Umwelt und Portemonnaie schonen 29.11.2022, 15:31 Uhr

Sparsam und zukunftsfähig heizen im Altbau

Viele ältere Häuser sind nicht auf dem energetischen Stand, der heute üblich ist. Hier hilft langfristig eine neue Heizung, zusätzliche Dämmung oder neue Fenster, kurzfristig kann durch ein verändertes Heizverhalten einiges an Energie und Kosten gespart werden.

Altbauten Holm

Altbauten haben oft ihren eigenen Charme, sind jedoch mitunter energetisch nicht auf dem besten Stand.

Foto: Panthermedia.net / Sippel

Private Haushalte setzen den Großteil der Energie fürs Heizen ein – über 70 Prozent waren es zuletzt laut Statistischem Bundesamt. Bei schlecht gedämmten Altbauten mit hohen Decken sind es häufig noch mehr. Dementsprechend sollte jeder Besitzer eines Altbaus sein Heizverhalten genau im Blick behalten und eventuell Maßnahmen ergreifen, um den Energiebedarf zu senken. Das schont die Umwelt und macht sich insbesondere in Folge der explodierenden Energiepreise spürbar im Portemonnaie bemerkbar. Erfahren Sie in diesem Ratgeber, wie Sie im Altbau richtig heizen und welche Möglichkeiten es gibt, wenn Sie über eine neue Heizungsanlage nachdenken.

Die Ausgangslage

Deutschland soll laut Klimaschutzgesetz bis zum Jahr 2045 klimaneutral werden. Das gilt auch für den Gebäudebestand, der zudem bis 2030 einen verbindlichen Minderungspfad einhalten soll. Das heißt – erneuerbare Energien müssen aufgebaut und Öl- und Gasheizungen abgebaut werden. Noch ist es aber so, dass wir in Sachen energetischer Altbausanierung den Plänen hinterherhinken.

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Eine Studie des Umweltbundesamtes (UBA) zeigt, dass die Energieeffizienz von Wohngebäuden zwischen 2002 und 2012 kontinuierlich gestiegen ist, danach hat sich die Klimabilanz bei Einfamilienhäusern kaum noch verbessert. Ganz im Gegensatz zu Mehrfamilienhäusern. Das liegt insbesondere daran, dass bei Einfamilienhäusern eher Einzelmaßnahmen zur energetischen Sanierung vorgenommen werden. Zum Beispiel Austausch der Fenster oder eine neue Heizung. Bei Mehrfamilienhäusern ist das anders, hier gehen die Besitzer eher ganzheitlich an das Projekt „Energieeffizienz“ heran.

Kurzum: Ein- und Zweifamilienhäuser früherer Baujahre hinken häufig dem aktuellen Stand der Technik hinterher und benötigen wesentlich mehr Energie als vergleichbare Neubauten. Auch die Heizung entspricht oft nicht dem, was heute üblich ist. Rund drei Viertel der bestehenden Häuser werden noch mit den fossilen Brennstoffen Öl und Gas geheizt. Klar – es gibt bereits in vielen Altbauten moderne Brennwertheizungen, doch es sind auch noch viele ältere Geräte im Betrieb. Und das, obwohl es gesetzliche Austauschpflichten gibt.

Wer in einem energetisch unzureichend sanierten Altbau lebt, sollte unbedingt in den nächsten Jahren etwas dagegen tun. Eine bessere Energieeffizienz lässt sich zum Beispiel durch Dämmen, neue Fenster oder Türen oder Austausch der Heizung erzielen. Im besten Fall sind alle Maßnahmen aufeinander abgestimmt. Kurzfristig geht es jedoch erst einmal darum, sein Heizverhalten den Gegebenheiten anzupassen. Ein energetisch nur unzureichend saniertes Haus aus den 1940er Jahren benötigt etwa doppelt so viel Energie wie ein vergleichbares Gebäude mit einem Baujahr ab 2000. Das hat das Institut für Wohnen und Umwelt (IWU) errechnet. Was das mit den Heizkosten in Zeiten explodierender Energiepreise macht, können Sie sich selbst ausrechnen.

Energetische Besonderheiten im Altbau

Die luftdicht verpackte Gebäudehülle kennt ein Altbau höchstens vom Hörensagen. Nicht selten pfeift der Wind durch Fenster und Türen oder kriecht die Kälte über den Dachboden oder die Fassade nach drinnen. Entsprechend hoch ist der Energiebedarf, wenn wir unsere Wunschtemperatur erzielen wollen. Und die liegt in der Regel bei 20 Grad Celsius und mehr. Zumindest in den Wohnräumen oder im Badezimmer. Im Schlafzimmer reichen oft auch 17 oder 18 Grad Celsius aus.

