Lösung für Megastädte 26.08.2015, 08:55 Uhr

Schiffscontainer werden zu Hochhäusern in Slumvierteln

Das Architekturbüro CRG hat seine Lösung für bessere Unterkünfte in den Slumvierteln der Megastädte vorgestellt: bis zu 400 m hohe Wolkenkratzer aus gestapelten Schiffscontainern. 5000 Menschen könnten in einem solchen bunten Containerhochhaus wohnen.

Hochhäuser aus Schiffscontainern: Die Architekten wollen 4500 Container mehrere hundert Meter hoch stapeln. 

Hochhäuser aus Schiffscontainern: Die Architekten wollen 4500 Container mehrere hundert Meter hoch stapeln. 

Foto: CRG Architecture

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Die Trends der Urbanisierung sind eindeutig: Die Zahl der Megacities mit mindestens zehn Millionen Einwohnern wächst rasant und bis 2030 wird wahrscheinlich rund 60 % der Weltbevölkerung in einer Stadt leben. Für die zum Teil dramatischen Auswirkungen, die diese Entwicklung zum Beispiel auf die Wohnungssituation haben könnte, stellt das Architekturbüro CRG jetzt eine eigenwillige Lösung vor.

Dharavi ist einer der größten Slums in Asien

In einem Ideenwettbewerb war nach Ansätzen gesucht worden, wie man die Menschen in einem Slum der indischen Stadt Mumbai besser unterbringen könnte. Dharavi gilt mit 600.000 bis einer Million Bewohnern als einer der größten Slums in Asien und liegt mitten in der Stadt. Die CRG-Architekten stellen sich ein Wachstum in die Vertikale vor – allerdings nicht mit klassischen Baumaterialien. Grundbestandteile der Hochhäuser wären recycelte Schiffscontainer, die übereinandergestapelt in die Höhe wachsen.

Im Inneren des Hochhauses: Bei der kleinsten Einheit wäre in einem einzigen Container alles untergebracht – inklusive Bad und Küche. Bei größeren, zusammengelegten Containereinheiten entstünden 3-Zimmer-Wohnungen. 

Im Inneren des Hochhauses: Bei der kleinsten Einheit wäre in einem einzigen Container alles untergebracht – inklusive Bad und Küche. Bei größeren, zusammengelegten Containereinheiten entstünden 3-Zimmer-Wohnungen. 

Foto: CRG Architecture

In ihrem Konzept, für das sie den dritten Platz im Wettbewerb erreichten, sind zwei Containertürme vorgesehen. Ein großer Turm mit 400 m Höhe, 139 Stockwerken und 78.000 m2 Grundfläche und ein kleinerer mit 200 m, 78 Stockwerken und 26.000 m2 Fläche. Dafür würden insgesamt etwa 4500 Container benötigt, in denen dann bis zu 5000 Menschen unterkommen könnten. „Maximal können neun Container direkt übereinandergestapelt werden“, erklärt Architekt Carlos Gomez. Das heißt, es wird zusätzlich eine Betonkonstruktion benötigt, die den Containern Stabilität gibt.

Container werden je nach Himmelsrichtung bunt bemalt

In einem weiteren Turm, der sich im Inneren der zylinderförmig aufeinandergeschichteten Wohncontainer befindet, könnten Aufzüge und Wasserbehälter angebracht und Versorgungsleitungen eingezogen werden. Außerdem wäre dies der Ort für vertikale Gärten und gemeinschaftlich genutzte Einrichtungen wie Schulen, Läden oder medizinische Angebote. Durch die offene Konstruktion wäre die notwendige Luftzirkulation gewährleistet.

Die Wohnungen selbst könnten sehr unterschiedlich aussehen. Bei der kleinsten Einheit wäre in einem einzigen Container alles untergebracht, inklusive Bad und Küche. Bei größeren, zusammengelegten Containereinheiten entstünden Drei-Zimmer-Wohnungen. In der Außenansicht geben die Containertürme ein recht farbenfrohes Bild ab. Je nachdem in welche Himmelsrichtung sie zeigen, sollen sie die wärmeren und kühleren Seiten des Gebäudes zeigen und würden entsprechend in den Farben Rot, Gelb, Grün oder Blau angemalt.

Ob die Containertürme, zumindest in diesen Dimensionen, tatsächlich gebaut werden, ist ungewiss. Ganz abgesehen von den statischen und konstruktiven Herausforderungen, stellt sich die Frage, ob eine Modifizierung der Container wirklich preiswerter wäre als die Verwendung herkömmlicher, klimatisch besser geeigneter Materialien. 

In London hat sich derweil der Architekt James Furzer Gedanken über die Obdachlosen gemacht. Er plant kleine hölzerne Schlafkammern, die an Hausfassaden befestigt werden und für die Schutzsuchenden über eine Leiter zugänglich sind.

Von Gudrun von Schoenebeck

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