Olympische Sommerspiele in London 03.08.2012, 11:00 Uhr

Olympia 2012 soll grün und nachhaltig werden

Wenn es nach den Veranstaltern geht, soll London 2012 als „die grünsten und nachhaltigsten Spiele“ in die Geschichte eingehen. Die neuen Sportarenen wurden mit teils recycelten Materialien gebaut und sollen nach Olympia weiter genutzt werden. Aus dem Olympic Park soll später ein riesiger Naherholungspark werden. Er krönt die städtebauliche Aufwertung des heruntergekommenen Londoner Ostens. Umweltschützer loben das Nachhaltigkeitskonzept, anderen geht es nicht weit genug.

Umweltfreundliche Hybridbusse kurven bereits durch London.

Umweltfreundliche Hybridbusse kurven bereits durch London.

Foto: Siemens

Jahrelang zählte der Arbeiterbezirk im East End der britischen Hauptstadt nicht gerade zu den bevorzugten Adressen der Londoner und der Touristen. Triste plattenbauartige Wohnblöcke und leer stehende Fabrikhallen prägten das trostlose Stadtbild. Armut und Arbeitslosigkeit dominierten hier.

Dank Olympia ist das East End inzwischen kaum noch wiederzuerkennen. Shopping-Malls und Firmenbüros haben sich angesiedelt. Und im einst so hässlichen Stadtbezirk Newham ist der Olympic Park entstanden, das Herzstück der Olympischen Spiele.

Olympia: Sportler hängen sich Medaillen aus Elektroschrott um

Auf dem rund 300 ha großen Gelände wurde gut 1 Mio. Kubikmeter mit Benzin, Arsen und Blei kontaminiertes Erdreich abgetragen, gereinigt und wieder genutzt. Wo einst Chemiefabriken, Ölraffinerien, Schlachthäuser und Kleingärten standen, thronen nun das neue Olympiastadion, die Schwimmhalle und andere Sportarenen. Dazwischen wuchert eine Vielzahl von Pflanzen. Den „Riverside Garden“ bepflanzte die britische Gartenbaukünstlerin Sarah Price mit 250 verschiedenen Pflanzenarten.

Oberbürgermeister will Olympia 2012 zu den grünsten Spielen machen

Nachhaltigkeit wird in London großgeschrieben. „Wir wollen, dass London die saubersten und grünsten Spiele aller Zeiten werden“, kündigte Oberbürgermeister Boris Johnson an. Es durften nur Sportstätten errichtet werden, die später der Region dienen oder die rückbau- und wiederverwertbar sind.

Ein Beispiel ist das Olympiastadion. Die Architekten Populous haben auf einen sparsamen Einsatz von Materialien geachtet. Nur 10 000 t Stahl wurden verbaut. Zum Vergleich: Im Olympiastadion von Peking von 2008 waren es vier Mal so viel. Das Dach besteht aus 2500 t ausrangierten Stahlrohren aus alten Gaspipelines. Nach den Spielen soll das Olympiastadion von 80 000 auf 60 000 Plätze zurückgebaut und von einem Fußballverein genutzt werden.

Auch der größte architektonische Hingucker, das Aquatic Center, soll nach den Spielen wiederverwendet werden – als öffentliches Hallenbad.

Beim Wasserverbrauch setzt das Aquatic Center Maßstäbe. Das überfließende Wasser des Schwimmbeckens wird unter anderem für die Toilettenspülung wieder verwendet. Einziger Schönheitsfleck ist die Klimaanlage. Sie verbraucht sehr viel Energie während der Schwimm-Wettkämpfe. Das von der irakisch-britischen Architektin Zaha Hadid konzipierte Gebäude ähnelt einem schwebenden Ufo. Dafür sorgt vor allem das 160 m lange geschwungene Dach.

In puncto Nachhaltigkeit vorbildlich: Das Velodrom

Aus Nachhaltigkeitssicht dürfte das Velodrom am vorbildlichsten sein. Die natürliche Ventilation, die das Airconditioning überflüssig macht, und die transparenten Dachfenster garantieren einen sparsamen Energieverbrauch. Durch das Sammeln von Regenwasser können 70 % Wasser aus der Leitung eingespart werden. Das Holz und die Außenhülle der Radrennbahn kommen aus nachhaltigem Anbau. Viele Londoner machen sich aber über das Gebäude von Hopkins Architects lustig und nennen es scherzhaft „The Pringle“, weil es wie ein Kartoffelchip aussieht.

Die Handballer und Fechter kämpfen ebenfalls relativ nachhaltig um ihre Medaillen in der Copper Hall. Die Fassade ist mit recyceltem Kupfer verkleidet.

Besonders schlicht wirkt die Basketballhalle – mit ihrer Fassade aus weißen PVC-Membranen. Kein Wunder, die Halle soll nach den Spielen abmontiert und anderswo wieder aufgestellt werden. Interesse an dem temporären Gebäude hat Rio de Janeiro signalisiert, wo 2016 die nächsten Olympischen Sommerspiele stattfinden. Eine solche Weiternutzung von großen Sportarenen gab es bisher in der olympischen Geschichte nicht.

Unter all den Arenen und Gebäuden im Olympic Parc ragt einer heraus: der „Orbit“ des britischen Künstlers Anish Kapoor. Der Stahlturm ist 115 m hoch und überragt somit selbst den Glockenturm von Big Ben. Der „Orbit“ dient als Imageträger von ArcelorMittal. Der Stahlkonzern hat den rund 27 Mio. € teuren Turm fast komplett selbst finanziert. Was an dem Turm nachhaltig sein soll, bleibt ein Rätsel. Umweltschützer monieren die hohe Menge an Stahl (1400 t), die hier verbaut wurde.

Klimaneutral werden natürlich auch die Spiele von London nicht sein. Laut Schätzungen der Organisatoren wird Olympia etwa 3,4 Mio. t CO2-Emissionen verursachen.

Die Klimabilanz wurde teilweise dadurch optimiert, dass Häuser in den Nachbarvierteln des Olympiaparks wärmegedämmt und saniert wurden. „Besser wäre es gewesen, Emissionen vorneweg zu vermeiden“, räumt David Stubbs, Chef der Nachhaltigkeitsabteilung der Olympiaorganisation ein.

Wenig grün: Olympia 2012 bezieht 80 % seiner Energie aus Atomenergie

Kritisch wird auch der Einsatz von Atomenergie gesehen. 80 % des Energiebedarfs bei den Spielen wird von Atomkraftwerken des Stromkonzerns EDF gedeckt. Nur 20 % kommen aus erneuerbaren Energien.

Geschätzte 11 Mrd. € wurden seit 2005, als London den Zuschlag erhielt, in den Olympic Parc investiert. Hinzu kommen fast 8 Mrd. €, die in das veraltete öffentliche Nahverkehrsnetz der Stadt gesteckt wurden. Profitiert hat davon vor allem der Londoner Osten. Durch den Ausbau der Bahn-Infrastruktur ist er nun rasch und einfach vom Zentrum aus zu erreichen. Manche sprechen denn auch vom „Aufbau Ost“.

 

Ein Beitrag von:

  • Notker Blechner

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