Windkraft diente der Geldwäsche 20.11.2013, 14:30 Uhr

Groß-Razzia gegen die Mafia führte auch zu HSH Nordbank und Enercon

Der Windpark Capo Rizzuto im Süden Italiens diente offenbar einem Mafia-Klan zur Geldwäsche. Gelder flossen vermutlich auch aus Deutschland: Gestern durchsuchte die Polizei deshalb in sechs Bundesländern Wohnungen und Geschäftsräume. Ermittelt wird unter anderem bei der HSH Nordbank und bei Deutschlands größtem Windanlagenhersteller Enercon. 

Ein Polizist geht am 19. November 2013 in Hamburg in ein Gebäude der HSH Nordbank. Die Geschäftsräume der Bank wurden wegen des Verdachts der Geldwäsche durchsucht. 

Ein Polizist geht am 19. November 2013 in Hamburg in ein Gebäude der HSH Nordbank. Die Geschäftsräume der Bank wurden wegen des Verdachts der Geldwäsche durchsucht. 

Foto: dpa/Angelika Warmuth

Etwa 200 Beamte durchsuchten bei einer Razzia 20 Objekte, die in Verbindung zu den drei Hauptverdächtigen stehen könnten. Die Beschuldigten sollen über ihre Firmen im In- und Ausland Gelder aus den kriminellen Geschäften der Mafia-Organisation ‚Ndrangheta in den legalen Wirtschaftskreislauf eingeschleust haben. Außerdem sollen sie für diese Organisation Anteile an dem Windpark übernommen haben. 

Die Ermittlungen gegen die Geschäftsleute laufen bereits seit Februar. Sie werden vom Bundeskriminalamt und dem Landeskriminalamt Niedersachsen geführt. Verdacht der Geldwäsche und Unterstützung einer ausländischen kriminellen Vereinigung lauten die Vorwürfe. Federführend ist bei den Untersuchungen die Staatsanwaltschaft Osnabrück. „Die Beschuldigten stehen im Verdacht, mittels ihrer Firmen in Deutschland, Italien, San Marino und der Schweiz inkriminierte Gelder einer ‚Ndrangheta-Gruppierung gewaschen zu haben. Außerdem sollen sie Gesellschaftsanteile an der Betreibergesellschaft eines Windparks für diese kriminelle Vereinigung übernommen haben, um so deren Beteiligung zu verschleiern“, sagt der Osnabrücker Oberstaatsanwalt Alexander Retemeyer.

HSH finanzierte italienischen Windpark

Beweise sicherten die Ermittler jetzt auch bei der angeschlagenen HSH Nordbank. Sie finanzierte den Windpark mit 225 Millionen Euro zu 100 Prozent. Gegen die Bank selbst oder ihre Mitarbeiter wird aber nicht ermittelt. Es geht dabei um Beweise  gegen Dritte. Das gleiche gilt für den Windanlagenhersteller Enercon. Deutschlands Marktführer lieferte die 48 Windräder (Enercon E70/2000) für den Windpark Capu Rizzuto. Sie können jährlich Strom im Wert von 30 Millionen Euro erzeugen. Inzwischen wurde der Windpark von der zuständigen süditalienischen Staatsanwaltschaft beschlagnahmt und stillgelegt. Enercon will mit den Ermittlern zusamen arbeiten: Seitens der Enercon GmbH wurde die uneingeschränkte Bereitschaft zugesichert, mit den Ermittlungsbehörden bei der Aufklärung des Sachverhalts zu kooperieren“, teilte das Unternehmen mit.

Die italienische Staatsanwaltschaft geht schon länger dem Verdacht nach, der Windpark in Kalabrien habe dazu gedient, schmutziges Geld des ‚Ndrangheta-Klans zu waschen, der in der Region das Sagen habe. ‚Ndrangheta ist eine der vier großen italienischen Mafia-Organisationen. Sie operiert vom süditalienischen Kalabrien aus.

Die Antimafia-Staatsanwaltschaft in Rom hatte bereits vor zwei Jahren ein Rechtshilfeersuchen nach Kiel geschickt. Die dortige Staatsanwaltschaft leitete darauf hin zwei Aktenordner mit Vertragsunterlagen weiter, die sie von der HSH Nordbank erbeten hatte. Ansonsten unternahm sie nichts. Ins Rollen gekommen sind die Ermittlungen in Deutschland erst durch die Anzeige eines niedersächsischen Finanzamtes bei der Staatsanwaltschaft Osnabrück. Diese habe das Bundeskriminalamt eingeschaltet. 

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