Gas

erdgas gas kochen

Foto: panthermedia.net/ArtemSam

Erdgas gilt als wichtiger Bestandteil der Energiewende, da durch die Verbrennung weniger Kohlendioxid und Feinstaub entstehen. Doch wie sehen die Umweltauswirkungen im Detail aus, wo liegen die Vor- und Nachteile von Gas und wie läuft die Gewinnung ab? Hier geben wir Antworten auf diese und weitere Fragen.

Wie setzt sich Erdgas zusammen?

Da es sich bei Erdgas um ein Naturprodukt handelt, ist eine hundertprozentig einheitliche Zusammensetzung nicht gegeben, da der Anteil der verschiedenen Inhaltsstoffe schwankt und unter anderem davon abhängig ist, wo das Erdgas gefunden wurde. In den meisten Fällen stellt Methan den größten prozentualen Anteil (75 – 99 %) am Erdgas dar. Hinzu kommen brennbare Kohlewasserstoffverbindungen sowie Stickstoff und Kohlendioxid. Der recht hohe Anteil von Methan bildet die Grundlage für einen umwelttechnischen Vorteil von Erdgas, da bei einer Verbrennung nur wenig Kohlendioxid entsteht. Daneben hat die Nutzung von Erdgas im Vergleich mit anderen Energieträgern noch weitere Vor- und Nachteile.

Die Vor- und Nachteile von Erdgas

Die Frage ist also: Was spricht für und gegen Erdgas beim Heizen? Tatsächlich hat Erdgas eine ganze Reihe von Vorteilen. So ist kein Raum für die Aufbewahrung nötig, was eine entsprechende Heizung beim Einbau insgesamt günstiger macht. Außerdem verbrennt Erdgas, ohne Ruß und Staub zu erzeugen und durch den geringeren Ausstoß von Kohlenstoffdioxid ist man beim Heizen umweltfreundlicher unterwegs als bei der Verwendung von Erdöl. Eine eventuelle CO2-Steuer müsste diesen Umstand berücksichtigen. Die derzeitige steuerliche Situation bevorteilt das Heizöl noch. Und auch die Preise sind geringer als beim Öl. Das wird vor allem durch einen starken Wettbewerb am Markt erreicht. Allerdings gibt es auch Dinge, die bei Erdgas und Öl gleich problematisch sind. So sind beide Rohstoffe fossil, sie werden also eines Tages aufgebraucht sein. Außerdem ist die Verfügbarkeit von Erdgas von anderen Ländern abhängig. Die politische Situation wirkt sich entsprechend unmittelbar auf Preis und Verfügbarkeit aus. Und auch im eigenen Haus gibt es Probleme. Zwar ist kein Lagerraum erforderlich, Zuleitungen müssen allerdings zwingend von einem Experten gelegt werden. Und trotz moderner Sicherheitseinrichtungen ist Erdgas hochexplosiv und kann unter bestimmten Umständen gefährlich sein. Gleiches gilt für die Erdgasförderung, die oft risikoreich ist.

Wie wird Erdgas gefördert

Grundsätzlich kann man bei Erdgaslagerstätten zwischen konventionellen und unkonventionellen Lagerstätten unterscheiden, was sich auch auf die Art der Förderung auswirkt. Die Differenzierung erfolgt anhand der Gesteins-Durchlässigkeit, wodurch sich Folgendes ergibt: konventionelle Lagerstätten sind solche, wo das Gas selbstständig durch poröses Gestein dringen kann, während das Gas bei unkonventionellen Vorkommen in Gestein gebunden ist. Hier muss mithilfe von hydraulischem Druck und Chemikalien nachgeholfen werden, was auch als Fracking bezeichnet wird.

