Von außen unsichtbar 13.07.2016, 12:22 Uhr

Wie versteckte Motoren die Rennräder bei der Tour de France dopen können

Gerade sind die Radprofis bei der 103. Tour de France über die Pyrenäen gerast. Stets begleitet von Motorrädern mit Wärmebildkameras – auf der Spur nach kleinen, im Rahmen versteckten Elektromotoren. Sie sollen helfen, die Fahrer über die Berge zu tragen. Aufgespürt werden sie mit deutscher Technik.

Sieger der 10. Etappe war der Australier Michael Matthews (l.): In diesem Jahr befürchtet die Tour de France, dass manche Fahrer kleine Elektromotoren in die Rennräder einbauen lassen. Deshalb wird mit modernster Technik versucht, solche Motoren zu entdecken.

Sieger der 10. Etappe war der Australier Michael Matthews (l.): In diesem Jahr befürchtet die Tour de France, dass manche Fahrer kleine Elektromotoren in die Rennräder einbauen lassen. Deshalb wird mit modernster Technik versucht, solche Motoren zu entdecken.

Foto: Yoan Valat/dpa

Nicht nur den Fahrer kann man dopen, sondern auch die Räder der Rennfahrer. Technisches Doping nennt sich das heimliche Frisieren der Rennräder. Ende Januar 2016 wurde in der Box der 19-jährigen Crossfahrerin Femke van den Driesschen aus Belgien bei den Weltmeisterschaften im belgischen Zolder ein Rad gefunden, in dessen Karbongeflecht ein Elektromotor steckte.

Optisch war die Rennmaschine identisch mit der eigentlichen Wettkampfmaschine der belgischen Meisterin. Der Radsport-Weltverband UCI sperrte die Sportlerin kurz darauf für sechs Jahre. „Es ist absolut eindeutig, dass eine technischer Betrug vorliegt“, sagte UCI-Präsident Brian Cookson. Und der französische Staatssekretär für Sport, Thierry Braillard, sekundiert: „Dieses Problem ist schlimmer als Doping, die Zukunft des Radsports steht hier auf dem Spiel.“

Vor allem bei schweren Bergetappen wie hier in den Pyrenäen können kleinste, im Rad verbaute Elektromotoren entscheidende Vorteile bieten.

Vor allem bei schweren Bergetappen wie hier in den Pyrenäen können kleinste, im Rad verbaute Elektromotoren entscheidende Vorteile bieten.

Foto: Kim Ludbrook/dpa

Jetzt geht die Angst um, dass auch beim wichtigsten Radrennen der Welt, der Tour de France, mit technischen Tricks gearbeitet wird. Denn die Motoren, die für zusätzlichen Rückenwind sorgen, sind winzig.

Technik wie im Transrapid

Es geht um einen elektromagnetischen Antrieb, der die Hinterradfelge mit geschickt platzierten Magneten dopt. Der Antrieb nutzt die Polarität aus, denn gleichpolige Magneten stoßen sich ab. Diese Technik ähnelt dem Antrieb, der auch den Transrapid bewegte – der sogenannte Transversalflussmotor.

Ein im Sattelrohr eingebauter Elektromotor ist direkt mit der Tretkurbel verbunden. Das Ganze ist von außen nicht zu sehen.

Ein im Sattelrohr eingebauter Elektromotor ist direkt mit der Tretkurbel verbunden. Das Ganze ist von außen nicht zu sehen.

Foto: Vivax

Dabei sitzen die Spulen, die ein elektromagnetisches Feld erzeugen, im Rahmen an den Kettenstreben auf Höhe der Bremsen, der Akku kann einfach im Sattelrohr versteckt werden. Dieser sehr geräuscharme Motor lässt sich beispielsweise über die Pulsuhr des Fahrers starten.

