Pilotprojekt 27.09.2022, 09:09 Uhr

Audi testet physikalisches Recycling für Verbundstoffe

Nachhaltigkeit steht bei der Fahrzeugherstellung ganz oben auf der Wunschliste. Das Problem sind hier unter anderem die unterschiedlichen Kunststoffmaterialien. Eine neue Recycling-Methode soll die Lösung bringen. Audi hat sie zusammen mit Fraunhofer-Forschenden entwickelt.

Audi E-Tron

Im Audi Q4 e-tron sind bereits recycelte Kunststoff-Materialien eingebaut.

Foto: Audi AG

Energie sparen, Ressourcen schonen, die CO2-Bilanz verbessern und gleichzeitig die Nachfrage nach umweltfreundlichen Autos besser befriedigen – das vollständige Recycling von Fahrzeugen ist ein wichtiges Ziel, das Audi in möglichst nicht allzu ferner Zukunft erreichen möchte. Es gibt zwar noch ein paar Hürden, aber wahrscheinlich ist der Autobauer gerade dabei, eine davon aus dem Weg zu räumen. Denn physikalisches Recycling soll die bisherigen Methoden zur Wiederverwertung von Autoteilen ergänzen. Audi testet das Konzept gemeinsam mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern vom Fraunhofer Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung IVV.

Audi führt ergänzt chemisches und mechanisches Recycling um ein physikalisches Verfahren

In einem Auto sind viele verschiedene Kunststofftypen verbaut, die sich in ihren Eigenschaften unterscheiden – insgesamt sind nach Angaben von Audi mehr als 200 Kilogramm Plastik verbaut. Dazu gehören unter anderem die Stoßfänger, Kühlerschutzgitter sowie verschiedene Elemente im Innenraum. Selbst für den Antrieb wird Kunststoff benötigt. Nicht nur die Einsatzgebiete sind sehr verschieden, auch beim Thema Recycling müssen die Kunststoff-Teile jeweils anders behandelt werden. Audi hat dafür bislang mechanisches und chemisches Recycling eingesetzt. Das physikalische Recycling soll nun hinzukommen.

Recycling bei Audi: Aus altem Glas werden neue Scheiben

Der Klassiker ist das mechanische Recycling. Dafür ist es nötig, die Kunststoffteile mechanisch zu zerkleinern und von anderen Stoffen zu trennen. Anschließend werden sie zu Kunststoffgranulat weiterverarbeitet. Das gelingt kaum, wenn mehrere Kunststoffe als Verbund-Material vorliegen und eventuell andere Komponenten wie spezielle Kleber, Lacke und Füllstoffe hinzukommen. Für solche Fälle hat Audi unter anderem mit Forschenden vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und weiteren Partnern aus der Industrie eine Methode fürs chemische Recycling entwickelt. Vereinfacht gesagt, werden dabei Kunststoffabfälle zu Pyrolyseöl verarbeitet. Das Pyrolyseöl kann Erdöl als Rohstoff für die Produktion von hochwertigen Kunststoffen ersetzen. Daraus können Expertinnen und Experten nach Aussage des Autobauers Bauteile fertigen, deren Qualität mit Neuware vergleichbar sei.

Top Stellenangebote

Zur Jobbörse
Lürssen Werft Rendsburg GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Objektingenieur (m/w/d) / Leitender Fertigungsingenieur Lürssen Werft Rendsburg GmbH & Co. KG
Schacht-Audorf Zum Job 
TITAN Umreifungstechnik GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Elektrokonstrukteur (m/w/d) TITAN Umreifungstechnik GmbH & Co. KG
Schwelm Zum Job 
Schmoll Maschinen GmbH-Firmenlogo
Konstruktionsingenieur / Maschinenbautechniker (m/w/d) Schwerpunkt Maschinen- & Anlagenbau Schmoll Maschinen GmbH
Rödermark Zum Job 
GVE Grundstücksverwaltung Stadt Essen GmbH-Firmenlogo
Projektleiter (m/w/d) Städtische Hochbauprojekte GVE Grundstücksverwaltung Stadt Essen GmbH
Landkreis Grafschaft Bentheim-Firmenlogo
Bauingenieur*in der Fachrichtung Straßenbau / Verkehrswesen / Straßenplanung oder vergleichbar Landkreis Grafschaft Bentheim
Nordhorn Zum Job 
Hochschule Kaiserslautern-Firmenlogo
W2-Professur Kommunikation und Moderation (50%) (m/w/d) Hochschule Kaiserslautern
Kaiserslautern Zum Job 
Hochschule Kaiserslautern-Firmenlogo
W2-Professur Technische Mechanik und Systemsimulation (m/w/d) Hochschule Kaiserslautern
Kaiserslautern Zum Job 
Hochschule Kaiserslautern-Firmenlogo
W2-Professur Zellulare Energiesysteme (m/w/d) Hochschule Kaiserslautern
Kaiserslautern Zum Job 
Hochschule Kaiserslautern-Firmenlogo
W2-Professur Integrierte Sensorsysteme (m/w/d) Hochschule Kaiserslautern
Kaiserslautern Zum Job 
Hochschule Kaiserslautern-Firmenlogo
Professur Automatisierungstechnik Hochschule Kaiserslautern
Kaiserslautern Zum Job 
Stadt Neumünster-Firmenlogo
Ingenieur*in in der Fachrichtung Architektur Stadt Neumünster
Neumünster Zum Job 
Stadtreinigung Hamburg-Firmenlogo
Ingenieur (all genders) Hochbau Stadtreinigung Hamburg
Hamburg Zum Job 
Thüringer Landgesellschaft mbH-Firmenlogo
Sachbearbeiter Bereich Wasserwirtschaft (m/w/d) Thüringer Landgesellschaft mbH
Erfurt-Mittelhausen Zum Job 
WipflerPLAN Planungsgesellschaft mbH-Firmenlogo
Projektingenieur / Planungsingenieur (m/w/d) für Siedlungswasserwirtschaft WipflerPLAN Planungsgesellschaft mbH
Donauwörth, München-Ost (Grasbrunn), München-West (Planegg), Pfaffenhofen an der Ilm Zum Job 
TenneT-Firmenlogo
HSE Manager Baustellen & Infrastrukturprojekte (m/w/d) TenneT
Stadtreinigung Hamburg-Firmenlogo
Ingenieur (all genders) Tiefbau Stadtreinigung Hamburg
Hamburg Zum Job 
VDZ Service GmbH-Firmenlogo
Auditor (m/w/d) für die Validierung von Umweltmerkmalen und für die Produktzertifizierung VDZ Service GmbH
Düsseldorf Zum Job 
Thüringer Landgesellschaft mbH-Firmenlogo
Bauingenieur (m/w/d) Thüringer Landgesellschaft mbH
Thüringer Landgesellschaft mbH-Firmenlogo
Projektingenieur Wasserbau (m/w/d) Thüringer Landgesellschaft mbH
Erfurt, Meiningen, Neustadt an der Orla, Sondershausen Zum Job 
Handtmann Reutlingen GmbH-Firmenlogo
Elektrokonstrukteur / Electrical Design Engineer (m/w/d) EPLAN P8 Handtmann Reutlingen GmbH
Reutlingen Zum Job 

