Mit 463 km/h durchs Vakuum 25.07.2019, 11:08 Uhr

Hyperloop geht in die nächste Runde

Zum vierten Mal in Folge geht die Ehre des schnellsten Hyperloops nach München. Bisher gewann die TU alle der von SpaceX abgehaltenen Wettbewerbe. Deren Ziel ist es, das noch utopische Verkehrsmittel eines Tages massentauglich zu machen.

Schaut in die Röhre: der Hyperloop-Pod der TU München

Schaut in die Röhre: der Hyperloop-Pod der TU München

Foto: TUM Hyperloop Team / TUM

Hyperloop – auf diesen futuristischen Namen hört eine Idee, die SpaceX- und Tesla-Chef Elon Musk erstmals 2013 als Konzept dem Rest der Welt präsentierte. Die Idee, Menschen in einer quasi luftleeren Röhre mit Höchstgeschwindigkeiten von A nach B zu befördern, ist nicht zwangsläufig neu. Eine Neuheit hingegen ist, dass das aus Film und Literatur bekannte futuristische Konzept immer stärker seinen Weg in die Praxis findet – auch dank Musk und seinem Pod-Wettbewerb.

Münchner wieder Sieger im Pod-Wettbewerb

463 ist die Zahl der Sieger. Das ist die Geschwindigkeit in Kilometern pro Stunde, die das Münchner Team „TUM Hyperloop“ bei Musks Wettbewerb dieses Jahr erreichte. Die Münchener der Technischen Universität bleiben damit knapp unter dem eigenen Weltrekord vom Vorjahr mit 467 Kilometern pro Stunde, als sie noch unter dem Namen „WARR Hyperloop“ antraten. Insgesamt nahmen an Musks Wettbewerb 21 Teams teil, die sich aus mehr als 700 Studenten und Fachleuten zusammensetzten. Die „Starterlaubnis“, den eigenen Pod durch die Röhre der Boring Company zu schicken, bekamen am Ende aber nur 4 Teams: Uni Delft, EPF Lausanne, TU München und ETH Zürich. Die Pods mussten ein hauseigenes Kommunikationsnetzwerk verwenden, um zum Wettbewerb zugelassen zu werden.

Bei dem Wettbewerb schießt der Pod durch eine 1.200 Meter lange, weitgehend evakuierte Röhre und muss an deren Ende rechtzeitig zum Halt kommen. Daran wird bereits deutlich, dass das Konzept immer noch in den Kinderschuhen steckt: Mehr als Testläufe in einem stark definierten Umfeld sind aktuell noch nicht drin. Musk hat das nicht davon abgehalten, große Ankündigungen für das nächste Jahr zu machen: 2020 soll der Testlauf in einem 10 Kilometer langen Tunnel mit einer Kurve stattfinden. Diese Ansage hat er zwar direkt danach wieder kassiert, was bei Musk nicht ungewöhnlich ist. Eine Verlängerung der Strecke soll aber trotzdem realisiert werden. Musk selbst betonte allerdings, dass eine signifikante Ausweitung des Tunnels wohl frühestens in 3 Jahren erreicht werden könne.

Hyperloop – futuristische Mobilität, ausgetragen im Wettbewerb

Wichtige Erkenntnisse liefert der Wettbewerb dennoch und ganz nebenbei forciert er den Wettbewerb zwischen Ländern, Unternehmen und Universitäten, das Mobilitätskonzept möglichst schnell praxistauglich zu machen. Das liegt aber noch in weiter Ferne, denn der Hyperloop kämpft mit vielen Problemen – selbst bei unbemannten Pods. Wie auch anhand des Wettbewerbs deutlich wurde, ist eine tadellose Sicherheit selbiger längst nicht gegeben. Noch immer kommen Pods nicht rechtzeitig zum Stehen oder können selbst eine gerade Strecke nicht zuverlässig halten.

Wird der Hyperloop tatsächlich unter dem Blickwinkel eines Mobilitätssystems für den Menschen betrachtet, eröffnen sich eine ganze Reihe weiterer Schwierigkeiten. Experten warnen vor immens hohen Infrastrukturkosten, die für die Röhren fällig werden würden, bevor überhaupt der erste Pod einen Menschen transportiert. Dass das längst nicht so einfach ist, wie häufig von Musk erdacht, zeigen schon viel einfachere Disruptionen: Fahrer von Elektroautos können speziell in Deutschland ein Lied davon singen, wenn mal wieder die passende Säule in der Nähe fehlt. Die Vorstellung, ganze Regionen würden länderübergreifend riesige und schier unendlich lange Tunnel mit tadellosem Vakuumverschluss bauen, mutet im Augenblick noch utopisch an.