500 Watt im Rahmen versteckt

Die Firma Lightweight, bekannt für edle Leichtlaufräder aus Karbon, hat mit einem Protoypen bewiesen, wie leistungsstark ein solcher Transversalflussmotor sein kann. Auf unglaubliche 100 km/h beschleunigt das Modell Velocité den Fahrer.

180 Magnetplättchen pro Felgenseite sorgen für den enormen Antrieb. Versteckt im Rahmen sind sechs Kupferspulen. So ist von außen nicht zu erkennen, dass im Rad ein 500 Watt starker Antrieb unter den Kohlefasern des Rahmens sitzt.

Fahrraddoping sicher erkennen

Das Fraunhofer-Institut für Zerstörungsfreie Prüfverfahren (IZFP) in Saarbrücken möchte mit seinen auch für industrielle Anwendungen optimierten technischen Möglichkeiten dazu beitragen, dieses Fahrraddoping sicher zu erkennen und hat entsprechende Geräte entwickelt. „Dabei handelt es ich auch um Mess- und Monitoringmöglichkeiten zur Gewährleistung von fairer Rennsporttechnik“, sagt Prof. Dr.-Ing. Bernd Valeske, Abteilungsleiter Komponenten- und Bauteilprüfung und stellvertretender Institutsleiter am Fraunhofer IZFP.

Das Röntgenbild bringt es an den Tag: Im Rahmen des Rennrads steckt ein Elektromotor. So sieht technisches Doping aus.

Das Röntgenbild bringt es an den Tag: Im Rahmen des Rennrads steckt ein Elektromotor. So sieht technisches Doping aus.

Foto: Fraunhofer IZFP

Elektromotor erzeugt Wärme

Ein erster Ansatz ist eine akustische Überwachung des Fahrfelds, denn die versteckten Minimotoren emittieren Geräusche, die sich während des Vorbeifahrens an Messstationen erfassen lassen. Auch die thermographische Inspektion mit Infrarotkameras ist eine Option.

Diese Kameras sind imstande, Temperaturunterschiede von 0,05 °C zu erfassen, wie sie am Rahmen durch Elektromotor oder Akku entstehen. „Eine sichere Merkmalerfassung sollte auch hier durch eine intelligente Prüfsignalauswertung und geschultes Personal ergänzt werden“, so Valeske.

Thermographische Untersuchung eines Rennrades mit verstecktem Elektromotor: Die Infrarotaufnahme rechts zeigt den versteckt im Sattelrohr eingebauten Motor.

Thermographische Untersuchung eines Rennrades mit verstecktem Elektromotor: Die Infrarotaufnahme rechts zeigt den versteckt im Sattelrohr eingebauten Motor.

Foto: Fraunhofer IZFP

Auch mit magnetischen Sonden wollen die IZFP-Forscher dem Fahrraddoping Paroli bieten. So ist es eine Technologiekaskade, die dem Doping mit Elektromotoren das Handwerk legen soll. Verdächtige Fahrräder können danach einer weiteren zerstörungsfreien Prüfung unterzogen werden, um den Verdacht auszuräumen oder zu bestätigen.

Schon während der Fahrt werden die Räder bei der Tour de France mit Wärmebildkameras erfasst, um versteckten Motoren auf die Schliche zu kommen.

Schon während der Fahrt werden die Räder bei der Tour de France mit Wärmebildkameras erfasst, um versteckten Motoren auf die Schliche zu kommen.

Foto: Yoan Valat/dpa

Diese Prüfung ist dann ein Scan mit einer modernen digitalen Röntgentechnik. So lassen sich versteckte Hilfsmotoren im zunächst unzugänglichen Inneren der Räder sehr sicher und sogar dreidimensional abbilden. Das alles kann recht leicht in einem mobilen Messfahrzeug verbaut und entlang der Strecke der Tour eingesetzt werden.

Wer als Privatfahrer sein Fahrrad nachträglich und nicht versteckt mit einem Elektromotor nachrüsten will, der kann das mit einem Steckantrieb versuchen. Wie das geht, lesen Sie hier.

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