Eine weitere Schwachstelle, sprich Wärmebrücke, findet sich oft unter den Fenstern, wo die Heizkörper montiert sind. Die Wände sind hier besonders dünn, um Platz für die klobigen Rippenheizkörper von früher zu schaffen. Hier gelangt die Wärme besonders einfach nach draußen. Im besten Fall dämmen Sie die Heizkörpernische komplett, dafür müssen Sie jedoch die alten Heizkörper aus- und neue Heizkörper einbauen. Ist das Ihnen aktuell zu viel Aufwand und zu teuer, sorgt eine reflektierende Dämmfolie hinter dem Heizkörper zumindest für eine leichte Linderung.

Ein besonderes Merkmal von vielen Altbauten sind die hohen Decken. Die meisten lieben sie, weil sie dem Raum mehr Fülle geben. Aus energetischer Sicht sind sie jedoch etwas problematisch. Durch den deutlich höheren Rauminhalt bei gleicher Grundfläche muss mehr geheizt werden, um vergleichbare Raumtemperaturen zu erhalten. Dazu kommt, dass die meisten Häuser mit sogenannten Konvektionsheizungen ausgestattet sind. Hier sorgt das physikalische Prinzip der Konvektion dafür, dass die Wärme nach oben steigt. Das Ergebnis: Kalte Füße aber heißer Kopf.

Heizverhalten an den Altbau anpassen

Wie bereits geschrieben, hilft langfristig nur eine energetische Sanierung, um die Energieeffizienz des Altbaus zu verbessern. Kurzfristig können Sie jedoch die Heizkosten durch ein verändertes Heizverhalten senken. So sparen Sie rund sechs Prozent Energie, wenn Sie die Raumtemperatur nur um ein Grad Celsius absenken. Wobei Sie sich natürlich nach wie vor wohlfühlen sollten in Ihren eigenen vier Wänden. Pulli statt T-Shirt kann aber auch eine Lösung für alle sein, die schnell frieren.

Wie warm Sie die einzelnen Räume heizen, bleibt letztlich Ihnen überlassen. Üblicherweise werden folgenden Raumtemperaturen empfohlen:

  • Wohnzimmer: 20 bis 22 Grad Celsius
  • Schlafzimmer: 16 bis 18 Grad Celsius
  • Kinderzimmer: 21 bis 23 Grad Celsius
  • Babyzimmer: 24 Grad Celsius
  • Arbeitszimmer: 20 bis 22 Grad Celsius
  • Badezimmer: 22 bis 24 Grad Celsius
  • Küche: 18 bis 20 Grad Celsius

Die oben genannten Temperaturen gelten für tagsüber, nachts dürfen sie ruhig einige Grad kälter sein. Dauerhaft sollten die Raumtemperaturen jedoch nicht unter 17 Grad Celsius liegen, da sonst die Schimmelgefahr erheblich ansteigt.

Wenig sinnvoll ist es zudem, die Raumtemperaturen zu häufig zu ändern, besser sind konstante Temperaturen. Durch ständiges Hoch- und Runterregeln des Thermostats treiben Sie den Energieverbrauch nach oben. Bei Altbauten mit hohen Decken dauert es sowieso länger, bis die Wunschtemperatur erreicht wird. Kühlen die Wände und Decken außerdem zu stark ab, braucht es zusätzlich Zeit und Energie, diese immer wieder aufs Neue aufzuheizen. Kalte Wände sind etwas, was uns besonders schnell frösteln lässt, selbst wenn die Raumluft bereits die gewünschte Temperatur hat.

Ein Orientierungspunkt: In der Regel haben Heizungsthermostate eine Skala zwischen eins und fünf. Auf Stufe drei wird der Raum üblicherweise etwa 20 Grad Celsius warm. Übrigens wird der Raum nicht schnell warm, wenn Sie das Thermostat voll aufdrehen – die Heizung bollert dann nur länger, bis die für Stufe fünf übliche Temperatur von 28 Grad Celsius erreicht ist. Wollen Sie es daher 22 Grad im Raum warm haben, stellen Sie das Thermostat einmal auf einen Wert zwischen drei und vier. Mehr braucht es nicht.

Richtiges Lüften gehört ebenfalls zum Heizverhalten im Altbau. Das reduziert nicht nur die Gefahr von Schimmelbildung, sondern senkt zudem die Heizkosten. Feuchte, verbrauchte Luft lässt sich nämlich schwerer erwärmen als trockene Luft. Damit jedoch nicht zu viel der teuren Heizungsluft verloren geht und Wände und Decken nicht zu sehr auskühlen, sollten Sie immer nur kurz Stoßlüften. Kipplüftung ist daher im Winter nicht angesagt, solange die Heizung läuft. Am effektivsten ist Querlüften mit mehreren offenen Fenstern und Türen. So lässt sich die verbrauchte Luft am schnellsten austauschen.

Ebenfalls wichtig: Die Heizung im Altbau optimieren. Wie das funktioniert, erfahren Sie in diesem Beitrag: Heizung richtig einstellen – Energiekosten sparen

Welche Heizung für den Altbau?

