Europäischer Erfinderpreis 2026 12.05.2026, 12:30 Uhr

Wasserkraft ohne Staudamm: Modulare Turbinen machen Kanäle zu Kraftwerken

Ein modulares Turbinensystem wandelt die Strömung bestehender Kanäle in Strom um und eröffnet neue Potenziale für dezentrale, nachhaltige Wasserkraft.

Erfinderduo Emily Morris und Thorsten Stoesser

Deutsch-amerikanisches Erfinderduo Emily Morris und Thorsten Stoesser entwickelt ein modulares Turbinensystem, das bestehende Kanäle und Wasserinfrastruktur ohne Neubauten in nachhaltige Kraftwerke zur Stromerzeugung umwandelt.

Foto: Europäisches Patentamt

Das Europäische Patentamt (EPA) hat die zwölf Finalistinnen und Finalisten des Europäischen Erfinderpreises 2026 bekannt gegeben. Ausgezeichnet werden Innovationen, die Lösungen für zentrale globale Herausforderungen in Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft bieten.

Die diesjährigen Nominierten entwickeln Technologien in wichtigen Zukunftsbereichen wie Biotechnologie, Gesundheitswesen, erneuerbare Energien, Halbleitertechnologie, digitale Technologien, Lebensmitteltechnologie, Quantentechnologie, Schienenverkehr und moderne Fertigung.

Die Finalistinnen und Finalisten wurden von einer unabhängigen internationalen Jury ausgewählt und repräsentieren unterschiedliche Länder und Technologiefelder. Ihre Erfindungen zeigen, wie Innovationen zu einer nachhaltigeren Gesellschaft, besseren Gesundheitssystemen und einer stabileren Wirtschaft beitragen können.

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Deutsch-amerikanisches Erfinderduo als Finalist 2026

Ein deutsch-amerikanisches Erfinderteam wurde als Finalist für den Europäischen Erfinderpreis 2026 benannt. Emily Morris und Professor Thorsten Stoesser haben eine dezentrale Wasserkraftlösung entwickelt, bei der die Energie des fließenden Wassers durch in bestehenden Kanälen und Wasserwegen installierte Turbinen in elektrische Energie umgewandelt wird. Die beiden Forschenden haben eine modulare Wasserkrafttechnologie entwickelt, die darauf ausgelegt ist, die kinetische Energie von Wasserströmen effizient in elektrischen Strom umzuwandeln. Damit eröffnen sie neue Möglichkeiten für eine dezentrale, nachhaltige Energieversorgung.

Wasserkraft gilt weltweit als größte Quelle erneuerbarer Energie. Nach Angaben der Internationalen Energieagentur erzeugt sie nahezu so viel Strom wie alle anderen erneuerbaren Energieträger zusammen. Trotz dieser Bedeutung bleibt ein erhebliches Potenzial bislang ungenutzt, insbesondere in kleineren oder infrastrukturell bereits bestehenden Wasserläufen, in denen klassische Großanlagen wirtschaftlich oft nicht realisierbar sind.

Mehr zur Erfindung

Modulare Wasserkraftturbine nutzt bestehende Wasserinfrastruktur

Im Zentrum der nominierten Entwicklung steht eine modulare Wasserkraftturbine, die ohne große bauliche Eingriffe auskommt. Statt neue Staudämme oder komplexe Großanlagen zu errichten, nutzt das System bestehende Wasserwege wie Kanäle oder Abflussstrukturen.

Dadurch kann vorhandene Infrastruktur direkt zur Stromerzeugung eingesetzt werden. Die Technologie ermöglicht es, Energie dort zu gewinnen, wo Wasser ohnehin bereits fließt – ein Ansatz, der insbesondere für urbane und landwirtschaftlich genutzte Kanalsysteme interessant ist.

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Dezentrale Energiegewinnung durch hydrokinetische Systeme

Die modulare Bauweise erlaubt eine flexible Skalierung: einzelne Turbineneinheiten können schrittweise entlang von Wasserkanälen installiert werden. So entsteht ein dezentrales Energiesystem, das sich an bestehende Gegebenheiten anpasst.

