Messung der Hirnströme 04.08.2016, 14:15 Uhr

Erstmals gemessen: Fregattvögel schlafen während des Flugs

Erstmals konnten Forscher beweisen: Fregattvögel schlafen während des Langzeitflugs ein. Ihnen sackt sogar der Kopf weg. Warum die Tiere nicht abstürzen? Das lesen Sie hier. 

Dieser Fregattvogel ist mit einem Sensorsystem ausgestattet. Die Messungen zeigen: Die Vögel schlafen während langer Flugstrecken durchschnittlich 42 Minuten pro Tag. 

Dieser Fregattvogel ist mit einem Sensorsystem ausgestattet. Die Messungen zeigen: Die Vögel schlafen während langer Flugstrecken durchschnittlich 42 Minuten pro Tag. 

Foto: Bryson Voirin/MPG

Kennen Sie Fregattvögel? Die Tiere haben eine Flügelspannweite von über zwei Metern, leben auf den Galapagos-Inseln und jagen über dem Ozean fliegende Fische. Während der Jagd sind sie oft zehn Tage am Stück in der Luft und legen bis zu 3000 km zurück. Halten die Vögel das ganz ohne Schlaf aus? Das wollten Forscher des Max-Planck-Instituts für Ornithologie im bayerischen Seewiesen herausfinden.

Die Wissenschaftler haben Sensoren an den Köpfen von weiblichen Tieren befestigt, um Gehirnströme und Kopfbewegungen zu messen. Ein GPS-Gerät auf dem Rücken der Tiere verriet zusätzlich Flughöhe und Position. Auszumachen schien dieser Eingriff den Tieren nichts, erklärt Studien-Autor Bryson Voirin: „Wie viele Tiere auf den Galapagos-Inseln waren die Fregattvögel bemerkenswert zutraulich und haben sogar geschlafen, als ich sie das zweite Mal gefangen habe.“

Vögel schlafen bis zu sechs Minuten am Stück

Mit den Messdaten konnten die Forscher erstmals beweisen: Während die Tiere während der Jagd tagsüber hellwach sind, fallen sie nachts im Gleitflug in den sogenannten Slow-Wave-Schlaf. Er kann bis zu sechs Minuten lang dauern. Gefährlich wird er für die Tiere allerdings nicht. Scheinbar ist es für die aerodynamische Kontrolle nicht nötig, eine Gehirnhälfte wach zu halten, schlussfolgern die Wissenschaftler. 

Ein seltener Schwarzbrauenalbatros (Diomedea melanophris) fliegt über der Küste von Helgoland (Schleswig-Holstein). Warum Schlafmangel den Langzeitflug der Vögel nicht beeinträchtigt, ist für die Forscher bislang ein Mysterium. 

Ein seltener Schwarzbrauenalbatros (Diomedea melanophris) fliegt über der Küste von Helgoland (Schleswig-Holstein). Warum Schlafmangel den Langzeitflug der Vögel nicht beeinträchtigt, ist für die Forscher bislang ein Mysterium. 

Quelle: Jochen Dierschke/dpa

Die Tiere können sogar kurz in eine REM-Schlafphase eintauchen, die bei Säugetieren eigentlich mit dem kompletten Verlust des Muskeltonus verbunden ist. Bei den Fregattvögeln senkt sich in dieser Phase allerdings nur der Kopf, das Flugverhalten ändert sich nicht.

Schutz vor Zusammenstößen: Ein Auge bleibt meist offen

Weit häufiger als der Slow-Wave-Schlaf ist allerdings der sogenannte unihemisphärische Schlaf. Wenn die Vögel in kreisenden Bewegungen die aufsteigenden Luftströme nutzen, bleibt meist die Gehirnhälfte wach, die mit dem in Flugrichtung blickenden Auge verbunden ist. Forscher Niels Rattenborg erklärt: „Die Fregattvögel halten ein Auge offen, um einen Zusammenstoß mit anderen Vögeln zu verhindern, genau wie Enten, die ein Auge auf potentielle Fressfeinde werfen.“

Insgesamt schlafen die Vögel während ihrer Langflüge durchschnittlich nur 42 Minuten am Tag – an Land sind es bis zu zwölf Stunden. „Warum die Vögel so wenig im Flug schlafen, sogar in der Nacht, wenn sie nicht auf der Jagd sind, ist noch unklar“, sagt Rattenborg. Möglicherweise müssten die Vögel auf der Suche nach Nahrungsquellen wach bleiben, um sich an Ozeanströmungen orientieren zu können. Unklar ist auch, warum sie nicht unter dem Schlafmangel leiden. „Warum wir, und viele andere Tiere, so dramatisch unter Schlafmangel leiden, während einige Vögel scheinbar problemlos mit viel weniger Schlaf umgehen, bleibt vorerst noch ein Mysterium.“ 

Ein Beitrag von:

  • Patrick Schroeder

    Patrick Schroeder arbeitet als freiberuflicher Journalist für Zeitschriften und Onlinemagazine wie die VDI Nachrichten und Ingenieur.de.

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