Betagtes Kriegsschiff „Neustraschimi“ feuert scharfe Munition: Das ist die Technik dahinter
Die russische Fregatte „Neustraschimi“ hat in internationalen Gewässern im Ärmelkanal – rund 74 km vor der britischen Küste bei Plymouth – eine 30-minütige Artillerieübung mit scharfer Munition durchgeführt. Das Schiff ist fast 40 Jahre alt, aber durchaus schwer bewaffnet.
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Bevor im Ärmelkanal die ersten Schüsse fielen, warnte die russische Besatzung das patrouillierende britische Schiff „HMS Tyne“ der Royal Navy und forderte es auf, auf Abstand zu gehen. Auch ein französisches Militärflugzeug überwachte die Lage. Militärexperten werten den Vorfall mit dem Kriegsschiff als gezielte Provokation und Machtdemonstration des Kremls. Das Manöver wurde offenbar bewusst auf den Amtsantritt der neuen britischen Regierung abgestimmt.
Der Ärmelkanal ist eine der am stärksten befahrenen Schifffahrtsrouten der Welt. Schießübungen sind hier äußerst ungewöhnlich. Der Vorfall reiht sich jedoch in eine Serie aktueller Spannungen ein. Erst im Vormonat gab ein anderes russisches Kriegsschiff im Kanal Warnschüsse auf eine britische Segeljacht ab. Zudem eskortieren russische Kriegsschiffe, wie die „Neustraschimi“, immer wieder umstrittene Öltanker der russischen Schattenflotte durch das Gewässer.
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Das Kriegsschiff „Neustraschimi“ im Detail
Die „Neustraschimi“ ist das Typschiff der gleichnamigen Neustraschimy-Klasse (Projekt 11540). Sie trägt denselben NATO-Codenamen. Solche Codenamen vergibt das westliche Verteidigungsbündnis für Militärtechnik aus Staaten des ehemaligen Warschauer Paktes.
Mitte der 1970er Jahre begann die Entwicklung des Typs des jetzt gesichteten Schiffs zunächst als leichte U-Boot-Jagd-Korvette mit einer Tonnage von rund 1.500 t. Die Anforderungen stiegen jedoch im Laufe der Zeit. Durch zusätzliche Waffensysteme und ein Helikopterdeck entstand eine moderne Mehrzweckfregatte. Sie sollte die ältere Kriwak-Klasse ablösen. Von den drei in der Kaliningrader Jantar-Werft auf Kiel gelegten Schiffen wurden letztlich nur zwei fertiggebaut. Die Bauzeit erstreckte sich von 1987 bis 2009. Die „Neustraschimi“ selbst lief am 25. Mai 1988 vom Stapel.
Konstruktion und Antrieb
Der Rumpf und die Aufbauten bestehen vollständig aus Stahl. Beim Bau kamen spezielle Technologien zum Einsatz, um die akustische Signatur zu verringern. Das Schiff ist so für feindliche U-Boote schwerer ortbar. Die Fregatte ist exakt 129,6 m lang und misst 15,6 m in der Breite. Bei einer Verdrängung von 3.800 t weist das Kriegsschiff einen Tiefgang von 5,6 m auf.
Der Antrieb erfolgt über ein COGAG-System, das aus insgesamt vier Gasturbinen besteht. Zwei dieser Turbinen leisten jeweils 10000 PS, die beiden anderen kommen auf jeweils 18500 PS. Zusammen erzeugen sie eine Gesamtleistung von 57000 PS, was etwa 41923 kW entspricht. Diese Kraft wird über zwei Wellen an die Schiffsschrauben übertragen. Damit erreicht die Fregatte eine Höchstgeschwindigkeit von 29 Knoten. (ca. 54 km/h). Fährt das Schiff mit einer sparsameren Geschwindigkeit von 16 Knoten, kann es eine Reichweite von rund 4.500 Seemeilen zurücklegen.
Altes Schiff – schwere Bewaffnung
Die Fregatte ist schwer bewaffnet und primär auf die U-Boot-Jagd sowie die Abwehr von Luft- und Seezielen ausgelegt. Am Bug befindet sich ein 100-mm-Geschütz vom Typ AK-100. Es bekämpft Flugzeuge, Überwasser- und Küstenziele auf bis zu 20 km Entfernung. Gesteuert wird das Geschütz durch ein modernes Computersystem. Dieses System kombiniert Radar und optische Zielerfassung für ein automatisches Feuer. Zur U-Boot-Jagd nutzt das Kriegsschiff einen Bordhubschrauber vom Typ Kamow Ka-27. Ergänzt wird dieser durch einen zwölfrohrigen Wasserbombenwerfer auf dem Oberdeck, der mit insgesamt 96 Geschossen ausgerüstet ist. Für den passiven Eigenschutz verfügt das Schiff über mehrere Täuschkörperwerfer. Acht Systeme vom Typ PK-10 und zwei vom Typ PK-16 werfen Radar-, Infrarot- und optische Täuschkörper ab, um anfliegende feindliche Raketen abzulenken.