Fahrerlose Autos 19.08.2022, 15:22 Uhr

Autonomes Fahren: Das bedeuten die fünf Stufen

Sich zurücklehnen, lesen, arbeiten, einen Film schauen, und das Auto fährt völlig selbstständig ans Ziel, so sieht autonomes Fahren aus. Aktuell erlaubt der Gesetzgeber das automatisierte Fahren Level 3: Das Auto darf bestimmte Aufgaben selbstständig übernehmen.

Fahrzeuge auf der Autobahn, die miteinander vernetzt sind

Vernetzte Technik macht autonomes Fahren möglich. Bis es in Deutschland so weit ist, wird es noch eine Weile dauern.

Foto: panthermedia.net/carloscastilla (YAYMicro)

Autonomes Fahren ist keine reine Zukunftsvision mehr. Denn moderne Autos können das schon in gewissem Rahmen. Allein der Tempomat ist ein zentrales Element dafür. Er macht es möglich, dass die ausgewählte Geschwindigkeit gehalten wird. Eine Vielzahl an Fahrzeugen verfügt bereits seit einigen Jahren über dieses Assistenzsystem. Kommt nun noch der automatische Abstandsregeltempomat dazu, bremst oder beschleunigt das Auto schon selbstständig. Sogar der Abstand zum vorausfahrenden Pkw oder Lkw lässt sich darüber einstellen. Ein weiterer Helfer ist der automatische Spurhalteassistent.

Der Sicherheitsaspekt spielt beim autonomen Fahren immer wieder eine Rolle. Zuletzt hatte ein schwerer Unfall, bei dem ein Mensch starb und neun schwer verletzt wurden, die Debatte wieder angeheizt: Die Polizei hatte zuerst vermeldet, dass ein autonomes Fahrzeug von BMW in den Unfall verwickelt gewesen sei; das wurde später revidiert. In dem Testfahrzeug waren Assistenzsysteme der Stufe 2 verbaut. Aber was bedeutet das eigentlich?

Das autonome Fahren nimmt im Lager Gestalt an

Insgesamt ist das autonome Fahren in fünf Stufen eingeteilt:

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  • Stufe 1: assistiertes Fahren
  • Stufe 2: teilautomatisiertes Fahren
  • Stufe 3: hochautomatisiertes Fahren (seit Juni 2021 erlaubt, die Betriebsgenehmigung erteilt das Kraftfahrt-Bundesamt, KBA)
  • Stufe 4: vollautomatisiertes Fahren (ist in Vorbereitung beim Gesetzgeber, es wird aber wohl noch einige Zeit dauern)
  • Stufe 5: autonomes Fahren.

In Stufen zum autonomen Fahren

Für Stufe 1, dem assistierten Fahren, gibt es folgende Vorgaben: Fahrerin oder Fahrer müssen das Fahrzeug zu jeder Zeit beherrschen und dabei den Verkehr ständig im Blick haben. Für Schäden oder Verkehrsverstöße wie zu schnelles Fahren ist die Fahrerin oder der Fahrer verantwortlich. Das Auto verfügt über einzelne Assistenzsysteme, die bei bestimmten Aufgaben während des Fahrens unterstützen.

Das teilautomatisierte Fahren wird als Stufe 2 bezeichnet. Auch hier gilt, Fahrerin und Fahrer müssen die Kontrolle über das Auto und den Verkehr im Blick behalten. Die Frage der Haftung ist ebenfalls identisch zu Stufe 1. Unterschied ist: Das Fahrzeug kann einige Aufgaben, wie die Spur halten, bremsen oder beschleunigen für eine gewisse Zeit selbst übernehmen. Der Mensch muss dabei nicht eingreifen. Deshalb ist es auch erlaubt, die Hände kurz vom Steuer zu nehmen, sobald der teilautomatisierte Modus aktiviert ist. Allerdings muss Fahrerin oder Fahrer die Assistenzsysteme ständig überwachen und mögliche Fehlfunktionen korrigieren.

