Den Himmel stürmend 10.11.2014, 16:18 Uhr

Architekturmuseum Frankfurt erzählt Geschichte Mainhattans

Solch ein Hochhaus-Feeling verbreitet keine andere Stadt in Deutschland: Frankfurt zählt 30 Hochhäuser über 100 Meter, 500 über 60 Meter, und keine andere Stadt hat eine Straßenschlucht, die sich Bankenklamm nennt. Doch wie kam es, dass sich Frankfurt so dem Hochhaus verschrieben hat? Das Deutsche Architekturmuseum erzählt die Geschichte.

Der neue EZB-Tower auf dem Gelände des früheren Frankfurter Großmarktes. Im Hintergrund die Skyline von Frankfurt.

Der neue EZB-Tower auf dem Gelände des früheren Frankfurter Großmarktes. Im Hintergrund die Skyline von Frankfurt.

Foto: DAM/Robert Metsch

Der neue EZB-Tower auf dem Gelände des früheren Frankfurter Großmarktes. Im Hintergrund die Skyline von Frankfurt.

Foto: DAM/Robert Metsch

Der Opernplatz in Frankfurt mit der historischen und nach dem Krieg wieder aufgebauten Alten Oper, dem Zürich-Haus und SGZ-Hochhaus, aufgenommen im Jahr 1985.

Foto: DAM/Klaus Meier-Ude

Modell des Strukturplans für die Hochhausverdichtung in Frankfurt aus dem Jahr 1965.

Foto: DAM/Het Nieuwe Instituut Rotterdam

Blick auf das Bankenviertel im Jahr 2001.

Foto: DAM/Frank-Heinrich Müller

Die Olivetti-Zentrale von Egon Eiermann aus dem Jahr 1972.

Foto: DAM/Archiv Wayss & Freytag Ingenieurbau AG

Das Maintor-Quartier am Main.

Foto: DAM/DIC-Gruppe

Auch Frankfurt war mal eine ganz normale Stadt mit Häusern, die die 96 Meter des Domes nicht überragten. Doch die Freiflächen, die die schlimme Bombardierung der Stadt hinterließ, und die Enttäuschung, 1949 im Wettstreit um den Sitz der Bundeshauptstadt dem kleinen rheinischen Bonn unterlegen zu sein, ließ Raum für kühne Ideen entstehen. Denn die Stadt besann sich auf ihre Geschichte als Handels- und Finanzplatz und verfolgte so kühne Ideen wie alle Hauptstraßen zur Bebauung mit Hochhäusern freizugeben.

Das Bankenviertel gehört zu Frankfurt wie der Dom zu Köln

Es ist eine spannende Geschichte, die das Deutsche Architekturmuseum in Frankfurt noch bis zum 19. April nächsten Jahres erzählt. Ein Geschichte, die auch zeigt, dass die Frankfurter zunächst gar nicht begeistert waren über die architektonische Verwandlung ihrer Stadt. Es gab sogar Häuserkämpfe und offenen Applaus, als einmal ein Rohbau in Flammen aufging.

Der Henninger Turm der gleichnamigen Brauerei im Jahr 1972: Heute ist der Turm ein begehrter Wohnort.

Der Henninger Turm der gleichnamigen Brauerei im Jahr 1972: Heute ist der Turm ein begehrter Wohnort.

Foto: DAM/Tadeusz Dabrowski

Heute gehören die Hochhäuser der Stadt genauso zu Frankfurt wie Apfelwein und Grüne Soße. Frankfurt ohne Skyline wäre nicht Frankfurt. Das Bankenviertel gehört zu Frankfurt wie der Dom zu Köln.

500 Gebäude ragen heute über 60 Meter in die Höhe, 30 Hochhäuser überragen die Grenze von 100 Meter. Alle überragend steht Deutschlands höchstes Haus, der Commerzbank Tower mit 259 Metern Höhe, gleich in der Nähe des Towers der Landesbank Hessen-Thüringen. Beide bilden gemeinsam die heutige Krone der Frankfurter Skyline.

Blick auf die Hochhausstadt Frankfurt am Main: Das Deutsche Architekturmuseum erzählt in einer Ausstellung, wie es zu dieser für eine deutsche Stadt einzigartigen Entwicklung kam.

Blick auf die Hochhausstadt Frankfurt am Main: Das Deutsche Architekturmuseum erzählt in einer Ausstellung, wie es zu dieser für eine deutsche Stadt einzigartigen Entwicklung kam.

