Mix aus Stärke und Fettsäuren 02.04.2014, 11:15 Uhr

Bioklebstoff soll in Industrie und Medizin fast jedes Material zusammenhalten

Ein Pulver aus Stärke und Fettsäuren soll neuen Schwung auf den Markt der Bioklebstoffe bringen. Davon profitieren sollen Industrie und Medizintechnik gleichermaßen. Denn je nach Anwendung lassen sich Schmelztemperatur, Zähflüssigkeit und Haltekraft des Klebers variieren. 

Chemikerin Jana Wotschadlo (re.) begutachtet den neuen Bioklebstoff in Pulverform. Mit ihrem Start-up dextrinova will sie ihn jetzt zur Marktreife entwickeln. 

Chemikerin Jana Wotschadlo (re.) begutachtet den neuen Bioklebstoff in Pulverform. Mit ihrem Start-up dextrinova will sie ihn jetzt zur Marktreife entwickeln. 

Foto: Friedrich-Schiller-Universität/Jan-Peter Kasper

Die Natur selbst zeigt Wissenschaftlern, wie effektiv biologische Klebstoffe sein können. Miesmuscheln beispielsweise können sich nur deshalb bei stärksten Strömungen an fahrenden Schiffen festhalten, weil sie über einen speziellen Proteinkleber verfügen. Sie stehen mit diesem Hafttrick Forschern bei der Entwicklung der sogenannten biomimetischen Klebstoffe schon seit Jahren Modell. Doch um mit ihrer Hilfe natürlichen Superkleber zu gewinnen, ist enormer Aufwand nötig. Denn 10.000 Muscheln erzeugen gerade einmal ein Gramm Klebstoff.

Einen ganz anderen, aber dennoch rein biologischen Weg sind jetzt Forscher aus Jena gegangen. Sie haben aus Stärke und Fettsäuren ein Pulver entwickelt, das enormes Potential hat. Sobald es schmilzt, soll es zuverlässig beinahe jedes Material zusammenhalten können. „Je nach Anwendungsgebiet können wir die Schmelztemperatur, die Viskosität und die Haltekraft des Klebers variieren“, erklärt Chemikerin Jana Wotschadlo von der Friedrich-Schiller-Universität in Jena.

Vorläufiger Fokus liegt auf Verpackungsindustrie und Kosmetikbranche

„Für den Anfang wollen wir uns auf industrielles, energiesparendes Niedrigtemperaturkleben beispielsweise in der Verpackungsindustrie und auf die Kosmetikbranche konzentrieren“, sagt Wotschadlo. Der Kleber sei aufgrund seiner Hautverträglichkeit anders als viele Chemieprodukte bestens geeignet, um Haar- oder Wimperverlängerungen anzubringen. In der Medizintechnik könnte es schließlich möglich werden, Knochen zu kleben und Implantate zu fixieren, anstatt sie einzunähen.

Bund fördert Start-up dextrinova mit 460.000 Euro

Da erste Praxistests mit dem biologisch abbaubaren Superkleber erfolgreich verlaufen sind, möchte sich Wotschadlo mit ihrer Entwicklung nun selbstständig machen. Gemeinsam mit Kollegen des Jenaer Instituts für organische Chemie plant sie, das Unternehmen dextrinova zu gründen. Das Bundeswirtschaftsministerium fördert das Projekt im Rahmen des sogenannten Exist-Programms die nächsten anderthalb Jahre mit 460.000 Euro, damit die Forscher den Biokleber möglichst schnell zur Marktreife weiterentwickeln.

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Auf dem Gebiet der Medizintechnik zählt eine Entwicklung aus Bremen zu den Konkurrenten des Jenaer Klebstoffs. Forscher des Fraunhofer-Instituts für angewandte Materialforschung (IFAM) haben es mittlerweile nämlich geschafft, die wichtigsten Bestandteile des Klebstoffs der Miesmuschel zu synthetisieren. In Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Darmstadt entwickeln sie derzeit ein Haftgel für Zahnärzte und Kieferchirurgen.

 

Ein Beitrag von:

  • Patrick Schroeder

    Patrick Schroeder arbeitete während seines Studiums der Kommunikationsforschung bei verschiedenen Tageszeitungen. 2012 machte er sich als Journalist selbstständig. Zu seinen Themen gehören Automatisierungstechnik, IT und Industrie 4.0.

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