Batteriezellen 04.08.2021, 12:11 Uhr

Daimler-Gigafactory in Sachsen-Anhalt? Kampf um Standort für Batteriefabrik

Sachsen-Anhalt präsentiert sich als erfahrener Standortgeber für Batteriezellen-Fabriken. Das zielt direkt auf die Planungen von Daimler ab. Entsteht bald die nächste Gigafactory im Osten Deutschlands?

Fabrik Batterieproduktion

Die lokale Batterieproduktion ist ein zentraler Erfolgsfaktor für die Elektrooffensive von Mercedes-Benz.

Foto: Daimler

Sachsen-Anhalt will die neue Fabrik für Batteriezellen von Daimler beheimaten. Das Bundesland hat bereits Erfahrung beim Aufbau von Batterie-Kompetenzzentren.

Die Daimler AG sucht einen neuen Standort für eigene Batteriezellen-Fabriken. Wenn es nach dem Wirtschaftsstaatssekretär Jürgen Ude ginge, wäre die Wahl schon auf Sachsen-Anhalt getroffen. Die Voraussetzungen seien laut ihm ideal. Das Land bewirbt sich daher für die angekündigte Fabrik. Insgesamt will Daimler acht Batteriezentren errichten.

Daimler baut acht Gigafactorys

Weltweit sollen acht Daimler Gigafactorys entstehen. Vier Fabriken werden in Europa stehen. Laut Ude habe Sachsen-Anhalt  „gute Karten, bei dem Thema mitzumischen“. Bei dem Autohersteller stehen die Zeichen voll auf Elektromobilität. Mit den neuen Batteriezentren soll ein „Zentrum der Autoindustrie“ entstehen. Ab 2025 sollen nur noch rein elektrische Fahrzeuge bei Daimler vom Band rollen. Ebenfalls ab diesem Jahr sollen alle Modelle von Mercedes-Benz in einer elektrischen Version zur Verfügung stehen.

Durch das EU-Klimapaket steigt der Druck auf die Autoindustrie. Das bekommt auch Daimler zu spüren. Aus „Electric first“ ist bei dem Konzern „Electric only“ geworden. Dazu gehört auch der Bau eigener Batteriefabriken. Und die Konkurrenz schläft nicht – vor allem Tesla. CEO Elon Musk lässt nahe Berlin eine Gigafactory bauen, die 10.000 Arbeitsplätze schaffen soll. Im Daimler Werk sollen aber ausschließlich Batteriezellen hergestellt werden. Die Schwaben haben lange auf externe Zulieferer gesetzt, wobei es oftmals zu Komplikationen des chinesische Unternehmens Fararis kam. Von „katastrophal“ schlechten Batteriezellen war die Rede, sodass sogar die E-Auto-Strategie von Daimler bedroht war. Beim Bau der Fabrik in Bitterfeld-Wolfen kam es durch Farasis ebenfalls zu Verzögerungen.

„In Europa will Mercedes-Benz mit neuen Partnern zukünftige Zellen sowie Module entwickeln und effizient produzieren“, heißt es in der Pressemitteilung.

Die acht Gigafabriken würden zudem benötigt, da Mercedes-Benz eine Batteriekapazität von mehr als 200 Gigawattstunden benötige.

Bei der strategischen Partnerschaft mit Farasis Energy hieß es beim Mercedes-Konzern bereits „Electric first“. Markus Schäfer, Mitglied des Vorstands der Daimler AG, (links) und Dr. Yu Wang, Chairman und CEO von Farasis Energy. (rechts)<br />Foto: Farasis Energy

Bei der strategischen Partnerschaft mit Farasis Energy hieß es beim Mercedes-Konzern bereits „Electric first“. Markus Schäfer, Mitglied des Vorstands der Daimler AG, (links) und Dr. Yu Wang, Chairman und CEO von Farasis Energy. (rechts)

Foto: Farasis Energy

Batteriezellen-Fertigung: Sachsen-Anhalt will Akteur sein

In Sachsen-Anhalt stehen bereist in Bitterfeld-Wolfen, Barleben und Sandersdorf-Brehna Batterie-Kompetenzzentren. Das Bundesland hat also Erfahrung und möchte diese Karte bei der Daimler Ausschreibung ziehen. Zudem will der amerikanisch-chinesische Batteriehersteller Farasis in Thalheim bei Wolfen Akkus für Elektrofahrzeuge produzieren. Die japanische Horiba-Gruppe baut aktuell ihr Entwicklungszentrum für Brennstoffzellen und Batterien in Barleben bei Magdeburg. Gemeinsam mit der Universität Magdeburg werde dort für 31 Millionen Euro ein Forschungszentrum aufgebaut. Wirtschaftsstaatssekretär Jürgen Ude setzt auf die Kooperation mit jungen Akademikern, Hochschulen und kreativen Leuten aus führenden Unternehmen, um die Elektromobilität voranzutreiben.

Elektroauto rettet Stromversorgung in Wohnung

„Wir wollen unbedingt, dass das Thema Forschung und Entwicklung eine Rolle spielt“, so Ude.

Sachsen-Anhalt als Zentrum für neuen Technologien – durchaus schon Realität.

Silicon Saxony als Innovator Deutschlands

Dresden weist bereits 60 Jahre Erfahrung in der Mikroelektronik auf und ist zu einem bedeutenden Halbleiterstandort in Europa geworden. In Sachsen ist zudem mit dem Silicon Saxony ein Hightech-Standort in Deutschland herangewachsen. Dieser beschränkt sich schon lange nicht mehr auf die Entwicklung von Halbleitern. „Wir sagen Hard- und Software. Tatsächlich sind von den 70.000 Angestellten auch 30.000, die in der Software-Industrie arbeiten“, so Silicon-Saxony-Chef Frank Bösenberg. Sachsen-Anhalt und auch Thüringen ziehen nach. In Bitterfeld-Wolfen ist zum Beispiel ein mobiler Hightech-Container für den Transport und die Lagerung von Corona-Impfstoffen vorgestellt worden. Die Bandbreite der Techbranche ist enorm.

Ein Beitrag von:

  • Sarah Janczura

    Sarah Janczura

    Sarah Janczura ist Content Manager und verantwortliche Redakteurin für ingenieur.de. Nach einem Volontariat mit dem Schwerpunkt Social Media war sie als Online-Redakteurin in einer Digitalagentur unterwegs. Sie schreibt über Technik, Forschung und Karrierethemen.

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