Bei der Stufe 3 nähert man sich mit dem hochautomatisierten Fahren schon deutlich dem Ziel. Autos können Aufgaben selbstständig übernehmen, ohne dass ein Mensch eingreifen muss. Allerdings ist das zeitlich begrenzt, und Hersteller geben Bedingungen vor: Autos können abgestimmt auf die Verkehrssituation bremsen und beschleunigen. Fahrerin oder Fahrer dürfen den Blick sogar für längere Zeit vom Straßenverkehr abwenden, zum Beispiel um Zeitung zu lesen oder sich mit Passagieren auf der Rückbank zu unterhalten. Meldet das System allerdings ein Problem, muss man sofort wieder das Lenkrad übernehmen. Denkbar ist dies wohl zuerst auf Autobahnen.

Die letzten beiden Stufen zum autonomen Fahren

Stufe 4 beinhaltet das vollautomatisierte Fahren. Das bedeutet: Fahrerin oder Fahrer werden nun zum Passagier, da das Fahrzeug von den Systemen geführt wird. Das Auto darf sogar ganz selbstständig ohne Insassen fahren. Entsteht eine kritische Situation, erreicht das Fahrzeug regelkonform einen sicheren Zustand, indem es zum Beispiel einen Parkplatz ansteuert.

Autonomes Fahren ist ab Stufe 5 möglich. Dann fahren Autos völlig selbstständig, auch ohne Passagiere. Die Technik allein ist ausreichend, damit alle Situationen im Straßenverkehr sicher bewältigt werden können.

Wie funktioniert das autonome Fahren?

Damit autonomes Fahren funktioniert, braucht es vor allem eine zuverlässig funktionierende Technik. Es kommen hauptsächlich künstliche Intelligenz (KI), Machine Learning und neuronale Netze zum Einsatz. Bleibt als größte Herausforderung, Informationen in Echtzeit zu erzeugen, zu verarbeiten und adäquat darauf zu reagieren. Die Voraussetzungen im normalen Straßenverkehr sind schwierig. Hinzu kommen verschiedene Wetterbedingungen. Sensoren müssen also ganz verschiedene Szenarien präzise und zuverlässig meistern. Damit autonomes Fahren sicher möglich ist, braucht es ein umfassend abgesichertes intelligentes Softwaresystem.

Insgesamt erhofft man sich vom autonomen Fahren auch, dass mehr Menschen dann solche Fahrzeuge nutzen können, zum Beispiel ältere oder eingeschränkte Menschen. Gleiches gilt für die Unfallzahlen, die sich durch autonome Fahrzeuge deutlich reduzieren sollen. Auch ländliche Gebiete lassen sich besser erschließen, denn autonome Busse oder Taxis können künftig vermutlich zu günstigeren Preisen fahren.

Welches Auto kann autonom fahren?

Es gibt eine Vielzahl an Fahrzeugen, mit denen teilautomatisiertes Fahren nach Stufe 2 bereits seit einiger Zeit möglich ist. In den USA existieren bereits Teststrecken, auf denen Roboterautos als Taxis fahren. In Deutschland wird das noch einige Zeit dauern. Das liegt einerseits daran, dass hierzulande besondere Sicherheitsstandards gelten und andererseits die Automobilhersteller noch dabei sind, wichtige Daten zu sammeln und zu analysieren.

Hinzu kommt, dass die Herausforderung der enorm großen Rechenleistung noch nicht final gelöst ist. Die Systeme müssen dabei nicht nur verkehrssicher, sondern auch datensicher sein, damit sie gegen Cyberangriffe entsprechend geschützt sind.

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Ein Beitrag von:

  • Nina Draese

    Nina Draese hat unter anderem für die dpa gearbeitet, die Presseabteilung von BMW, für die Autozeitung und den MAV-Verlag. Sie ist selbstständige Journalistin und gehört zum Team von Content Qualitäten. Ihre Themen: Automobil, Energie, Klima, KI, Technik, Umwelt.

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