Ratgeber 10.09.2022, 14:41 Uhr

Heizung richtig einstellen – Energiekosten sparen

Die Heizung ist im privaten Wohnbereich für rund 70 Prozent der Energiekosten verantwortlich. Gleichzeitig gibt es Schätzungen, dass bei rund 80 Prozent der Wohnhäuser die Heizung falsch eingestellt ist. Wenn Sie Ihre Energiekosten spürbar senken wollen, sollten Sie daher bei Ihrer Heizung ansetzen. Erfahren Sie in diesem Beitrag, mit welchen Maßnahmen Sie Ihre Heizung fit für den Winter machen.

Heizung einstellen

Eine richtig eingestellte Heizung spart Energie und entlastet das Bankkonto.

Foto: Panthermedia.net/AndreyPopov

In rund 80 Prozent aller Wohnhäuser soll schätzungsweise die Heizung falsch eingestellt sein, das kostet unnötig Energie und treibt die Heizkosten nach oben. Gerade diese stehen bei der anstehenden Gas- und Energieknappheit ganz besonders im Fokus. Wenn Sie diese senken, macht sich das sofort deutlich im Portemonnaie bemerkbar. Kleine Verbesserungen kann jeder selbst erledigen, für andere Dinge wie einen hydraulischen Abgleich braucht es einen Fachmann. Erfahren Sie in diesem Ratgeber, wie solch ein Abgleich funktioniert und was Sie sonst noch tun können, um die Heizung fit für den Winter zu machen.

Wenn der Heizkörper gluckert: Heizung entlüften

Im Laufe der Zeit kann sich Luft in den Heizkörpern ansammeln, das bemerken Sie daran, dass diese anfangen zu gluckern. In der Regel werden die Heizkörper im oberen Bereich dann auch nicht mehr richtig warm. Sie sollten ihn dann entlüften. Dazu benötigen Sie einen kleinen Heizkörperschlüssel, den Sie in jedem Baumarkt für kleines Geld bekommen.

Um die Heizung zu entlüften, schalten Sie diese besser vorher aus und warten etwas, bis der Heizkörper etwas abgekühlt hat. Öffnen Sie dann vorsichtig mit dem Heizkörperschlüssel das Entlüftungsventil. Das finden Sie in der Regel oben an der Heizung – auf der anderen Seite des Thermostats. Schließen Sie das Ventil, sobald keine Luft mehr entweicht. Halten Sie am besten ein kleines Gefäß bereit, um eventuell austretendes Heizwasser aufzunehmen.

Gut zu wissen:
Verdecken Sie Heizkörper nicht durch Vorhänge und Möbel, die warme Luft muss in den Räumen frei zirkulieren können. Auch richtig zu lüften, hilft Ihnen beim Energiesparen. Stoßlüften statt Kipplüften heißt die Devise

Heizungsdruck im Blick behalten

Der Druck Ihrer Heizung sollte stets im „grünen Bereich“, oft wörtlich zu nehmen, wenn Sie sich den runden Manometer des Druckmessgeräts anschauen. Im Idealfall hat der Heizungsinstallateur den Sollwert in der Anleitung oder auf einem gesonderten Merkzettel notiert. Wenn nichts davon zutrifft, fragen Sie beim Hersteller oder Installateur ihres Vertrauens nach. In der Regel

Ist der Heizungsdruck zu niedrig, ist Wasser aufzufüllen. Wie das funktioniert, können Sie in der Regel in der Bedienungsanleitung nachlesen. Lassen Sie sich zudem Tipps vom Heizungsbauer geben. Vorsicht: Haben auffällig viel Luft im Heizkörper und sinkt der Druck häufig ab, besteht die Gefahr von Lecks. Kontrollieren Sie dann Rohrleitungen und Heizkörper auf undichte Stellen. Ob Sie welche finden oder nicht: Die Beseitigung dieser ist die Aufgabe eines Profis. Übrigens kann ein defektes Druckausgleichsgefäß ähnliche Probleme verursachen.

Heizen nach Bedarf mit intelligenten Heizkörper-Thermostaten

Rund 70 Prozent unseres Energiebedarfs benötigen private Haushalte fürs Heizen. Oft wird auch geheizt, wenn es gar nicht notwendig ist – zum Beispiel, weil die Kinder in der Schule und die Eltern auf der Arbeit sind. Mit intelligenten Heizkörper-Thermostaten bekommen Sie diese unnötige Ressourcenverschwendung recht einfach und schnell in den Griff. Heizen nach Bedarf ist das Motto.

