Rekord mit Muskelkraft 22.09.2015, 15:50 Uhr

Radfahrer mit fast 140 km/h auf der Überholspur

Nun ist zum ersten Mal ein Fahrradfahrer mit fast 140 km/h geblitzt worden. Stimmt nicht. Aber: Tatsächlich hat diesen sensationellen Geschwindigkeitsrekord ein Team aus Kanada beim World Human Powered Speed Challenge am Wochenende unweit der Stadt Battle Mountain im US-Bundesstaat Nevada aufgestellt. 

Was Sie hier sehen ist ein Fahrrad...

Was Sie hier sehen ist ein Fahrrad...

Foto: Chris Crisman Photography/Aerovelo

Schauplatz für den erfolgreichen Geschwindigkeitsrekord war ausgerechnet die Stadt Battle Mountain im US-Bundesstaat Nevada. Das klingt schon mal nach Schlacht. Und so war es dann auch. In Battle Mountain traten vom 14. bis zum 19. September beim inzwischen 16. World Human Powered Speed Challenge auf der State Route 305 vor den Toren der Stadt Radfahrer aus aller Welt an, um sich am ultimativen Geschwindigkeitsrekord rein mit Muskelkraft zu messen.

Rekord von 2013 glatt eingestellt

Der steht seit 2013 bei wahnsinnigen 133,8 km/h. Aufgestellt hat diesen Rekord der holländische Radfahrer Sebastian Bowier vom Human Power Team aus Delft. Die State Route 305 ist eine der geradesten, flachsten und glattesten Straßen auf dem Planeten Erde.

… und so sieht das Speedbike Eta ohne seine Verkleidung aus Carbonfasern aus. 

… und so sieht das Speedbike Eta ohne seine Verkleidung aus Carbonfasern aus. 

Foto: Aerovelo

Auf der Beschleunigungszone von fünf Meilen verändert sich ihr Höhenverlauf nicht einmal um 1,5 m. Schnurgerade zieht der Asphalt hier seinen Weg durch die Steppe links und rechts. Maßgeblich für die tatsächliche Geschwindigkeit ist die Messung auf den letzten 200 m der Piste.

Mit 139,45 km/h ins Ziel

Nun hat der kanadische Unternehmer Todd Reichert vom Team Aero Velo mit seinem Fahrrad Eta einen neuen Geschwindigkeitsrekord für muskelbetriebene Fahrzeuge aufgestellt. Mit sagenhaften 139,45 km/h raste sein Speedbike am 19. September um 18:41 nach den fünf Meilen ins Ziel.

Das Eta-Team 2015 in Battle Mountain.

Das Eta-Team 2015 in Battle Mountain.

Foto: Aerovelo

Für die entscheidenden letzten 200 m brauchte Reichert nur 5,163 s, was 139,45 km/h entspricht. Das Rekordgefährt ist ein 25 kg leichtes Liegerad mit einer enorm windschnittigen Verkleidung aus Carbonfasern. Das besondere an Eta: der darin liegende Fahrer kann nur über einen Bildschirm einen Blick auf die Straße werfen, ein Sichtfenster gibt es nicht.

„Überschreiten von Autobahngeschwindigkeiten“

„Nach dem griechischen Symbol der Effizienz benannt ist Eta entworfen, um in der Lage zu sein, Geschwindigkeiten von mehr als 140 km/h zu schaffen“, schreibt Aero Velo in seinem offiziellen YouTube-Kanal über den Rekord. „Die aerodynamische Schale verleiht Eta 100 Mal weniger Widerstand als ein modernes Auto. Das ultra-effiziente Design erlaubt Eta das Überschreiten von Autobahngeschwindigkeiten mit dem Einsatz von weniger als einer Pferdestärke.“

Im Sommer 2014 erfolgreiche Kampagne auf Kickstarter

Es ist diese Vision, mit der das Aerovelo-Team um Todd Reichert im Juni 2014 eine Kampagne auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter veröffentlichte.

Mit den Muskeln am Ende: Todd Reichert nach der Fahrt mit dem Speedbike Eta.

Mit den Muskeln am Ende: Todd Reichert nach der Fahrt mit dem Speedbike Eta.

Foto: Chrismann/Todd/Aerovelo

Das Ziel: 30.000 Kanadische Dollar einzusammeln, um genau diese Rennmaschine bauen zu können, die jetzt diesen sagenhaften Weltrekord aufgestellt hat. Am 8. Juli 2014 war das Ziel erreicht. Todd Reichert verkündete auf Kickstarter: „We made it!“ 

„Wir glauben, Menschen können das Unmögliche schaffen“ 

Auf der State Route 305 unweit von Battle Mountain sind Mitte September viele Muskelprotze mit ihren individuellen rollenden Gefährten gegeneinander angetreten. Dominiert hat den Wettbewerb völlig klar und eindeutig das Team von Aero Velo. Schon am Donnerstagmorgen, den 17. September rauschte Todd Reichert in Eta mit 137,93 km/h allen anderen davon.

Am Samstag, den 19. September gelang ihm dann die Sensation: 139,45 km/h. So schnell war noch nie ein Mensch alleine mit der Kraft seiner Muskeln unterwegs. „Wir glauben, Menschen können das Unmögliche schaffen“, lautet das Intro auf der Webpräsenz von Aerovelo. Das ist ihnen nun wohl gelungen.

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