Ein Überblick 05.10.2012, 19:54 Uhr

Technische Gebäudeausrüstung: Eine Branche mit Zukunft

Ob Wärme oder Kälte, Wasser oder Licht, Transport von Menschen und Informationen – all das ist technische Gebäudeausrüstung. Sparsamer Umgang mit Ressourcen wird dabei immer wichtiger. Die Branche, in der in Deutschland rund 150 000 Ingenieure arbeiten, setzte im Jahr 2011 gut 40 Mrd. € um. Ein Überblick.

Haustechnik: Ein Markt mit vielen Innovationen.

Haustechnik: Ein Markt mit vielen Innovationen.

Foto: Schwäbisch Hall

Dem einen ist es zu warm, dem anderen zu kalt. Mit einem zentral gesteuerten Heizsystem kann man es nicht allen recht machen. Und diese Form vergeudet Energie: Obwohl im einen Zimmer einige Grad weniger genügen würden, wird stets das gesamte Heizungssystem mit gleich heißem Wasser versorgt.

Wilo, ein Unternehmen mit Sitz in Dortmund, das Pumpen für die technische Gebäudeausstattung produziert, hat eine Miniaturpumpe entwickelt, die direkt an den Heizkörper montiert wird. In einem Musterhaus wurde die Energieersparnis gemessen: Gegenüber herkömmlichen Anlagen waren 20 % weniger Heizenergie und 50 % weniger elektrische Energie für den Antrieb der Pumpen nötig. Die Pumpen an den Heizkörpern sind kleiner als Thermostate und werden mit energiesparsamer Technologie betrieben.

Roland Gentemann hat die Technologie für die Sensoren entwickelt. Diese senden Daten – beispielsweise Raumtemperatur, Heizwasserbedarf – an eine zentrale Managementeinheit, die Pumpendrehzahl und Heizleistung regelt. Und das für jeden einzelnen Heizkörper, die dennoch miteinander vernetzt sind. Das ist Heizungs-Hightech für angenehmes und energiesparsames Wohnen.

Technische Gebäudeausrüstung: Unternehmen Wilo beschäftigt weltweit 6700 Mitarbeiter

Gentemann, 34, hat an der Universität Dortmund Elektrotechnik studiert, zwischendurch einen Master of Science in Nanotechnologie an der University of Leeds and Sheffield, England, abgeschlossen und wurde anschließend in Dortmund am Lehrstuhl für Hochfrequenztechnologie promoviert. Daraufhin machte er sich auf die Jobsuche, entdeckte eine Stellenausschreibung von Wilo, in der das Unternehmen einen Entwicklungsingenieur für Sensorik suchte. „Das hat mich interessiert, ich habe mich vorgestellt und wurde eingestellt.“ Das war im September 2007, Ende 2009 brachte Wilo sein neues System auf den Markt.

Wilo entwickelt und produziert Pumpen. Ganz kleine und ganz große. Für Heizung, Klima, Kälte und Wasser. Das Unternehmen gehört zur Sparte technische Gebäudeausrüstung. 2011 lag der Umsatz von Wilo bei rund 1 Mrd. €. Das Unternehmen hat weltweit 6700 Mitarbeiter, davon 1650 in Deutschland. „Jeder fünfte Mitarbeiter ist Ingenieur“, sagt Ralf Schmechta, Senior Vice President Human Resources. Zwischen 20 und 30 Ingenieure werden in diesem Jahr in Deutschland dazukommen, es werden vor allem Maschinenbauer und Elektrotechniker sein. Das Einstiegsgehalt liegt bei rund 50000 €. „Bei den Bewerbern muss die technische Qualifikation passen. Wir legen aber genauso viel Wert auf die Persönlichkeit.“ Sie sollten in die jeweiligen Teams passen, in der Lage sein, ein Netzwerk aufzubauen und die Bereitschaft für Auslandseinsätze mitbringen.

Technische Gebäudeausrüstung: „Energie- und Ressourceneffizienz stehen im Vordergrund“

Ingenieure in der technischen Gebäudeausrüstung befassen sich vor allem mit Konzeption, Planung, Bau und Betrieb von Heizung, Klima und sanitären Anlagen, vom Einfamilienhaus bis zum Fabrikgebäude. „Energie- und Ressourceneffizienz stehen im Vordergrund“, sagt Günther Mertz, Hauptgeschäftsführer des Bundesindustrieverbandes Technische Gebäudeausrüstung. 2011 lag der Umsatz der Branche bei 40,7 Mrd. €, für 2012 erwartet der Verband ein Plus von 2 %. „Die Branche ist weitgehend mittelständisch, hat ein hohes Innovationspotenzial und trägt zur Energiewende bei.“ Das verleihe der technischen Gebäudeausrüstung eine hohe Anerkennung. Mertz bezeichnet sie als „technisches Bindeglied zwischen Mensch, Energie und Ressourcen“.

Während beim Bundesindustrieverband Unternehmen Mitglied werden können, gehören dem VDI-Fachbereich Technische Gebäudeausrüstung einzelne Ingenieure als Mitglieder an. Und im Vergleich zum Verband definiert der VDI-Fachbereich die Branche weiter – zur Ver- und Entsorgung mit Wärme, Kälte, Wasser kommen Strom, der Transport von Menschen, Gegenständen und Informationen hinzu. Rund 10 500 Ingenieure haben sich in diesem VDI-Fachbereich zusammengeschlossen, Thomas Terhorst ist dessen Geschäftsführer. Er schätzt die Anzahl der Ingenieure in der Branche in Deutschland auf etwa 150 000. Die am häufigsten vertretenen Gruppen sind Maschinenbauer und Elektrotechniker, zudem, so Terhorst, Ingenieure der Versorgungstechnik oder technischen Gebäudeausrüstung.

Technische Gebäudeausrüstung: Wirtschaftliche Aussichten sind günstig

Die wirtschaftliche Lage der technischen Gebäudeausrüstung bezeichnet Terhorst als gut, ebenso die mittelfristigen Aussichten. Die Gründe sieht er in der energetischen Sanierung von Gebäuden, die vom Neubau unabhängig ist, und im Austausch von Heizungsanlagen. „Jede vierte Anlage in Deutschland ist älter als 25 Jahre.“ Das Investitions- und Energiespar-Potenzial sei deshalb hoch.

Andere Beispiele für Wachstumstreiber sind nach Einschätzung von Terhorst Anlagen zur Steuerung und Regelung der Gebäudeautomation, Apps für Mobiltelefone, um Anlagen von unterwegs zu bedienen, oder das Herunterfahren von Heizungs- und Klimaanlagen in einzelnen Büros, wenn der Mitarbeiter nicht da ist. Beschäftigungschancen für Ingenieure gibt es zudem im Facility-Management, der professionellen Betreuung von Gebäuden. „Die vielen kleinen und mittelständischen Betriebe der Branche sind oft inhabergeführt und es gibt immer mehr Ingenieure in den Handwerksbetrieben“, so Terhorst. Große Unternehmen der Branche sind Anlagenbauer wie Imtech, Hersteller wie Siemens oder Wilo.

Erst seitdem Roland Gentemann in der technischen Gebäudeausrüstung arbeitet, weiß er von der Bedeutung dieser Branche. Ihm ging es vorher wie den meisten anderen von uns. Es ist einfach nur selbstverständlich, dass Wasser fließt, es im Sommer kühl und im Winter warm wird und das in Zeiten hoher Energiepreise möglichst effizient. Das wird Ingenieure in dieser Branche in den nächsten Jahren überwiegend beschäftigen. 

Von Peter Ilg

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