Die Lösung trägt dazu bei, erneuerbare Energien stärker in bestehende Versorgungsstrukturen zu integrieren und kann als Ergänzung zu Solar- und Windenergie eingesetzt werden. Ziel ist eine stabilere und nachhaltigere Energieversorgung durch kombinierte erneuerbare Systeme.

Ursprung der Technologie und persönliche Entwicklung der Erfinder

Die Grundlagen der Technologie reichen bis ins Jahr 2008 zurück. Thorsten Stoesser, damals Assistant Professor am Georgia Institute of Technology, begann mit ersten Experimenten zur hydrokinetischen Energiegewinnung in einer Wasserrinne. Auslöser war eine Anfrage der Girl Scouts of Georgia, die nach einer Möglichkeit suchten, Strom aus Gezeitenströmungen für ein Lager zu erzeugen.

Parallel dazu arbeitete Emily Morris bei AMT, Inc. an Antriebstechnologien für die Schifffahrt. Nachdem sich ihr ursprüngliches Projekt veränderte, erkannte sie das Potenzial, ähnliche ingenieurwissenschaftliche Konzepte auf die Energiegewinnung aus flachen und langsam fließenden Gewässern zu übertragen.

Stoesser berichtete, dass aus einer einfachen Versuchsanordnung in einer Wasserrinne eine Forschungsrichtung entstand, die später zur praktischen Anwendung im realen Infrastrukturmaßstab führte. Morris ergänzte in einem früheren Interview, dass sie als Frau in der Energiebranche häufig die einzige weibliche Fachkraft im Raum gewesen sei, dies jedoch als Vorteil genutzt habe, da unterschiedliche Perspektiven häufig zu innovativeren Lösungsansätzen führten.

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Von der Forschung zur Anwendung im großen Maßstab

Die Zusammenarbeit der beiden Forscher entwickelte sich über mehrere Jahre und führte schließlich zur Gründung eines Unternehmens und zur Weiterentwicklung der sogenannten Hydro-Transition-Technologie. Ein wichtiger Meilenstein war die Kooperation mit der Stadt Atlanta, in deren Rahmen das System erstmals im realen Maßstab getestet wurde.

Später ermöglichte eine Partnerschaft mit Versorgungsunternehmen in den USA den Zugang zu rund 19.000 Kilometern Kanalinfrastruktur, die potenziell für die Energiegewinnung genutzt werden kann. Damit wurde aus einem Forschungsprojekt eine skalierbare Infrastrukturtechnologie.

Bedeutung für die globale Energiezukunft

Die Entwicklung von Morris und Stoesser zeigt, wie bestehende Infrastrukturen für die Energiewende genutzt werden können, ohne neue großflächige Eingriffe in die Umwelt vorzunehmen. Besonders die Kombination aus Modularität, Skalierbarkeit und Nutzung vorhandener Wasserwege macht das System für verschiedene Regionen weltweit interessant.

Internationale Finalisten des Europäischen Erfinderpreises 2026

Zwölf Teams sowie einzelne Erfinderinnen und Erfinder aus Europa, Asien und Amerika wurden für den Europäischen Erfinderpreis 2026 als Finalisten nominiert. Die Auswahl erfolgte durch eine unabhängige Jury in den vier Kategorien Industrie, Nicht-EPO-Länder, Forschung und KMU (kleine und mittlere Unternehmen). Damit vereint der Wettbewerb ein breites Spektrum internationaler Innovationsleistungen aus unterschiedlichen Technologiebereichen.

Die eingereichten Erfindungen adressieren zentrale Herausforderungen verschiedener Branchen und Länder. Im Fokus stehen dabei unter anderem nachhaltige Technologien, industrielle Innovationen, Fortschritte in der Medizintechnik sowie digitale und energiebezogene Lösungen.
Die Gewinnerinnen und Gewinner werden vom Europäischen Patentamt (EPA) im Rahmen der offiziellen Preisverleihung am 2. Juli 2026 in Berlin bekannt gegeben.

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Ein Beitrag von:

  • Alexandra Ilina

    Alexandra Ilina ist Diplom-Journalistin (TU-Dortmund) und Diplom-Übersetzerin (SHU Smolensk) mit mehr als 20 Jahren Berufserfahrung im Journalismus, in der Kommunikation und im digitalen Content-Management. Sie schreibt über Karriere und Technik.

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