Foto: DAM/Uwe Dettmar

Faszinierende Hochhäuser großer Architekten

Doch es gibt viele Türme, die der Stadt Akzente verleihen. So der Henninger Turm, auf dem Gelände der gleichnamigen Brauerei, der inzwischen zu einem exklusiven Wohnhaus geworden ist. Oder der an einen Bleistift erinnernde Messeturm. Der Tower der Deutschen Bank, der schon manche Straßenschlacht erlebt hat. Oder aber der elegante, neue Turm der Europäischen Zentralbank, direkt am Main auf dem ehemaligen Großmarkt.

Sie alle und ihre großartigen Architekten sind natürlich Teil der Ausstellung. Bereits in den Trümmern der Innenstadt wurden nach dem Zweiten Weltkrieg erste Hochhäuser an den am stärksten zerstörten Straßen wie der Zeil und der Kaiserstraße gebaut. Die Entwicklung des Frankfurter Bankenviertels begann mit der Gründung der Bank deutscher Länder 1948. Entlang der Neuen Mainzer Straße entstand ein Bankenhochhaus nach dem anderen – jedoch ragten die Gebäude gerade einmal 50 Meter hoch.

Blick in die Bankenklamm des Frankfurter Bankenviertels Richtung Süden.

Blick in die Bankenklamm des Frankfurter Bankenviertels Richtung Süden.

Foto: DAM/Klaus Helbig

Der erste Hochhausplan entstand 1953 durch den Stadtplanungsamtsleiter Herbert Boehm. Als 1957 die Deutsche Bundesbank in Frankfurt ihren Sitz nahm, folgten weitere hohe Bankgebäude. Mit dem nächsten Hochhausplan wurde bereits bis zu einer Höhe von 160 Metern gebaut. Es folgten die BfG-Bank, die Commerzbank und die Helaba, die sogenannte Bankenklamm entstand. Ähnlich wie an der Wall Street stechen in der Bankenklamm die Hochhäuser eng aneinander und bilden regelrecht eine Schlucht.

Spannend: Inzwischen erobern die Hochhäuser auch neue Gebiete, vor allem neuerdings den Frankfurter Osten. Lange war der Osten städtebaulich stark benachteiligt. Nach der Schließung des Schlachthofes und später der Großmarkthalle wurde ein riesiges Areal frei, das den Platz bot, um große Projekte den notwendigen Platz zu bieten. Die EZB nutzte die Chance und hat hier ihren spektakulären EZB-Tower errichtet.

Und damit ist die Entwicklung längst nicht zu Ende. Gerade ist der höchste Wohnturm der Stadt im Europaviertel in Planung.

Das mit 259 Metern höchste Haus Deutschlands: der Commerzbank-Tower in Frankfurt.

Das mit 259 Metern höchste Haus Deutschlands: der Commerzbank-Tower in Frankfurt.

Foto: DMA/Uwe Dettmar

Der Besucher der Ausstellung begegnet jedoch auch Häusern, die nie gebaut wurden: So wurden Überbauungspläne für den Hauptbahnhof entworfen, die zum Glück nie realisiert wurden. Denn auch in Frankfurt gab es Pläne für ein Frankfurt 21. Der historische Bahnhof, eine der schönsten Bahnhöfe in Deutschland, sollte nur noch als Kulisse stehen bleiben und von Hochhäusern überbaut werden.

Führung durch den Commerzbank Tower

Ein umfangreiches Rahmenprogramm mit Führungen und hochkarätigen Vorträgen begleitet die Ausstellung. Neben den öffentlichen Führungen gibt es auch Hochhausführungen im Commerzbank-Tower sowie einen Osterspaziergang durch das Bankenviertel.

Starke Kontraste in Frankfurt: Der Nextower und Hotelturm Jumeirah hinter dem historischen Thurn-und-Taxis-Palais.

Starke Kontraste in Frankfurt: Der Nextower und Hotelturm Jumeirah hinter dem historischen Thurn-und-Taxis-Palais.

Foto: DAM/Jean-Luc Valentin

Kinder können sich auf der Legobaustelle vom 26. Dezember bis 11. Januar als Baumeister mit Höhenrausch versuchen. Die Ausstellung ist bis zum 19. April 2015 im Deutschen Architekturmuseum  zu sehen. Mit der Ausstellung erscheint auch das Buch „Hochhausstadt Frankfurt. Bauten und Visionen seit 1945“ im Prestel Verlag für 39 Euro im Museumsshop und für 49,95 Euro im Buchhandel. Ein Hochhaus-Buch für Kinder gibt es für 9,80 Euro.

Das Bienenkorbhaus im Jahr 1977.

Das Bienenkorbhaus im Jahr 1977.

Foto: DAM/Klaus Meier-Ude

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