In den Röhren selbst gibt es laut Experten ebenfalls viele Probleme. Selbst winzige Lecks im Vakuum würden die Höchstgeschwindigkeit maßgeblich verringern. Gerade die sind aber kaum zu verhindern, wenn wirklich Röhren gebaut werden müssen, die zwei- oder dreistellige Kilometerzahlen abdecken. Sowohl das Expansionsproblem als auch der Atmosphärendruck würden, so viele Experten, dem Vorhaben noch für viele Jahrzehnte komplett einen Strich durch die Rechnung machen. Dehnungsprobleme sind in vakuumfreien Räumen ein großes Problem: Tunnel würden sich je nach Wetter maßgeblich ausdehnen oder wieder verkürzen, die Varianz könnte Dutzende Meter ausmachen.

Der Atmosphärendruck indes wird vor allem für Passagiere zur Gefahr. Er kann zur Dekompression führen, die dann sofort für alle Passagiere tödlich wäre. Vereinfacht ausgedrückt, bringt der Hyperloop all die Gefahren, die der Weltraum bisher für sich beansprucht hat, auf die Erde. Gerade diese müssen aber in Kauf genommen und negiert werden, wenn der Hyperloop nicht einfach nur ein teurer, langsamer Zug mit eigener Infrastruktur sein möchte.

Hyperloops sind ein technologischer Dauerbrenner

Ganz so neu ist das oft Elon Musk zugeschriebene System übrigens nicht. Bereits in den 80er-Jahren wurde ein ähnliches System in der Schweiz (Swissmetro) anvisiert. Die Züge sollten Schweizer Großstädte miteinander verbinden und Passagiere mit bis zu 450 km/h von A nach B bewegen. Damals wurde das Projekt offiziell aus Kostengründen eingestellt – obwohl diese noch weitaus niedriger bemessen waren, als es ein echtes Hyperloop-System erforderlich machen würde.

Trotzdem sind Hyperloops nicht nur auf Wettbewerbe und Konzeptpapiere beschränkt. Europa konnte im Juli 2019 die Eröffnung der ersten eigenen Hyperloop-Röhre feiern, die sich im niederländischen Delft befindet, wo auch eines der am Wettbewerb teilnehmenden Teams herkommt. Betreiber ist das Unternehmen „HardtHyperloop“. Eine Fahrt mit Menschen an Bord ist natürlich auch da nicht möglich, zumal die Röhre nur 30 Meter lang ist. Sie simuliert auf diesen 30 Metern aber alle authentischen Bedingungen, die für die Forscher und Ingenieure wichtig sind, um weiter an großflächigen Hyperloops zu arbeiten. Unter anderem sollen in der Röhre Magnetschwebetechniken sowie Spurwechsel getestet und simuliert werden.

Ähnliche Vorhaben existieren in Hamburg, wo eine Teststrecke an einem Containerterminal im Hafen gebaut wird. Die Röhre soll bis 2021 fertiggestellt sein. Anders als bei den prominenteren Beispielen für den Hyperloop, steht hier aber nicht die Personen-, sondern die Güterbeförderung im Fokus. Fracht aus dem Hamburger Hafen soll so schneller abtransportiert werden – sofern sich die Röhre in der Zukunft einmal als praxistauglich erweist.

Aktuell noch reine Zukunftsmusik: Hyperloops brauchen noch lange zur Markttauglichkeit

Umweltfreundlich, für Passagiere günstig und rasant schnell, all das soll der Hyperloop einmal sein. Aktuell ist er nichts davon, auch weil das Konzept in den Kinderschuhen steckt. Selbst bei Musks Wettbewerb erhielten 80% aller Teilnehmer keine Starterlaubnis, in der Praxis können Hyperloops aktuell nur auf sehr kurzen, kontrollierten Strecken stattfinden. Die Hürden auf dem Weg zum Mobilitätskonzept der Zukunft sind hoch und reichen von immensen Kosten bis hin zu lebensgefährlichen Bedrohungen für Passagiere. Erst wenn diese genommen sind, was noch Jahrzehnte dauern kann, würde ein Hyperloop tatsächlich zur Zug- und Flugalternative avancieren.

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