Soziale Architektur 24.08.2015, 12:46 Uhr

Schlafkammern für Obdachlose hängen an Hauswänden

Ein junger Architekt will für Obdachlose auf Londons Straßen eine alternative Übernachtungsgelegenheit schaffen. Er plant kleine Schlafkammern, die an Hausfassaden befestigt werden und über eine Leiter zugänglich sind. Mit seinem Projekt protestiert James Furzer auch gegen die Metallspitzen in vielen Hauseingängen, die Obdachlose fernhalten sollen.

Die hölzernen Schlafkammern sollen in Überkopfhöhe an Hausfassaden angebracht werden. 

Die hölzernen Schlafkammern sollen in Überkopfhöhe an Hausfassaden angebracht werden. 

Foto: James Furzer

Einen Prototyp für die hölzerne Schlafkammer gibt es noch nicht, aber in Plänen und Zeichnungen hat James Furzer sein Projekt bereits recht anschaulich vorgestellt. Die Behausung besteht aus Sperrholz mit einem Stahlrahmen, hat Fenster an der Straßenseite und ist für ein, vielleicht zwei Personen als Übernachtungsmöglichkeit gedacht. Die Besonderheit der Schlafkammern hat mit ihrem Standort zu tun, denn sie hängen in Überkopfhöhe an Hausfassaden. Zum Eingang gelangt man über eine Leiter.

Materialien für die Schlafkammer sollen billig und variabel sein

„Homes for the Homeless“ hat der junge Architekt James Furzer sein Projekt genannt, für das er zurzeit auf der Crowdfunding-Plattform Indiegogo um Unterstützung wirbt. Mit den erhofften 15.000 Britischen Pfund will Furzer einen Prototyp der Schlafkammer bauen. Die Materialien will er einfach, billig und möglichst variabel halten. Im Inneren soll es außer einer Matratze und Ablagemöglichkeiten sonst nichts geben, auch keine Strom- oder Wasseranschlüsse. Die Schlafkammer ist nicht als dauerhafte Bleibe gedacht, sondern soll einem Menschen für einige Stunden eine sichere, warme und trockene Unterkunft bieten.

Homes for the Homeless: Architekt James Furzer hat sich Gedanken über die Obdachlosen in London gemacht. Er plant kleine hölzerne Schlafkammern, die an Hausfassaden befestigt werden und für die Schutzsuchenden über eine Leiter zugänglich sind.

Homes for the Homeless: Architekt James Furzer hat sich Gedanken über die Obdachlosen in London gemacht. Er plant kleine hölzerne Schlafkammern, die an Hausfassaden befestigt werden und für die Schutzsuchenden über eine Leiter zugänglich sind.

Foto: James Furzer

„Ich weiß, dass ich damit das Obdachlosenproblem in London nicht lösen kann“, sagt der 26-jährige Architekt. Wie die Idee mit den Schlafkammern organisatorisch umgesetzt werden könnte, habe er sich noch nicht konkret überlegt. Eventuell könnten die Kammern von Wohltätigkeitsorganisationen betrieben und überwacht werden. „Es wird Zeit, dass wir unsere Haltung gegenüber Obdachlosen ändern. Sie haben das Recht, mit demselben Respekt wie jeder andere behandelt zu werden“, denkt James Furzer.

Metallspitzen in Londons Hauseingängen sollen Obdachlose abschrecken

Die Idee für das Projekt sei ihm überhaupt erst eingefallen, als er sich über die Metallspitzen in den Hauseingängen geärgert habe. Solche im Boden eingelassenen metallenen Stacheln sollen Obdachlose, die sich dort niederlassen wollen, abschrecken. Die Zahl der Obdachlosen in London, so James Furzer, habe in den letzten fünf Jahren dramatisch zugenommen. Etwa 750 Menschen würden pro Nacht irgendwo draußen in den Straßen der Hauptstadt übernachten, rund 6500 pro Jahr.

Künstlergruppe protestiert mit Matratze gegen Metallspitzen

Nicht nur James Furzer regt sich über die Stahlspitzen auf, die in den letzten Jahren zunehmend von Firmen in den Zugängen zu ihren Geschäftsgebäuden eingebaut wurden. Eine Künstlergruppe, die sich „Better Than Spikes“ nennt, richtet ihre Aktionen im Osten Londons ganz gezielt gegen die unbequemen Stacheln. Mit einer großen Matratze, einem Bücherregal und gebrauchten Büchern haben sie aus einer unbetretbaren Stelle einen einladenden Ort gemacht.

„Wenn man in der Stadt lebt, bewegt man sich entlang streng vorgeschriebener Linien“, sagen die Künstler von Better Than Spikes. „Uns wird gesagt, wo wir gehen können, sitzen dürfen und wo wir willkommen sind, wenn wir Geld ausgeben wollen. Es gibt nichts, das deutlicher sagen könnte ‚draußen bleiben‘ als diese Reihen von angespitzten Metallstacheln.“

Von Gudrun von Schoenebeck

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