieurwissenschaften mit anderen, lebensnäheren Disziplinen wie Biologie, Gesundheit oder Wirtschaft.

In einigen Männerdomänen bleiben Frauen in den Ingenieurwissenschaften aber auch Anfang des 21. Jahrhunderts absolute Exotinnen. So war unter den Maschinenbaustudierenden im Wintersemester 2015/16 nur jede Zehnte eine Frau. Ebenso unterrepräsentiert waren Frauen in den Studiengängen Fahrzeugtechnik (Frauenanteil im WS 2015/16: 7 %), Elektrotechnik (11,5 %), Mechatronik (8 %) und Luft- und Raumfahrttechnik (12 %)

Ingenieurinnen arbeiten überall

Im Arbeitsmarkt angekommen machten Frauen zuletzt gerade einmel 17 % aller erwerbstätigen Ingenieure in Deutschland aus. Das sind Zahlen, die das Institut der deutschen Wirtschaft Köln im Auftrag des VDI erhoben hatte. Angesichts der Tatsache, dass bei erwerbstätigen Akademikern anderer Fachrichtungen mittlerweile weitgehend Parität herrscht, sind das eindeutig zu wenige. Andererseits waren es im Jahr 2005 noch weniger erwerbstätige Ingenieurinnen, nämlich 205 000. Die Anzahl der Ingenieurinnen steigt also gemächlich, aber doch kontinuierlich an.

Ihre Arbeitsbereiche sind sehr vielfältig. Etwa jede dritte Ingenieurin findet den Weg in den Sekundärbereich, etwa ins Baugewerbe, in die Energie- und Wasserversorgung, die Elektroindustrie, den Fahrzeug- oder Maschinenbau. Die allermeisten Ingenieurinnen zieht es aber in den Tertiärbereich. Ein Fünftel von ihnen ist in der wissensintensiven Dienstleistung tätig, sie könnten etwa Forscherinnen sein. Rund 6 % der ausgebildeten Ingenieurinnen waren zuletzt im Bereich Erziehung und Unterricht tätig. Hier werden auch die Grenzen der Aussagefähigkeit deutlich: Ob die ausgebildeten Ingenieurinnen tatsächlich in einem Ingenieurberuf oder als Managerinnen sowie Professorinnen mit ingenieurwissenschaftlichem Background arbeiten, bleibt unklar. Gewiss ist aber: In Deutschland gelingt es, peu à peu mehr Frauen für den Ingenieurberuf zu begeistern. Und mit der steigenden Anzahl von Ingenieurinnen werden einzelne sicher überzeugende Mentorinnen für nachkommende Generationen.

Arbeitsumfeld erwerbstätiger Ingenieurinnen in Deutschland

Arbeitsumfeld erwerbstätiger Ingenieurinnen in Deutschland

 

 

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