Fahrrad mit vier Beinen 04.07.2016, 09:50 Uhr

Das Strandbeest-Bike: Ist das Kunst oder kann man damit weg?

Hier bekommt der Begriff Ingenieurskunst eine ganz neue Bedeutung: Drei Freunde aus Kalifornien haben Kunst mit Konstruktion verbunden und eine Art Geh-Rad entwickelt. Inspirieren ließen sie sich von den sich autonom bewegenden Strandbeestern des Künstlers Theo Jansen. Und das Fahrrad? Fährt es oder geht es?

Es ist das ungewöhnlichste Fahrrad der Welt: Das Hinterrad des Strandbeest-Bikes ist durch eine spinnenartige Mechanik ersetzt. 

Es ist das ungewöhnlichste Fahrrad der Welt: Das Hinterrad des Strandbeest-Bikes ist durch eine spinnenartige Mechanik ersetzt. 

Foto: Carv

Es ist das ungewöhnlichste Fahrrad der Welt: Das Hinterrad des Strandbeest-Bikes ist durch eine spinnenartige Mechanik ersetzt. 

Foto: Carv

Foto: Carv

Foto: Carv

Foto: Carv

Foto: Carv

Foto: Carv

Manchmal wird etwas nicht unbedingt besser, wenn man es neu erfindet – das Rad zum Beispiel. Aber manchmal wird es spannender. Dieses Rad zum Beispiel: das Strandbeest-Fahrrad einer Gruppe Tüftler namens Carv, bestehend aus den Freunden Blaine Elliot, Jon Paul Berti und Roy Wright aus dem kalifornischen Santa Barbara.

 

Statt eines Hinterrads hat das Gefährt vier Beine, die es in einer kompliziert anmutenden Abfolge spinnenartig vorwärts bewegen, sobald der Fahrer in die Pedale tritt – aber bitte langsam, denn mehr als ein rasches Geh-Tempo bekommt das Gewirr aus Gestängen nicht hin, ohne sich zu zerlegen.

Inspiriert vom niederländischen Künstler Theo Jansen

Warum man so etwas fahren sollte? Das weiß derzeit noch keiner so genau, selbst die Erbauer nicht. Warum man so etwas überhaupt baut? Weil man es kann – und weil man sich von den kinetischen Skulpturen des niederländischen Künstlers Theo Jansen hat inspirieren lassen.

Dieses mechanische Meisterwerk des niederländischen Künstlers Theo Jansen bewegt sich durch die Kraft den Windes vorwärts. Diese Strandbeest-Technik stand Pate für das Strandbeest-Bike der Gruppe Carv.

Dieses mechanische Meisterwerk des niederländischen Künstlers Theo Jansen bewegt sich durch die Kraft den Windes vorwärts. Diese Strandbeest-Technik stand Pate für das Strandbeest-Bike der Gruppe Carv.

Foto: Loek van der Klis/Strandbeest

Dieser baut seit den 1990er Jahren riesige mechanische Tiere aus Plastikrohren, Kabelbindern, Klebebändern und Nylonschnüren, die sich autonom auf dem weichen Sand des Strands bewegen – getragen von unzähligen Einzelkonstruktionen, die miteinander verbunden sind und wie Beine Schritt für Schritt nach vorn gehen. Die Kraft zum Gehen erhalten sie vom Wind oder von Druckluft, die die künstlichen Muskeln mit Energie versorgten. Mithilfe von Koppelgetrieben sind die Skulpturen in der Lage, von einer geraden in eine Drehbewegung zu wechseln.

 

Druckluft benötigt das Strandbeest-Fahrrad nicht, um in Gang zu kommen: Wie bei einem konventionellen Fahrrad bewegen menschliche Muskeln die Pedale, deren Kraft wiederum von einer Kette auf den hinteren Teil des Fahrrads übertragen wird. Nur, dass die Radnabe nicht einfach ein Hinterrad bewegt, sondern der Antrieb für die Beine ist.

Vier Hinterbeine aus je rund 30 Metallstangen

Jedes der vier Beine – vier war in den Augen der Konstrukteure das Minimum, sechs wären zu breit für einen Gehweg gewesen – besteht aus rund 30 Metallstangen, zusammengefügt zu einer Ansammlung von Dreiecken. Aneinandergeschweißt und in den Gelenken beweglich verbunden, erinnert jedes einzelne Bein grob an eine Flanke mit einem Ober- und einem Unterschenkel.

Die Mechanik erinnert an eine Spinne. Zwei der vier Beine haben immer Bodenkontakt.

Die Mechanik erinnert an eine Spinne. Zwei der vier Beine haben immer Bodenkontakt.

Foto: Carv

Der Bau der Extremitäten war das eine – sie zu einer Laufbewegung zu befähigen, das andere. Außerdem sollten immer mindestens zwei Beine den Boden berühren. Um das zu erreichen, bauten die Kalifornier eine Kurbelwelle: dünn, eckig gebogen, in sich gedreht und mit einer entfernten Ähnlichkeit zur Skyline einer Großstadt. Mit Klammern befestigten die Erfinder die Beine an der Kurbelwelle und bauten Pleuelstangen ein, die die Beine antreiben sollten. 

Testmodell aus dem 3D-Drucker

Trotz des prominenten Vorbilds aus den Niederlanden war es nicht so einfach, die Konstruktion auf das Fahrrad zu übertragen, sodass sie tatsächlich funktioniert, trägt und dabei noch einigermaßen ansehnlich ist. Und da ein Herumprobieren mit realen Metallstangen teuer, langwierig und aufwendig ist, testeten die Jungs von Carv ihre Ideen zunächst in der Theorie und per Modell aus dem 3D-Drucker.

Die drei Erfinder des Strandbeest-Bikes haben ein halbes Jahr intensiv an der Mechanik gearbeitet

Die drei Erfinder des Strandbeest-Bikes haben ein halbes Jahr intensiv an der Mechanik gearbeitet

Foto: Carv

Trotzdem steckten die Feierabendbastler – sie hatten sich auf drei Abende à drei Stunden pro Woche geeinigt – insgesamt 1.000 Arbeitsstunden in das Projekt, bis die etwa 400 Einzelteile endlich harmonierten und das Strandbeest-Bike nach rund einem halben Jahr fahrbereit war. 

Richtig geländegängig ist das Ding nicht – es benötigt eine ebene Fläche, um die Beine korrekt aufsetzen zu können. Und Rennen fahren sollte man damit auch nicht: Bei einem Tempo, das höher als schnelles Gehen ist, bekommen die Tüftler Angst um ihr schlurfendes Spinnen-Fahrrad.

Aber ein Hingucker ist es allemal. Wer sich allerdings schon freut, mit dem Kunstrad durch die Fußgängerzone zu flanieren, wird enttäuscht: Derzeit planen die Tüftler nicht, mit ihrem Strandbeest-Bike in Serie zu gehen.

Wenn Sie trotzdem einen Hingucker suchen, dann wäre das Archont-Bike was für Sie. Drei Meter lang und gaaanz cool.

Ein drei Meter langes Kunstwerk aus rostfreiem Edelstahl: das Fahrrad Archont von Ono Bikes. 

Ein drei Meter langes Kunstwerk aus rostfreiem Edelstahl: das Fahrrad Archont von Ono Bikes. 

Foto: Ono Bikes

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