MS-21 vorgestellt 10.06.2016, 10:26 Uhr

Russischer Flugzeugbauer Irkut fordert Boeing und Airbus heraus

Neue Konkurrenz für Airbus und Boeing: In Sibirien hat der russische Hersteller Irkut seinen neuen Mittelstreckenflieger MS-21 vorgestellt. Das Modell soll billiger, schneller, schadstoffärmer und insgesamt sowieso viel besser sein als die Konkurrenzmodelle 737 von Boeing und der A320 von Airbus, jubiliert Russlands Politprominenz.

Mit dem Mittelstreckenflugzeug MS-21 will der russische Hersteller Irkut gegen Airbus und Boeing antreten. Die Serienproduktion soll 2017 anlaufen.

Mit dem Mittelstreckenflugzeug MS-21 will der russische Hersteller Irkut gegen Airbus und Boeing antreten. Die Serienproduktion soll 2017 anlaufen.

Foto: Irkut

Mit dem Mittelstreckenflugzeug MS-21 will der russische Hersteller Irkut gegen Airbus und Boeing antreten. Die Serienproduktion soll 2017 anlaufen.

Foto: Irkut

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Boeing und Airbus bekommen ernsthafte Konkurrenz aus Russland. Besonders auf dem lukrativen Markt der Mittelstrecken-Passagierflugzeuge will der russische Flugzeugbauer Irkut den beiden Marktriesen Anteile abjagen. Womit? Mit dem neuen Mittelstreckenflugzeug MS-21, das Irkut am Donnerstag in Irkutsk in Sibirien vorstellt hat. MS-21 steht für „Magistralny Samoljot 21 weka“, zu Deutsch: „Verkehrsflugzeug des 21. Jahrhunderts“ – eine ebenso einfache wie selbstbewusste Bezeichnung.

Konkurrenz für 737 von Boeing und A320 von Airbus

Wenn man die technischen Rahmendaten des zweistrahligen Flugzeugs betrachtet, könnten die Russen damit sogar Recht haben: Außer der MS-21-300, deren Prototyp jetzt vorgeführt wurde, soll es noch das Schwestermodell MS-21-200 geben. Das 300er-Modell kann zwischen 163 und 211 Passagiere aufnehmen, das kleinere 132 bis 165 Fluggäste.

Der russische Regierungschef Dmitri Medwedew hat Irkut als „Stolz der russischen zivilen Luftfahrt“ gelobt, als er den Mittelstreckenjet MS-21 vorstellte.

Der russische Regierungschef Dmitri Medwedew hat Irkut als „Stolz der russischen zivilen Luftfahrt“ gelobt, als er den Mittelstreckenjet MS-21 vorstellte.

Foto: Irkut

Zudem soll später eine verlängerte Ausführung mit bis zu 230 Sitzplätzen namens MS-21-200LR folgen. Angetrieben werden die Flugzeuge von einem gemeinsam mit Irkut entwickelten Pratt & Whitney-Getriebe-Triebwerk, ähnlich wie es auch Airbus im A320neo einsetzt.

Genau das ist auch das Segment, das Irkut mit seiner Entwicklung angreift: Die russischen Flugzeuge stehen in direkter Konkurrenz zu den 737-Modellen von Boeing sowie zur A320-Reihe von Airbus. Dabei bringen die Russen das ein oder andere Feature mit, das sich noch als Stein im Schuh der mächtigen Konkurrenz entpuppen könnte: So ist die MS-21 aufgrund der Verwendung moderner Verbundwerkstoffe unter anderem in den Tragflächen leichter als die bereits etablieren Maschinen und kann dementsprechend schneller fliegen – bis zu 870 km pro Stunde und das laut Hersteller bis zu 6.400 Kilometer weit. Weniger Schadstoffe produziere sie außerdem, heißt es.

