Das große Versprechen 18.08.2026, 14:30 Uhr

Tesla Roadster 2026: 1000 km Reichweite, über 400 km/h und ein fliegender Prototyp?

Tesla Roadster 2026: Geplante Premiere mit 1000 km Reichweite, über 400 km/h und SpaceX-Kaltgastriebwerken – was ist technisch realistisch?

Tesla Roadster 2026

Fast 10 Jahre nach seiner Ankündigung soll der Tesla Roadster nun endlich auf die Straße kommen. Seine Leistungsdaten lassen aufhorchen, doch noch hat ihn kein Experten testen können.

Foto: Tesla, Inc.

Tesla Roadster: Vom Versprechen zur fast zehnjährigen Wartezeit

Kaum ein Tesla-Modell steht so stark für die Diskrepanz zwischen Ankündigung und tatsächlicher Markteinführung wie der zweite Roadster. Elon Musk präsentierte den Prototyp im November 2017 und stellte einen Produktionsstart für 2020 in Aussicht. Daraus wurde zunächst nichts. Als weitere Termine folgten 2022, 2023 und 2024. Auch diese Zeitpunkte verstrichen, ohne dass Kunden ein Serienfahrzeug erhielten.

Nun könnte der Sportwagen tatsächlich wieder auf die Bühne kommen. Nach einem Bericht von The Information, über den unter anderem Reuters berichtet, plant Tesla noch im August eine Vorstellung des überarbeiteten Roadsters. Als Veranstaltungsort wird das SpaceX-Testgelände in McGregor, Texas, genannt. Tesla selbst hat den Termin bislang nicht bestätigt.

Dass sich das Projekt in der Zwischenzeit deutlich verändert hat, ist bemerkenswert. Ursprünglich war ein besonders leistungsfähiges Elektroauto auf Basis vorhandener Tesla-Technik vorgesehen. Später fiel die Entscheidung offenbar für eine wesentlich aufwendigere Neukonstruktion mit Carbon-Monocoque. Für Tesla bedeutete das zusätzliche Entwicklungsarbeit und externes Know-how im Karosseriebau.

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1000 km Reichweite und mehr als 400 km/h

Technisch soll der Roadster in einer anderen Liga spielen als gewöhnliche Elektro-Sportwagen. Tesla nennt auf seiner deutschen Website weiterhin 2,1 s für 0 bis 100 km/h, eine Höchstgeschwindigkeit von mehr als 400 km/h und eine Reichweite von 1000 km. Außerdem werden Allradantrieb, vier Sitzplätze und 10.000 Nm Raddrehmoment angegeben.

Die Reichweitenangabe basiert auf einem bereits vor Jahren angekündigten Batteriekonzept. Im ursprünglichen Konzept war von einem rund 200 kWh großen Akku die Rede. Ein solcher Speicher wäre für einen Sportwagen zwar ungewöhnlich groß, er erscheint jedoch notwendig, wenn gleichzeitig hohe Dauerleistung, hohe Geschwindigkeit und eine Reichweite von 1000 km erreicht werden sollen.

Technische Herausforderungen

Genau hier liegt eine der größten technischen Herausforderungen. Ein 1000-km-Sportwagen kann nicht allein durch eine große Batterie entstehen. Bei Geschwindigkeiten jenseits von 300 km/h steigt der Luftwiderstand massiv an, während Reifen, Kühlung, Antrieb und Batterie hohen thermischen Belastungen ausgesetzt sind. Für die tatsächliche Reichweite wäre deshalb entscheidend, unter welchen Bedingungen Tesla die 1000 km ermittelt.

Auch die Leistungsangabe verdient eine genauere Betrachtung. Tesla nennt für den Roadster 10.000 Nm, spricht dabei aber vom Raddrehmoment. Dieser Wert lässt sich deshalb nicht direkt mit den Motordrehmomenten anderer Elektroautos vergleichen. Eine offizielle Systemleistung in kW oder PS hat Tesla bislang nicht veröffentlicht.

Porsche Taycan zeigt, was heute technisch möglich ist

Ein Blick auf den aktuellen Porsche Taycan zeigt, dass einzelne Roadster-Versprechen durchaus realistisch erscheinen. Der Taycan Turbo GT mit Weissach-Paket kommt inzwischen auf bis zu 760 kW beziehungsweise 1034 PS. Porsche gibt 2,2 Sekunden für den Sprint von 0 auf 100 km/h und 305 km/h Höchstgeschwindigkeit an. Die WLTP-Reichweite liegt je nach Konfiguration bei bis zu 555 km.