Die Gewinnung von konventionellem Erdgas

Um ein geeignetes Gebiet finden zu können, sind reflexionsseismische Messungen und Erkundungsbohrungen erforderlich. Damit werden vor allem solche Bereiche gesucht, die eine hohe Gaskonzentration auf möglichst kleinem Raum aufweisen, da hierdurch die Gewinnung erleichtert wird. Anschließend wird ein Loch mit einer Tiefe von bis zu 10 Kilometer gebohrt, welches zum tiefsten Punkt der Lagerstätte reicht. Darin wird anschließend ein Steigrohr platziert und fixiert. Durch die Öffnung des Rohrs steigt das vorhandene Gas ohne viel Aufwand von selbst auf. Dem gewonnenen Gas werden unerwünschte Stoffe entzogen, um es anschließend durch die Gasanbieter ins Netz einspeisen zu können. Für Sicherheit ist bei der Gewinnung übrigens durch die Verwendung eines Ventils gesorgt, welches das unkontrollierte Ausströmen von Gas verhindert. Als weiteres Risiko können bei Bohrungen Erdbeben entstehen, die von Verschiebungen im Gestein herrühren. Vor allem Bereiche mit großer Fördermenge und Frequenz scheinen davon betroffen zu sein.

Die Gewinnung von unkonventionellem Erdgas

Wie bereits erwähnt unterscheidet sich die Gewinnung von Gas aus unkonventionellen Lagerstätten signifikant von jener aus konventionellen. Das Gas ist hierbei in Gestein (beispielsweise in Schiefer) gebunden und kann ohne Unterstützung nicht entweichen. Hier kommt Fracking (Hydraulic Fracturing) zum Einsatz. Dabei werden Wasser, Stützmittel und weitere Zusatzstoffe unter hohem Druck in das entsprechende Gestein gepumpt. Dieses bildet unter dem hohen Druck Risse, die durch Stützmittel offen gehalten werden, damit das gebundene Gas entweichen kann, um genutzt zu werden. Diese Methode ist allerdings weltweit umstritten. So können die beigefügten Chemikalien durch die Bohrtiefe ins Grundwasser gelangen und dieses verunreinigen. Außerdem steht die Befürchtung im Raum, dass sich das Gas auch in umliegendes Gestein ausbreiten könnte. Genaue Folgen abzuschätzen, ist aufgrund der Geheimhaltung chemischer Inhaltsstoffe durch Hersteller allerdings kompliziert.

Erdgas in Deutschland

Auch in Deutschland wird Erdgas gefördert, wobei sich der Großteil dieser Bemühungen, 96,7 % auf die Region Niedersachsen konzentriert dahinter liegen Sachsen-Anhalt mit 1,6 % und Schleswig-Holstein mit 1,4 %. Seit den 60er Jahren kommt bei der Förderung auch in Deutschland Fracking zum Einsatz. Strenge Regularien zum Umweltschutz sollen dabei Risiken minimieren. Ein Verbot von Fracking in Deutschland ist allerdings gescheitert. Was hier an Gas gewonnen wird, findet zum Großteil auch auf dem deutschen Markt Verwendung und stellt dort den zweitwichtigsten Energieträger nach Mineralöl dar. Es dient bei Privathaushalten fast ausschließlich (rund 90 %) zum Heizen. Und bei den Haushalten kommt das Gas durch ein aufwendiges Verteilungsnetz mit einer Länge von mehr als 500.000 Kilometer zuverlässig an. Und um die Versorgung sicherzustellen, wird neben dem selbst gewonnenen Gas natürlich auch auf Importe zurückgegriffen, die dem BMWi zufolge hauptsächlich aus Norwegen (31 %), den Niederlanden (22 %) und sonstigen (41 %) Ländern kommen. Die Eigengewinnung deckt hingegen nur 6 % ab und war 2008 rückläufig. Diese Importe stellen den größten Anteil des Gaspreises, der sich für Privathaushalte wie folgt zusammensetzt.

Die Zusammensetzung der Gaspreise

Wer eine Gasheizung betreibt, wird sich sicher gefragt haben, wie sich die Gaspreise zusammensetzen. Eine Information nebenbei: eine Kopplung an die Ölpreise ist nicht mehr gegeben. Rund die Hälfte der Kosten entsteht durch die Beschaffung des Gases (beispielsweise Importe). Ein Viertel des Preises geht auf die Steuern zurück und ein weiteres Viertel bestimmen Kosten für die Netznutzung (hier enthalten sind auch Fördergelder für den Anschluss von Biogasanlagen). Messungen, der Betrieb von Messstellen und Konzessionsangaben machen jeweils 1,5 % bzw. 1,3 % des Gaspreises aus. Die Zahlen stammen aus dem Monitoringbericht der Bundesnetzagentur aus dem Jahr 2018.

Das könnte sie auch interessieren