Nachdem Sie nun die kurzfristigen Maßnahmen für das Heizen im Altbau kennengelernt haben, möchten wir Ihnen abschließend noch verschiedene Heizsysteme vorstellen, die sich für den Altbau eignen. Nachdem Öl und Gas immer mehr an Bedeutung verlieren werden, da sie beim Verbrennen klimaschädliches Kohlenstoffdioxid produzieren, braucht es Alternativen, die auch im Altbau funktionieren. Ohne Gas oder Öl kommen zum Beispiel Wärmepumpen, Infrarotheizungen oder Pelletheizungen aus. Fernwärme ist ebenfalls möglich, sofern die Wärme nicht mit Hilfe von fossilen Brennstoffen erzeugt wird. Bei Brennstoffzellenheizungen braucht es hingegen aktuell noch einen Gasanschluss, damit sie funktionieren.

Als Heiztechnik der Zukunft gelten insbesondere Wärmepumpen, sie nutzen Energie aus Erde, Luft und Wasser, um damit Wärme zu erzeugen. Dazu braucht es Strom, der bestenfalls aus Photovoltaik oder Windenergie stammt, dann ist die Heizung sehr umweltfreundlich. Mitunter wird behauptet, dass sich Wärmepumpen nicht für den Altbau eignen. Das stimmt jedoch nicht, wie das Fraunhofer-ISE in Freiburg mit Hilfe von Feldversuchen bewiesen hat. Lesen Sie hierzu: Wärmepumpen im Altbau: Sinnvoll oder nicht?

Wie Wärmepumpen funktionieren Infrarotheizungen mit Strom. Allerdings braucht es eine Einheit Strom, um eine Einheit Wärme zu produzieren. Bei Wärmepumpen werden aus einer Einheit Strom drei oder vier Einheiten Wärme. Das funktioniert sogar im Altbau. Als alleinige Heizungen im Altbau sind Infrarotheizungen daher nicht zu empfehlen. Sie benötigen viel Strom und der ist nach wie vor teurer als Gas oder Öl. Ein Vorteil haben sie jedoch: Sie bieten bereits bei niedrigeren Raumlufttemperaturen eine höhere Behaglichkeit, da die Strahlen direkt die Körper erwärmen, auf die sie treffen. Lesen Sie dazu: Wie sinnvoll sind Infrarotheizungen?

Holz- und Pelletheizungen eignen sich hingegen gut für Altbauten. Sie lassen sich mit einem höheren Temperaturniveau als zum Beispiel Wärmepumpen fahren. Wenn Sie sich für eine Pelletheizung für den Altbau entscheiden, sollten Sie jedoch die Feinstaubbelastung im Hinterkopf behalten. Zudem sind die Preise für Pellets aktuell ebenfalls geradezu explodiert. Dazu benötigen Sie einen großen Lagerraum, um die Pellets zu bevorraten. Holz bleibt zudem nach wie vor ein endlicher Rohstoff, selbst bei nachhaltiger Forstwirtschaft. Frank Hettler von der Initiative Zukunft Altbau empfiehlt daher: „Die nachwachsende Ressource sollte daher mittelfristig vorrangig dort eingesetzt werden, wo strombetriebene Wärmepumpen und erneuerbar betriebene Wärmenetze nicht zum Zuge kommen können“

Nicht so gut für Altbauten sind Brennstoffzellenheizungen geeignet. Brennstoffzellen sind nur auf einen Grundlast-Wärmebedarf ausgelegt, ist der Wärmebedarf zu hoch, braucht es in der Regel noch eine Zusatzheizung. Da ältere Gebäude häufig mehr Energie benötigen, sind diese Heizungen daher nicht besonders sinnvoll. Zumal sie auch für die Erzeugung der Grundlast bereits Erdgas benötigen, um daraus Wasserstoff herzustellen. Anders sieht es aus, sollte irgendwann einmal Wasserstoff statt Erdgas aus unseren Leitungen kommen. Lesen Sie dazu: Jetzt und in Zukunft: Wie sinnvoll ist eine Brennstoffzellenheizung?

Schauen wir zum Abschluss noch kurz auf die Fernwärme. Die ist für Altbauten immer eine Option, zumal es keinen eigenen Raum für die Heiztechnik benötigt. In ländlichen Gebieten gibt es jedoch häufig keinen Zugang zu einem Fernwärmenetz. In der Regel muss man zudem einen langfristigen Vertrag mit einem Versorger eingehen, um in den Genuss von Fernwärme zu kommen – mit all seinen Vor- und Nachteilen. Wollen Sie ökologisch einwandfrei heizen, sollten Sie sich zudem vorher erkundigen, auf welche Weise die Wärme erzeugt wird.

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Content-Manager beim VDI Verlag. Nach einem Bauingenieurstudium und einer Weiterbildung zum Online-Redakteur, Volontariat und 20 Jahren als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop, landete er bei ingenieur.de. Er schreibt hauptsächlich über Technik und Forschung.

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