Damit ist eine Beschleunigung um zwei Sekunden für einen leistungsfähigen Elektro-Sportwagen technisch keine Science-Fiction mehr. Der entscheidende Unterschied liegt bei der Kombination der Werte. Tesla verspricht nicht nur eine Beschleunigung auf Taycan-Niveau, sondern gleichzeitig mehr als 400 km/h und eine knapp doppelt so hohe Reichweite wie der Konkurrent aus Weissach.

Der Taycan verfügt über eine 800 V-Architektur und kann unter geeigneten Bedingungen in rund 18 Minuten von 10 auf 80 % laden. Seine Batterie besitzt brutto rund 105 kWh. Ein Tesla Roadster mit einer tatsächlich rund 200 kWh großen Batterie würde damit in einer anderen Gewichtsklasse spielen. Mehr Speicherkapazität bedeutet zunächst mehr Masse. Diese muss wiederum beschleunigt und bei hohen Geschwindigkeiten abgebremst werden. Tesla müsste deshalb bei Zellchemie, Pack-Integration, Leistungsdichte, Thermomanagement und Leichtbau erhebliche Fortschritte gemacht haben, wenn die genannten Daten nicht nur unter idealisierten Bedingungen gelten sollen.

Die 2,1 Sekunden sind deshalb erst mal plausibel. Die Kombination aus 1000 km Reichweite und mehr als 400 km/h ist dagegen wesentlich anspruchsvoller. Erst Messwerte eines Serienfahrzeugs könnten zeigen, ob Tesla hier einen technologischen Fortschritt erzielt oder vor allem mit theoretischen Bestwerten arbeitet.

SpaceX-Roadster soll tatsächlich abheben

Noch spektakulärer ist die angekündigte Sonderversion. Nach den aktuellen Berichten soll Tesla gemeinsam mit SpaceX einen Roadster mit Kaltgastriebwerken demonstrieren. Das Prinzip ist aus der Raumfahrt bekannt: Unter Druck gespeichertes Gas wird über Düsen ausgestoßen und erzeugt dadurch einen Impuls. Ein solches System könnte kurzfristig zusätzliche Kräfte erzeugen. Es ist jedoch kein konventioneller Fahrzeugantrieb und macht aus einem Pkw auch kein alltagstaugliches Flugauto. Für die geplante Demonstration soll das Fahrzeug deshalb ferngesteuert werden. Wegen der Geräuschentwicklung und der Kräfte der Düsen müssten Zuschauer zudem erheblichen Abstand halten.

Die SpaceX-Version wäre damit vor allem ein Technologiedemonstrator. Berichten zufolge soll sie keine Straßenzulassung erhalten und möglicherweise mehrere hunderttausend bis hin zu Millionen Dollar kosten. Für den europäischen Markt wäre ein solches Fahrzeug ohnehin kaum als normales Auto vorstellbar: Druckgassysteme, Antriebseinrichtungen außerhalb klassischer Fahrzeugtechnik, Sicherheitsanforderungen und die Auswirkungen eines kontrollierten Abhebens würden erhebliche Homologationsprobleme verursachen.

Ein echtes Flugauto ist damit nicht zu erwarten. Wahrscheinlicher ist ein kontrollierter Demonstrator, der für kurze Zeit zusätzliche Schubkräfte erzeugt. Gerade diese Begrenzung macht das Projekt technisch interessanter – und gleichzeitig zu einem nahezu idealen PR-Instrument.

Der erste Tesla Roadster schrieb bereits Geschichte

Der Name Roadster ist für Tesla nicht zufällig gewählt. Die erste Generation war das erste Serienfahrzeug des Unternehmens und wurde von 2008 bis 2012 gebaut. Technisch basierte der Zweisitzer auf dem Chassis des Lotus Elise. Tesla kombinierte den leichten Sportwagen mit einem Elektroantrieb und einem Lithium-Ionen-Batteriesystem. Der Ur-Roadster war zwar ein Kleinserienfahrzeug, für die Entwicklung von Tesla aber entscheidend. Er zeigte, dass ein Elektroauto nicht nur als effizientes Transportmittel funktionieren konnte, sondern auch als emotionaler Sportwagen.

