Künstliche Intelligenz 23.07.2019, 12:02 Uhr

Elon Musk will das menschliche Gehirn mit einem PC verbinden

Das Gehirn ist ein Wunderwerk, wenn es um Datenverarbeitung geht. Was wäre, wenn es sich mit moderner Technologie kombinieren ließe? Tesla-Chef Elon Musk will genau das mit seinem Start-up Neuralink erreichen. Jetzt hat er Details verraten.

Illustration Gehirn

Eine direkte Kommunikation zwischen Gehirn und Maschine könnte enormes Potenzial entfalten.

Foto: panthermedia.net/Langereek

Die Fortschritte im Bereich der künstlichen Intelligenz werden von vielen Menschen mit Argwohn betrachtet. Könnte es nicht eines Tages passieren, dass diese neue Form der Intelligenz sich verselbstständigt und womöglich – wie im Hollywood-Streifen „Terminator“ – ein eigenes Bewusstsein entwickelt? Könnten die Maschinen dann sogar entscheiden, die Menschheit zu beseitigen? So genau kann das im Moment keiner sagen. Elon Musk jedenfalls sieht künstliche Intelligenz als eine extreme Bedrohung an und schätzt sie als „gefährlicher als Atomwaffen“ ein. Die Aufmerksamkeit ist ihm mit solchen Aussagen sicher. Doch dem Visionär geht es nicht darum, Angst zu verbreiten. Er setzt auf ein Gegenmittel: eine noch weiter entwickelte Technologie, der es gelingen soll, die künstliche Intelligenz in Schach zuhalten – nämlich eine perfekt funktionierende Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine, die alle Fähigkeiten der biologischen und künstlichen Systeme vereint. Das Start-up Neuralink, das Musk 2016 gegründet hat, forscht an der Umsetzung. Jetzt hat Musk bekannt gegeben, welche weiteren Möglichkeiten Neuralink eröffnen soll.

Drähte im Gehirn senden und empfangen die Informationen

Das Gehirn von Elon Musk arbeitet permanent auf Hochtouren. So viel steht fest. Den meisten Menschen ist der Unternehmer sicherlich als Tesla-Chef bekannt, aber tatsächlich investiert er in viele Projekte, die sich den Markt der Zukunft erschließen wollen, etwa SpaceX, das die bemannte Raumfahrt bezahlbar machen will. Musk träumt davon, langfristig sogar Menschen auf dem Mars ansiedeln zu können. The Boring Company soll hingegen das Leben auf der Erde verbessern – durch unterirdische Hochgeschwindigkeitstunnel für den Verkehr. Innovationen sind also sein Geschäft und haben Musk bereits zum Milliardär gemacht. Denn das ist das Interessante: Er belässt es nicht bei Visionen, sondern investiert in deren Umsetzung. Auch wenn sich kaum einer vorstellen kann, dass diese hochgesteckten Ziele alle erreicht werden, sie sind auf jeden Fall Innovations-Treiber. Das zeigt sich auch bei der Neuralink-Präsentation.

Denn Musk stellte keineswegs ein Konzept für das Superhirn vor, das biologisches Gehirn und künstliche Intelligenz gleichermaßen nutzt, auch wenn das als Endziel auf seiner Liste steht. Zunächst geht es ihm um die Entwicklung einer praktikablen Mensch-Maschine-Schnittstelle. Sie soll es beispielsweise motorisch eingeschränkten Personen ermöglichen, elektrische Geräte zu steuern. Diese Idee ist nicht neu. Seit Jahren arbeiten Forscher daran, genau das zu erreichen – allerdings mit Sensoren, die von außen die Gehirnströme messen. Neuralink will hingegen extrem feine Drähte ins Gehirn implantieren. Schon das ist ein Novum. Denn diesen Eingriff soll ein extra entwickelter OP-Roboter vornehmen. Wenn alles klappt, setzt er einen Chip ein, von dem aus extrem feine Drähte zu verschiedenen Bereichen des Gehirns verlaufen. An ihren Enden befinden sich Elektroden, die Signale empfangen und senden können. Die Informationen werden an einen Sender übertragen, der wie ein Hörgerät hinter der Ohrmuschel sitzt und über Bluetooth mit einem externen Interface, etwa dem Smartphone des Patienten, verbunden ist.

Nie wieder lernen? Fähigkeiten will Musk per App ins Gehirn laden

Ziel ist also eine Kommunikation, die in beide Richtungen funktioniert: Auf der einen Seiten soll es möglich sein, allein durch Kraft der Gedanken Geräte wie einen Rollstuhl in Bewegung zu versetzen. Auf der anderen Seite könnte die Schnittstelle dafür genutzt werden, Informationen aus einer App aufs Gehirn zu übertragen, etwa eine Fremdsprache oder Bewegungsmuster für einen Kampfsport. Das ist natürlich Zukunftsmusik, doch die erste klinische Studie mit motorisch eingeschränkten Personen soll tatsächlich schon im nächsten Jahr starten. Musks selbst geht davon aus, dass der Chip Ende 2020 zum ersten Mal implantiert sein wird. Eine große Hürde gilt es davor aber noch zu nehmen: die Zulassung der Food and Drug Administration (FDA), die in den USA unter anderem den Markt für Medikamente und medizinische Geräte überwacht.

Aktuell gibt es also eigentlich noch keine Erfolge oder Ergebnisse zu vermelden. Branchenexperten vermuten jedoch, dass die Präsentation ein geschickter Schachzug ist, um schneller voranzukommen – qualifizierte Fachleute könnten durch die Medienberichterstattung auf Neuralink aufmerksam werden, und die werden dringend gebraucht.

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