Startschuss in Nevada 01.08.2016, 13:14 Uhr

Tesla will auch in Europa gigantische Batteriefabrik bauen

In der Wüste Nevadas hat Elon Musk den ersten Teil seiner gigantischen Batteriefabrik eröffnet. 2020, wenn die „Gigafactory 1“ fertig ist, soll sie genauso viel Kapazität an Lithium-Ionen-Batterien haben wie der gesamte Rest der Welt. Musk plant bereits weitere Gigafactories in Europa und Asien.

Der erste Teilabschnitt der Gigafactory von Tesla in der Wüste von Nevada ist fertig. Firmenchef Elon Musk baut die größte Batteriefabrik der Welt.

Der erste Teilabschnitt der Gigafactory von Tesla in der Wüste von Nevada ist fertig. Firmenchef Elon Musk baut die größte Batteriefabrik der Welt.

Foto: Tesla/dpa

Eines darf man Elon Musk, der seine Tesla-Elektroautos wie den künftigen „Billig-Tesla“ Model 3 in großem Maßstab unter die Leute bringen will, ohne weiteres bescheinigen: Er denkt in großen Zusammenhängen. Ob das immer kühn und visionär ist, oder manchmal auch an Größenwahn grenzt, darüber besteht Uneinigkeit.

Fest steht, dass mit Musk gerechnet werden muss, wenn die Autohersteller den Markt für Elektrofahrzeuge unter sich aufteilen. Ganz sicher dann, wenn Musks Plan aufgeht, die größten Batteriefabriken der Welt zu bauen.

Im Bauabschnitt A wird bereits produziert

Der Anfang ist gemacht. Vor wenigen Tagen ließ Elon Musk die Medien einen Blick in den ersten fertig gestellten Bauabschnitt, die Sektion A, der „Gigafactory 1“ werfen, deren Bau Musk 2014 angekündigt hatte. Hier werden bereits die sogenannten Powerwall-Akkus hergestellt. Das sind Akkus für Zuhause, in denen sich Solarenergie lokal speichern lässt.

So wird die Gigafactory von Tesla nach Abschluss der Bauarbeiten im Jahr 2020 aussehen.

So wird die Gigafactory von Tesla nach Abschluss der Bauarbeiten im Jahr 2020 aussehen.

Foto: Tesla

Währenddessen wird in den Sektionen B und C die Produktion von Lithium-Ionen-Batterien vorbereitet. Im Bauabschnitt D stehen bis jetzt nur Wände und Böden, der letzte Abschnitt E ist noch ein Stahlskelett. Die Bauweise in voneinander getrennten Gebäudeteilen hat mit dem erhöhten Erdbebenrisiko in diesem Teil Nevadas zu tun. Separate Bauten sind sicherer. Aber auch der Druck, unter dem Tesla steht, spricht für mehrere Bauabschnitte. Elon Musk muss schnell handeln, um das geplante Produktionsvolumen halten zu können.

Ab Ende 2018 sollen jährlich rund 500.000 Elektrofahrzeuge vom Band gehen können. Für die dafür benötigten Batterien will Musk sich nicht auf Zulieferer verlassen, sondern selbst produzieren.

6.500 neue Arbeitsplätze in der Wüste

Zunächst einmal müssen die laut Tesla 325.000 Vorbestellungen für das angekündigte „Modell 3“ abgearbeitet werden. Die Produktion des günstigen 35.000-Dollar-Modells soll nächstes Jahr in Kalifornien starten – mit Batterien aus Nevada. In der ersten Hälfte dieses Jahres hatte Tesla gerade mal 30.000 Autos produziert. Die Schlagzahl muss also deutlich erhöht werden.

Im gerade fertiggestellten ersten Bauabschnitt der Tesla-Gigafactory werden die so genannten Powerwall-Akkus hergestellt. Das sind Akkus für Zuhause, in denen sich Solarenergie lokal speichern lässt. 

Im gerade fertiggestellten ersten Bauabschnitt der Tesla-Gigafactory werden die so genannten Powerwall-Akkus hergestellt. Das sind Akkus für Zuhause, in denen sich Solarenergie lokal speichern lässt. 

Foto: Tesla/dpa

Dafür hat sich Musk mit dem japanischen Elektronikkonzern Panasonic verbündet, der 1,6 Milliarden Dollar investiert und Akkuzellen fertigt. Die Gesamtkosten der Gigafactory werden auf fünf Milliarden Dollar geschätzt. Bisher sind rund 14 % der Fabrik fertiggestellt, am Ende soll das Batteriewerk 540.000 qm groß sein. Da auf bis zu vier Ebenen in den 21 m hohen Gebäuden gearbeitet werden soll, stünde eine Produktionsfläche von rund 1,3 Millionen qm zur Verfügung.

Trotz hoher Automatisierungsrate sollen Tausende neuer Arbeitsplätze in der Gigafactory entstehen. Für Steuererleichterungen von bis zu 1,3 Milliarden Dollar, die der Bundesstaat Nevada gewährte, sagte Musk die Schaffung von mehr als 6.500 Arbeitsplätzen zu. In ein paar Jahren könnten 10.000 Arbeiter auf dem Gelände beschäftigt sein, so Musk in Nevada.

Hohe Stückzahlen machen Batterien deutlich günstiger

In der Gigafactory sollen aber nicht nur mehr, sondern auch deutlich kostengünstigere Batterien hergestellt werden. Musks erklärtes Ziel ist es, den Preis pro Kilowattstunde vielleicht schon 2018 um 30 % auf unter 100 Dollar zu senken. Für das 3er-Modell hat Tesla, gemeinsam mit Panasonic, bereits eine optimierte Zelle mit 21 mm im Durchmesser und 70 mm in der Höhe entwickelt.

Tesla-Chef Elon Musk hat den ersten Teilabschnitt seiner neuen Gigafactory nur einem kleine, ausgewählten Kreis vorgestellt.

Tesla-Chef Elon Musk hat den ersten Teilabschnitt seiner neuen Gigafactory nur einem kleine, ausgewählten Kreis vorgestellt.

Foto: Jerome Favre/dpa

Laut Musk wird das Geschäft mit den Akkus langfristig genauso bedeutend wie das Autogeschäft. Musk kündigte an, dass dazu auf jedem Kontinent eine Gigafactory notwendig sei. Wichtigste Tesla-Märkte neben den USA sind Europa und Asien.

Ob dann dort ebenfalls goldene Tickets für die Eröffnungsparty verlost werden? Unter den Erstbestellern des 3er-Modells hat Musk nach dem Vorbild von Roald Dahls Kinderbuch „Charlie und die Schokoladenfabrik“ 12 goldene Tickets für eine exklusive Fabrikbesichtigung verlost. 

Und hier lesen Sie über die aktuellen Tesla-Probleme mit dem Autopiloten im Model S.

Baubeginn im November 2014: Tesla baut seine Batteriefabrik in der Wüste Nevadas.

Baubeginn im November 2014: Tesla baut seine Batteriefabrik in der Wüste Nevadas.

Foto: Tesla

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