Besonders kurios wurde seine Geschichte 2018: Elon Musks eigener Roadster wurde als Nutzlast beim ersten Start der Falcon Heavy von SpaceX ins All geschossen. Der Wagen wurde damit zum ersten Serienfahrzeug, das in den Weltraum gelangte. Mit der Testmission gelangte der Tesla auf eine heliozentrische Bahn, die ihn über die Marsbahn hinausführte. Der Marketinggag zündete.

Hat der Roadster überhaupt eine Marktchance?

Für die normale Version gibt es trotz des hohen technischen Anspruchs durchaus einen Markt. Im Segment elektrischer Hochleistungsfahrzeuge konkurrieren allerdings inzwischen etablierte Produkte und Kleinserienhersteller. Porsche hat mit dem Taycan gezeigt, dass ein Elektro-Sportwagen technisch ausgereift, schnell und langstreckentauglich sein kann. Rimac und Lotus bewegen sich bei ihren elektrischen Hypercars noch stärker in Richtung extremer Fahrleistungen.

Tesla könnte sich deshalb vor allem über Reichweite, Beschleunigung und Höchstgeschwindigkeit differenzieren. Gleichzeitig dürfte der Preis entscheidend sein. Bereits die Reservierung ist ungewöhnlich kapitalintensiv: In Deutschland werden nach den derzeitigen Angaben zunächst 4000 € fällig, anschließend sollen innerhalb von zehn Tagen weitere 39.000 € überwiesen werden. Damit beträgt die anfängliche Reservierungssumme rund 43.000 € – wohlgemerkt ohne das Fahrzeug überhaupt jemals live gesehen zu haben, geschweige denn mal einen gefahren zu haben.

Das begrenzt die Zielgruppe erheblich. Der Roadster ist kein Volumenmodell, für Tesla wäre seine Bedeutung deshalb weniger über Stückzahlen als über Technologie, Markenwirkung und Aufmerksamkeit zu bewerten.

Bei der SpaceX-Variante ist die Marktnische noch kleiner. Selbst wenn einige Sammler bereit wären, Millionenbeträge zu zahlen, wäre der wirtschaftliche Beitrag für Tesla gering. Der kommunikative Effekt könnte dagegen erheblich sein.

Roadster 2026: Technologischer Durchbruch oder Marketingmaschine?

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob Tesla einen Roadster bauen kann. Ein Elektroauto mit rund 1000 PS und einer Beschleunigung um zwei Sekunden ist heute technisch nachweisbar. Die Herausforderung besteht darin, 1000 km Reichweite, mehr als 400 km/h, hohe Dauerleistung und ein vertretbares Fahrzeuggewicht gleichzeitig zu realisieren.

Genau deshalb sollte die angekündigte Präsentation zunächst als Demonstration und nicht automatisch als bevorstehender Serienstart verstanden werden. Selbst wenn Tesla im August einen fahrfähigen Roadster und einen fliegenden SpaceX-Demonstrator zeigt, wäre damit noch nicht bewiesen, dass die angekündigten technischen Daten in einem homologierten Serienfahrzeug erreichbar sind.

Nach fast neun Jahren seit der Vorstellung des Prototyps ist die Beweislage daher umgekehrt: Tesla muss diesmal nicht mehr nur ein beeindruckendes Konzept zeigen, sondern einen belastbaren Entwicklungsstand. Ein fahrender Roadster wäre ein Fortschritt. Ein reproduzierbar funktionierender Serienantrieb mit den versprochenen Leistungsdaten wäre der eigentliche technische Nachweis. Die SpaceX-Version dagegen dürfte vor allem eines sein: eine spektakuläre Demonstration, die perfekt zur Tesla- und Musk-Inszenierung passt. Ob daraus ein fliegendes Auto entsteht, ist eine andere Frage. Für Europa ist sie praktisch ohnehin irrelevant. Der eigentliche Test für Tesla findet auf der Straße statt – mit Batterie, Reifen, Kühlung, Aerodynamik und Zulassung.

Ein Beitrag von:

  • Peter Kellerhoff

    Redakteur VDI nachrichten
    Fachthemen: Automobil, Nutzfahrzeuge, Schiff, Bahn, Verkehr, Mobilität, E-Mobilität, Software, Cloud, Internet, KI

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