Schiefer Turm von San Francisco 02.12.2016, 14:23 Uhr

200 Meter hoher Millennium Tower sinkt ab und neigt sich

Das höchste Wohngebäude San Franciscos sinkt Jahr für Jahr um mehrere Zentimeter ab. Das zeigen Satellitenbilder der Europäischen Weltraumbehörde ESA. Und in Schieflage gerät das gerade einmal sieben Jahre alte Luxusgebäude auch. Stadt und Bewohner vermuten Pfusch am Bau. Ob sie Recht haben, sollen Experten ermitteln. 

Der 200 m hohe Millennium Tower (2.v.r), der sich in den Fenstern der Gebäude spiegelt, hat 58 Etagen und mutiert zum schiefen Turm. Jedes Jahr sackt das Wohnhaus in San Francisco mehrere Zentimeter ab. 

Der 200 m hohe Millennium Tower (2.v.r), der sich in den Fenstern der Gebäude spiegelt, hat 58 Etagen und mutiert zum schiefen Turm. Jedes Jahr sackt das Wohnhaus in San Francisco mehrere Zentimeter ab. 

Foto: John G. Mabanglo/dpa

Was haben San Francisco und Pisa gemeinsam? Einen schiefen Turm. Während sich das antike Bauwerk in Italien aber prächtig als Touristenattraktion macht und kein Sicherheitsrisiko darstellt, sieht der Fall in der amerikanischen Metropole deutlich anders aus: Hier handelt es sich um den 200 m hohen und mit gerade mal sieben Jahren brandneuen Millennium Tower, das höchste Wohngebäude der Stadt. Das supermoderne Bauwerk mit rund 400 Luxus-Wohnungen auf 58 Stockwerken und eigenem Swimming-Pool sackt ab – und das auch noch ungleichmäßig, sodass sich der Turm inzwischen erkennbar zur Seite neigt. Seit Fertigstellung im Jahr 2009 ist das Gebäude einem Gutachter zufolge 40 cm abgesunken und um 15 cm zur Seite gekippt.

Neigung ist bereits spürbar

Im Innern des Wolkenkratzers lässt sich die Neigung bereits mit einfachen Hausmitteln feststellen: Ein Bewohner des Towers hat ein Video online gestellt, in dem eine rollende Murmel aufgrund der Neigung mitten im Lauf die Richtung wechselt. Auch Risse und eintretendes Wasser gebe es. Die Bewohner fürchten inzwischen um ihre Sicherheit – und natürlich auch um den Wert ihrer Millionen-Dollar-Wohnungen. Dass San Francisco sowieso stark erdbebengefährdet ist, macht das Ganze nicht besser.

Inzwischen ist die Ab- und Seitwärtsbewegung auch von buchstäblich höchster Warte bestätigt: Die beiden Sentinel-1-Satelliten der Europäischen Weltraumbehörde ESA haben die Gegend mit Radarwellen abgetastet. Aus den vom Boden und den Gebäude reflektierten Daten konnten die Abweichungen zwischen Februar 2015 und September 2016 exakt errechnet werden – inklusive einem Vergleich mit den umliegenden Gebäuden.

Europäische Sentinel-Satelliten lieferten den Nachweis

Dies ist eine Kernkompetenz der zum Copernicus-Programm der ESA gehörenden Erdbeobachtungssatelliten. Das Programm soll in erster Linie politischen Entscheidern umwelt- und sicherheitspolitisch relevante Informationen liefern; die Daten stehen aber grundsätzlich jedermann zur Verfügung. Seit 2014 bzw. April 2016 tasten Sentinel 1A und Sentinel 1B die Erde aus einem rund 700 Kilometer hohen Orbit streifenweise mit einem C-Band-Radar mit synthetischer Apertur ab, der eine Wellenlänge von 6 cm hat. Dabei entsteht eine zweidimensionale Darstellung des jeweiligen Gebiets, die sich mit früheren Aufnahmen abgleichen lässt.

Aus den Daten der Sentinel-Satelliten, aufgenommen zwischen dem 22. Februar 2015 und dem 20. September 2016, lässt sich errechnen, dass der Millennium Tower 50 mm pro Jahr absackt.  

Aus den Daten der Sentinel-Satelliten, aufgenommen zwischen dem 22. Februar 2015 und dem 20. September 2016, lässt sich errechnen, dass der Millennium Tower 50 mm pro Jahr absackt.  

Foto: ESA SEOM INSARAP study / PPO.lab/dpa

Der Vergleich brachte Alarmierendes zutage. Um „einige Zentimeter pro Jahr“ sinke das Gebäude ab, schrieb die ESA in einer Erklärung, und auch die Neigung lasse sich feststellen. Betroffen sind den Bildern zufolge auch zwei Gebäude in unmittelbarer Umgebung. Unverändert dagegen erscheint der überwiegende Rest von San Francisco – da hat sich höhenmäßig wenig getan im fraglichen Zeitraum.

Bewohner und Stadt vermuten Pfusch am Bau

Beim Absinken des Turms handelt es sich also offenkundig um ein punktuelles Phänomen – darüber, wodurch es genau ausgelöst wird, streiten sich inzwischen nicht nur die Geister, sondern ganz handfest die Gerichte: Es geht um den Verdacht „Pfusch am Bau“ und die Summe von 500 Millionen Dollar. Sowohl die Bewohner als auch die Stadt Francisco klagen gegen die Baugesellschaft Millennium Partners. Das Unternehmen muss sich möglicherweise auch strafrechtlich verantworten, wenn sich der Pfusch-Verdacht erhärtet.

Die Bewohner des Millennium Tower fürchten inzwischen um ihre Sicherheit. 

Die Bewohner des Millennium Tower fürchten inzwischen um ihre Sicherheit. 

Foto: John G. Mabanglo/dpa

Die Pfeiler, auf denen das Fundament des Millennium Towers ruht, seien mit 30 m nicht lang genug, so der Vorwurf: Der sandig-weiche Boden unter dem Turm sei doppelt so tief, erst nach 60 m gebe es solide Felsschichten. Das Gewicht des Gebäudes, so die Theorie, drücke den Untergrund zusammen. Ein Ende des Absinkens sei nicht abzusehen. Die Baugesellschaft wiederum sieht den Grund woanders, nämlich direkt nebenan: Hier entsteht eine Bus- und U-Bahn-Station. Dafür sei Grundwasser abgepumpt worden, was wiederum den Boden destabilisiere, so die Baufirma. Jetzt stehen Probebohrungen und andere Tests an, mithilfe derer die wahre Ursache abgeklärt werden soll. 

Übrigens hat der Mensch inzwischen eine Masse von 30 Billionen Tonnen Ressourcen in technische Artefakte (Häuser, Straßen etc.) umgewandelt. Das ist mehr als die Erde an Lebewesen aller Art hervorbringt. Mehr dazu finden Sie hier. Und auf dieser Seite können Sie sich die zehn höchsten Gebäude der Welt anschauen.

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