Zehn Zentimeter als Zünglein an der Waage

Dazu kommt, dass der Rumpf zehn Zentimeter mehr im Durchmesser misst als bei der Konkurrenz. Das klingt wenig, könne für die Fluggesellschaften aber einiges ausmachen, wie der russische Branchenkenner Oleg Pantelejew vorrechnet. Da der Mittelgang breiter sei, könne man das Flugzeug schneller reinigen und wieder startklar machen – die teure, weil ineffektive Standzeit an den Flughäfen reduziere sich. Selbst ein paar Minuten summierten sich bei mehreren Flugzeugen schnell zu nennenswerten Mengen: bares Geld für die Betreiber, zusätzlich zu den Einsparungen durch die höhere Reisegeschwindigkeit.

Der Innenraum der MS-21 ist zehn Zentimeter breiter als bei den Konkurrenzmodellen von Airbus und Boeing.

Der Innenraum der MS-21 ist zehn Zentimeter breiter als bei den Konkurrenzmodellen von Airbus und Boeing.

Foto: Irkut

Auch in der Anschaffung sollen die MS-21 billiger als die amerikanischen und europäischen Pendants werden: Umgerechnet gut 75 Millionen Euro müssen Käufer für eine MS-21 auf den Tisch legen. Der Listenpreis für einen vergleichbaren Airbus liegt mindestens 10 Millionen Euro darüber, für eine Boeing mindestens 4 Millionen Euro. Nicht zuletzt deswegen sind die russischen Pläne interessante Neuigkeiten für Fluglinien in aller Welt – auch die Konkurrenz, die bekanntlich das Geschäft belebt, dürfte willkommen sein.

Erstflug möglichst noch 2016

Dafür muss allerdings erst einmal alles so klappen, wie es sich Irkut vorstellt: Der Erstflug soll möglichst noch in diesem Jahr stattfinden, spätestens aber bis Februar 2017. Danach soll die Produktion anlaufen. Dabei setzt Irkut übrigens wie auch Airbus und Boeing bereits die Fertigung von Teilen im 3D-Druck ein.

Angeblich gibt es bereits 175 Bestellungen und 100 Kaufoptionen, hauptsächlich von den russischen Fluglinien Aeroflot, UTair und Red Wings. Auf Dauer soll die MS-21 die Tupolew-Modelle Tu-134, Tu-154 und einen Teil der Tu-204 ersetzen. Damit die Maschinen auch auf dem europäischen Markt angeboten werden können, braucht der Hersteller eine europäische Zulassung – die soll es bis Ende 2018 geben.

Montage einer MS-21 im sibirischen Irkutsk: Die Serienfertigung soll im nächsten Jahr anlaufen.

Montage einer MS-21 im sibirischen Irkutsk: Die Serienfertigung soll im nächsten Jahr anlaufen.

Foto: Irkutsk

Dieser Zeitplan kann aber immer noch zusammenbrechen, nicht zuletzt wegen der neuen russischen Vorgaben zur Stärkung der inländischen Wirtschaft: Wo immer möglich, heißt es, sollen ausländische Zulieferer durch russische ersetzt werden. Solch eine Umstellung mitten in der heißen Phase der Entwicklung macht die Sache nicht gerade einfacher, geschweige denn schneller.

Euphorie über das erste Verkehrsflugzeugprogramm nach Ende der Sowjetunion

Dabei ist die MS-21 bereits jetzt ein Politikum, die russische Regierung hat große Erwartungen an das erste Verkehrsflugzeugprogramm im postsowjetischen Russland – vom kleinen Regionalflieger Superjet, der vor fünf Jahren an den Start gegangen ist und von technischen Problemen heimgesucht wird, redet derzeit lieber keiner.

Wird von seinen Mitarbeitern gefeiert: Irkut-Chef Oleg Demchenko.

Wird von seinen Mitarbeitern gefeiert: Irkut-Chef Oleg Demchenko.

Foto: Irkut

Entsprechend euphorisch preist Regierungschef Dmitri Medwedew das Irkut-Unternehmen auch bereits jetzt als „Stolz der russischen zivilen Luftfahrt“ und „lange erwartetes Ereignis für unser gesamtes Land“. Die MS-21 sei der Beweis, dass das Land im Flugzeugbau noch einen Namen habe, sagte er bei der Präsentation des Flugzeugs. Die Technologie übertreffe „alle derzeit fliegenden Konkurrenzmodelle“. 

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