Herkömmliche Thermostate haben einen Drehgriff, mit denen Sie die Wärmezufuhr händisch drosseln oder aufdrehen können. Bei elektronischen Heizkörper-Thermostaten entfällt diese Handarbeit. Sie lassen sich so programmieren, dass der Heizkörper nur heizt, wenn er benötigt wird. Das kann das Bad morgens vor dem Duschen oder das Wohnzimmer nachmittags oder abends, wenn alle Zuhause sind.

Noch einen Schritt weiter gehen smarte Heizkörperthermostate. Bei ihnen nehmen Sie die Einstellungen nicht am Thermostat selbst, sondern über eine App vor. So können Sie zum Beispiel aus dem Urlaub heraus Ihre Wohnung erwärmen, wenn Sie wissen, wann Sie wieder zuhause sind. Sie sollten die Räume jedoch niemals komplett auskühlen lassen – etwa 16 Grad Celsius sollten es überall sein, um Feuchtigkeit und einer Schimmelbildung vorzubeugen.

Gut zu wissen:
Jedes Grad mehr Raumtemperatur erfordert rund fünf bis sechs Prozent mehr Heizenergiebedarf. Überlegen Sie daher genau, ob es wirklich 24 Grad Raumtemperatur sein müssen, oder ob vielleicht 20 Grad ausreichen. Dafür dann mit Pulli statt mit T-Shirt.

Hydraulischer Abgleich: Wenn die Heizkörper ungleichmäßig warm werden

In einem Haus ohne hydraulischen Abgleich nimmt das Heizungswasser den Weg des geringsten Widerstandes: Der dem Heizkessel am nächsten liegende Heizkörper wird eher warm als weiter weg liegende Heizkörper. Da hilft dann auch keine Einzelraumregelung mit elektrischen Heizkörper-Thermostaten. Ist der Heizkörper zu weit von der Heizungsanlage entfernt, wird er nicht richtig warm.

Mit einem hydraulischen Abgleich sorgt der Installateur dafür, dass alle Heizkörper gleichmäßig von warmem Wasser durchflossen werden – egal wie nah oder weit sie vom Kessel entfernt sind. Dafür braucht es voreinstellbare Thermostatventile. Falls bei Ihnen noch keine verbaut sind, müssen sogenannte Ventileinsätze nachgerüstet werden.

Solch ein Ventileinsatz enthält einen Zylinder mit unterschiedlich breiten Schlitzblenden. Beim hydraulischen Abgleich nimmt der Installateur den Thermostatkopf ab. Darunter kommt ein Zahlenkranz zum Vorschein, bei dem sich mit Hilfe eines Spezialschüssels der richtige Wert für den Durchfluss einstellen lässt. Diesen Wert errechnet der Heizungsfachmann anhand des Wärmebedarfs des Raumes und den Daten des Heizkörpers. Mittlerweile gibt es Heizungspumpen, die den hydraulischen Abgleich unterstützen.

Bekommen Sie einen neuen Wärmeerzeuger, ist der Heizungsbauer verpflichtet, einen hydraulischen Abgleich durchzuführen. Das gilt auch für Fußbodenheizungen. Haben Sie eine ältere Heizung und werden die Heizkörper ungleichmäßig warm, sollten Sie unbedingt einen hydraulischen Abgleich vornehmen lassen. Das kostet zwar erst einmal etwa fünf bis zehn Euro pro Quadratmeter Wohnfläche – Sie sparen danach aber auch jährlich bis zu einem Euro Gaskosten pro Quadratmeter Wohnfläche ein. Tendenz steigend, bei den inflationären Preissteigerungen für Gas derzeit.

Heizungspumpe austauschen, um Strom zu sparen

Möglicherweise versteckt sich in Ihrem Heizungskeller ein riesiger Stromfresser. Eine über zehn Jahre Umwälzpumpe sollten Sie unbedingt gegen eine moderne Hocheffizienzpumpe austauschen (lassen). Sie sollten wissen: eine Heizungspumpe läuft tausende von Stunden pro Jahr – und das oft auf höchster Stufe von über 50 Watt. Da kommen jährlich einige hundert Kilowattstunden zusammen.