Polymerketten des Kunststoffs werden beim Recycling nicht zerstört

Das neue physikalische Recycling soll weitere Vorteile bringen. Der Kunststoff wird bei dieser Methode der Wiederaufbereitung keinen chemischen Prozessen ausgesetzt, sondern durch Lösemittel aufgelöst. Das ist ein entscheidender Unterschied, weil die Polymerketten erhalten bleiben. „Als Lösemittel werden ausschließlich Stoffe eingesetzt, die absolut ungefährlich sind“, sagt Martin Schlummer vom Fraunhofer IVV. „Andere Feststoffe, die für das neue Endprodukt störend sein könnten, werden abgetrennt.“ Substanzen, die sich dabei ebenfalls auflösen, wie etwa Flammschutzmittel können im Laufe des Prozesses vom Kunststoff abgetrennt werden. Im nächsten Schritt verdampfen die Lösemittel und werden dabei aufgefangen, um im Wertstoff-Kreislauf zu verbleiben. Der Kunststoff wiederum trocknet – das Granulat kann zu neuen Teilen verarbeitet werden.

Ein weiterer Vorteil des physikalischen Recyclings: Die Kunststoffe dürfen stärker verschmutzt sein, als es bei anderen Verfahren der Fall ist. Beim Vorsortieren der Teile aus dem Altfahrzeug werden daher ebenfalls Ressourcen eingespart.

Durchstoß des Kunststoffs
Qualitätstest sind ein wichtiger Faktor beim neuen Recycling-Verfahren.

Foto: Audi AG

Kunststoff-Test
Die Experten prüfen, wie der Kunststoff den Test überstanden hat.

Foto: Audi AG

Kunststoffteile
Der Text hat gezeigt, wie viel Druck der recycelte Kunststoff aushalten kann.

Foto: Audi AG

Die Beteiligten haben bereits gezeigt, dass dieser Ansatz funktioniert. Jetzt geht es darum, die Machbarkeit abzusichern und das Verfahren nach oben zu skalieren. Weitere Tests finden mit komplexen Bauteilen statt, etwa einem Sitzhöhenversteller werden, der hohe Ansprüche an Emissionen und Geruch erfüllen muss.

Audi will den Anteil an Recycling-Materialien in den Fahrzeugen erhöhen

Für Audi ist das Material-Recycling eine wichtige Komponente auf dem Weg zu einem klimaneutralen Unternehmen. Wenn sie fester Bestandteil der Fahrzeugproduktion werden sollen, müssen sie aber die gleichen Qualitätskriterien erfüllen wie neu produzierte Kunststoff-Elemente. Dabei geht es unter anderem um Crash-Sicherheit, Hitzebeständigkeit, Medienbeständigkeit zum Beispiel gegen organische Lösungsmittel, Öl oder Hydraulikflüssigkeiten. Dazu kommen Formstabilität und Qualität, Haptik, Optik und Geruch, und das alles über die gesamte Lebensdauer eines Autos hinweg.

Faktisch ist der Rezyklatanteil in den Fahrzeugen daher bislang begrenzt. Beispielsweise in einem Audi Q4 e-tron sind bis zu 27 Bauteile mit Rezyklatanteil verbaut. Diesen Anteil will das Unternehmen in den kommenden Jahren deutlich steigern.

Weitere Beiträge zum Thema Recycling:

Ein Beitrag von:

  • Nicole Lücke

    Nicole Lücke macht Wissenschaftsjournalismus für Forschungszentren und Hochschulen, berichtet von medizinischen Fachkongressen und betreut Kundenmagazine für Energieversorger. Sie ist Gesellschafterin von Content Qualitäten. Ihre Themen: Energie, Technik, Nachhaltigkeit, Medizin/Medizintechnik.

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.