Umweltschutz in der Schifffahrt 23.08.2018, 09:25 Uhr

Auch neuestes Kreuzfahrtschiff mit Erdgasantrieb kann nicht ohne Diesel

Kreuzfahrtschiffe sind Umweltsünder – und von dieser Regel gibt es momentan nur wenige Ausnahmen. Eines der Schiff mit Vorzeigecharakter hat eben die deutsche Meyer Werft in Papenburg verlassen.

Die Aida Nova auf See.

Die Aida Nova auf See.

Foto: AIDA Cruises

Doch während es sich die Passagiere gut gehen lassen auf Deck, schlagen Umweltaktivisten die Hände über dem Kopf zusammen. Denn Kreuzfahrtschiffe fahren noch immer nahezu ausnahmslos mit giftigem Schweröl, sie gelten als Umweltsünder erster Güte. Der Naturschutzbund (Nabu) hat nun 76 Schiffe untersucht und festgestellt, dass nur eines die Umwelt etwas entlaste. Es fährt mit flüssigem Erdgas und hat diese Woche die Werft in Papenburg verlassen.

Die „Aida Nova“ benötigt nach wie vor Diesel

Als erstes Kreuzfahrtschiff überhaupt kann die Aida Nova der Rostocker Reederei Aida Cruises vollständig mit flüssigem Erdgas (LNG) betrieben werden. Der Verein Zukunft Erdgas feierte das Schiff als „Sxymbol für mehr Umweltschuitz im Seeverkehr“ und „Vorreiter einer ganzen Branche“. Das waren die Worte des Vereinsvorstands Timm Kehler bei der Auslieferung des Riesen, der diese Woche die Dockhalle der Meyer Werft in Papenburg verlassen hat.

Doch auch wenn Erdgas als sauberster fossiler Brennstoff gilt, als umweltfreundlich kann man das Schiff wohl nicht bezeichnen. Immerhin ist es ein Hybrid, das neben LNG auch Marine-Diesel nutzt. Der Diesel wird stets an Bord mitgeführt –als Reserve bei einem Ausfall des LNG-Systems und zum Starten der vier Motoren. Erdgas ist aber immerhin weniger schädlich als Schweröl, selbst wenn es nicht aus erneuerbaren Rohstoffen, sondern mittels Fracking aus amerikanischem Boden kommt. Damit zeigt die Reederei Aida Cruises, wohin es in Zukunft gehen wird. Ein Drittel der beauftragten Kreuzfahrtschiff-Neubauten werden mit LNG-Technologie ausgerüstet. Das bestätigten die Werften gegenüber dem Nabu.

Nabu-Bundeschef Leif Miller sieht weitere positive Entwicklungen in der Branche. Denn einige Reedereien verstünden sich immerhin auf Luftreinhaltung. Die deutschen Betreiber Tui Cruises und Hapag-Lloyd beispielsweise nutzen für ihre neuesten Schiffe Rußpartikelfilter, Stickoxid-Katalysatoren und Landstrom-Anlagen, die die Schiffe während der Liegezeiten in Häfen mit Energie versorgen.

Internationaler Gegenwind für Schweröl-Schiffe

Und es könnten mehr werden. Denn die Reedereien bekommen immer mehr Gegenwind. Die italienische Lagunenstadt Venedig sperrt seine Altstadt für die großen Dampfer – so zumindest gab es Bürgermeister Luigi Brugnaro Ende 2017 bekannt. Ab 2019 sollen alle großen Kreuzfahrtschiffe logistisch mit Containerschiffen und Öltanker gleichgesetzt werden. Sie dürfen dann nicht mehr durch den Kanal von Giudecca fahren – ein Sieg für Umwelt- und Kulturschütze, die das schon lange fordern. Für diese Umstellung müsste Venedig aber tief in die Tasche greifen – immerhin muss ein ganz neuer Hafen im Industriegebiet Marghera gebaut werden und das kann noch einige Jahre dauern.

Sich Venedig zum Vorbild zu machen, das hat sich der Nabu wohl auf die Fahne geschrieben und verlangt auch für den Hamburger Hafen ein Einfahrtverbot für reine Schweröl-Schiffe ab 2020. Immerhin komme 40% der Stickoxid-Belastung in Hamburg von Schiffen, so Malte Siegert, Leiter Umweltpolitik beim Nabu der Hansestadt. Kehler von Zukunft Erdgas setzt den Fokus etwas anders: 3% der CO2-, 15% der Stickoxid- und 13% der Schwefeldioxidemissionen entfallen in einer globalen Betrachtung auf die Schifffahrt.

2016 gab die Caribbean-Reederei bereits erste Kreuzfahrtschiffe mit Brennstoffzelle in Auftrag. Wir berichteten.

2015 baute die Meyer Werft zwei Kreuzfahrtschiffe mit LNG-Antrieb für Costa Crociere.

Zu den größten Kreuzfahrtschiffen

Wie die Landstromanlage für Kreuzfahrschiffe im Hamburger Hafen funktioniert, zeigt dieses Video:

Von Lisa Schneider Tags:

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