Das muss nicht sein. Als Sofortmaßnahme können Sie die alte Heizungspumpe auf die kleinste Stufe stellen. Meist werden Sie keinen Unterschied bei der Heizleistung feststellen, denn pro Heizung benötigen Sie lediglich (Pi mal Daumen) etwa 1 Watt. Läuft die Pumpe auf 50 Watt, könnten Sie damit 50 Heizkörper erwärmen, so viele werden die wenigsten haben. Stellen Sie fest, dass der eine oder andere Heizkörper bei kleinster Pumpenleistung nicht richtig warm wird, deutet das darauf hin, dass das System nicht richtig abgeglichen ist.

Während Sie mit der Drosselung der alten Pumpen rund 50 Prozent Strom einsparen können, sind es mit einer Hocheffizienzpumpe sogar 80 bis 90 Prozent. Je nachdem, wie sehr die Strompreise in nächster Zeit steigen, haben Sie die Investitionskosten für die Installation einer neuen Pumpe von 250 bis 350 Euro innerhalb weniger Jahre wieder reingeholt. Und Sie leisten gleichzeitig einen kleinen Beitrag zur globalen Energieeinsparung.

Heizkurve richtig einstellen

Mit einer richtig eingestellten Heizkurve lässt sich der Energiebedarf weiter senken. Konkret gibt die Kurve vor, mit welcher Vorlauftemperatur Heizkörper abhängig von der Außentemperatur beschickt werden. Ist es draußen kälter, braucht es wärmeres Heizungswasser, um den Raum auf die Wunschtemperatur zu erwärmen als bei höheren Außentemperaturen.

Die Heizkennlinie ist eine noch recht moderne Errungenschaft. Früher hatte das Heizungswasser immer die gleiche Temperatur, ganz unabhängig davon, ob es draußen eine Temperatur -15 Grad Celsius oder +15 Grad Celsius hatte. Das ist heute anders und bei modernen Heizungsanlagen nach Energieeinsparverordnung (EnEV) bei Neuanlagen zudem vorgeschrieben.

Es gibt nicht die eine Heizkurve, die sich auf alle Gebäude übertragen lässt, daher kann es schon einmal vorkommen, dass sie falsch eingestellt ist und somit zu unnötig hohem Energieverbrauch führt. Die Kennlinie hängt von verschiedenen Faktoren wie Effizienz der Gebäudehülle, Art der Heizflächen, Wunschtemperatur oder Leistungsbedarf des Kessels ab. Es bedeutet daher stets etwas Tüftelei, ehe die ideale Heizkurve gefunden ist.

Wärmedämmung der Heizungsrohre

Heutzutage ist es Standard, dass die Heizungsrohre ausreichend gedämmt sind. Früher war das nicht so – in vielen Heizungskellern kommt Ihnen noch blankes Metall entgegen. Das sollten Sie ändern, denn durch ungedämmte Rohre verschleudern Sie unnötig viel Energie. Gehen Sie davon aus, dass pro Meter ungedämmten Heizungsrohr die Heizkostenabrechnung um mindestens 15 Euro pro Jahr höher ausfällt.

Die Kosten für die Dämmung der Heizungsrohre belaufen sich bei 5 bis 10 Euro – sie amortisieren sich somit innerhalb eines Jahres. Wählen Sie eine Dämmstärke von mindestens zwei Zentimetern. Bei Rohren mit größerem Durchmesser erhöhen Sie die Dämmstärke. Sie sollte immer mindestens so dick wie das Heizungsrohr sein.

Wie viel lässt sich insgesamt sparen?

Diese Frage kann nur schwierig beantwortet werden, denn die Energiepreise sind derzeit unberechenbar. Vieles hängt zudem davon ab, wie gut das Heizungssystem bislang optimiert ist. Einsparungen von 10 bis 15 Prozent sollten aber drin sein, das entspricht einem Gegenwert von mehreren hundert Euro.

Größere Sparpotenziale gibt es bei der Dämmung der Heizungsrohre oder dem Austausch der Wärmepumpe. Wenn Sie rein auf die Energieeinsparung schauen, bietet eine Wärmedämmung von Dach und Fassade große Chancen, die Heizkosten drastisch zu senken. Gleiches gilt für den Einbau einer modernen Heizungsanlage – eventuell in Kombination mit einer Wärmepumpe oder Solarthermieanlage. Bei diesen Maßnahmen sind jedoch sehr hohe Investitionskosten gegenzurechnen.

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Content-Manager beim VDI-Verlag. Nach einem Bauingenieurstudium und einer Weiterbildung zum Online-Redakteur, Volontariat und 20 Jahren als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop, landete er bei ingenieur.de. Er schreibt über Technik, Forschung und Karriere.

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