CeBIT 2014 12.03.2014, 14:00 Uhr

Neuheiten: Affenroboter Charlie für den Mond und ein 3D-Stift zum Malen in der Luft

Der Affenroboter Charlie könnte in Zukunft Mondrovern die Arbeit abnehmen und dabei sogar steile Mondkrater herabklettern. Zu sehen ist er auf dem CeBIT-Stand des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz. Das Start-up Wooble zeigt in direkter Nachbarschaft einen 3D-Stift, mit dem man in die Luft malen kann. Das Karlsruher Institut für Technologie präsentiert einen Bewegungshandschuh als Tastaturersatz. 

Charlie soll auf vier Beinen Mondkrater herabsteigen können. Er kann sich anschließend auch aufrichten und die vorderen Gliedmaße als Werkzeuge nutzen. Möglich machen das eine neuartige Wirbelsäule und Bewegungssensoren unter den Füßen. 

Charlie soll auf vier Beinen Mondkrater herabsteigen können. Er kann sich anschließend auch aufrichten und die vorderen Gliedmaße als Werkzeuge nutzen. Möglich machen das eine neuartige Wirbelsäule und Bewegungssensoren unter den Füßen. 

Foto: DFKI

Fast Unglaubliches erwartet den Besucher am Stand des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI). Die Forscher aus Hannover zeigen dort den affenähnlichen Roboter Charlie. Er soll in Zukunft tatsächlich eine Alternative für Rover auf dem Mond sein. Denn diese sind immer dann aufgeschmissen, wenn das Gelände zu uneben wird.

Charlie könnte hingegen sogar steile Mondkrater herabklettern. „Die flexible iStruct-Wirbelsäule erlaubt die Bewegung in sechs Raumrichtungen“, erklärt Projektleiter Daniel Kühn. Charlie kann sogar den Körperschwerpunkt verlagern, sich auf zwei Beine aufrichten und die vorderen Gliedmaße als Werkzeuge benutzen. Möglich wird das durch Sensoren in den Füßen. Diese geben genaue Auskunft über den Bodenkontakt, so dass der Roboter automatisch balancieren kann. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) scheint an Charlie zu glauben. Es sponserte die Entwicklung in den letzten drei Jahren mit 3,3 Millionen Euro.

Mit einem 3D-Stift in die Luft malen 

Ein paar Stände weiter zeigt Wobbleworks, wie das Zeichnen von morgen aussehen könnte. Das amerikanische Start-up präsentiert den Stift 3Doodler. Aus dem Stift kommt eine feine Linie aus heißem Plastik, die sofort abkühlt. Man kann also Linien und Strukturen direkt in die Luft malen. Der Fantasie sind beim räumlichen Zeichnen keine Grenzen mehr gesetzt. Wobbleworks beweist das mit einem Bild des Eiffelturms, das ein Künstler mit 3Doodler in die Luft gemalt hat.

Der 3D-Stift 3Doodler erzeugt eine heiße Linie aus Plastik, die sofort abkühlt. Selbst komplexe Strukturen wie die des Eiffelturms lassen sich in die Luft malen. 

Der 3D-Stift 3Doodler erzeugt eine heiße Linie aus Plastik, die sofort abkühlt. Selbst komplexe Strukturen wie die des Eiffelturms lassen sich in die Luft malen. 

Quelle: Wobbleworks

Der Stift findet übrigens auch genügend Abnehmer. Das Unternehmen hat die Crowdfunding-Plattform Kickstarter genutzt und innerhalb weniger Tage über zwei Millionen Dollar an Zuschuss erhalten.

Bewegungshandschuh ersetzt Tippen auf Smartphonedisplay

Ein heißes Thema auf der CeBIT sind auch Wearable Computing Anwendungen, also Computersysteme, die der Nutzer wie Kleidung am Körper tragen kann. Das Karlsruher Institut für Technologie präsentiert einen Handschuh, der in Zukunft eine Alternative zur Tastatur sein soll. „Der Airwriting-Handschuh erlaubt es, in die Luft zu schreiben wie auf eine unsichtbare Tafel“, erklärt Entwickler Christoph Amma.

Beschleunigungs- und Drehratensensoren erfassen die Bewegungen der Hand. Ein Computersystem prüft zunächst, ob der Nutzer überhaupt schreiben will. Amma: „Alle nicht schriftähnlichen Bewegungen werden ignoriert – wenn ich beispielsweise koche, Wäsche wasche oder jemandem zuwinke.“ Schreibt der Nutzer tatsächlich, entschlüsselt das System die Schrift über Verfahren der Mustererkennung. Für jeden Buchstaben des Alphabets ist ein statistisches Modell des charakteristischen Signalverlaufs hinterlegt.

Der Handschuh des KIT ist mit Sensoren ausgestattet, die Bewegungen der Hand registrieren. Dank einer Mustererkennung könnten Nutzer der Datenbrillen Nachrichten zukünftig in die Luft schreiben. 

Der Handschuh des KIT ist mit Sensoren ausgestattet, die Bewegungen der Hand registrieren. Dank einer Mustererkennung könnten Nutzer der Datenbrillen Nachrichten zukünftig in die Luft schreiben. 

Quelle: KIT

Die Technologie könnte eine sinnvolle Ergänzung der Datenbrillen sein, die Nachrichten in das Sichtfeld des Nutzers einblenden. „Kombiniert man ein solches System mit der Möglichkeit, Kommandos und Texte durch Gesten einzugeben, ist es überhaupt nicht mehr notwendig, ein Gerät in der Hand zu halten“, erklärt Amma.  

Fraunhofer Institut SIT will Industrie vor Datenklau schützen

Das Fraunhofer-Institut will Industriebetriebe vor Datendiebstahl schützen. Denn während Konstruktionsdaten heute meist gut vor fremdem Zugriff geschützt sind, liegen Fabrikationsdaten oft ungesichert direkt auf den computergestützten Maschinen. Ein infizierter Rechner oder ein USB-Stick reichen für den Datenklau aus.

Die Fraunhofer Forscher aus Darmstadt haben deshalb eine Software entwickelt, die Computer und Maschinen über einen geschützten Transportkanal miteinander kommunizieren lässt. „Bisher existiert aus unserer Kenntnis kein vergleichbarer Schutz für Fabrikationsdaten, die direkt auf den Werkzeugmaschinen liegen“, erklärt Thomas Dexheimer vom Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie (SIT).

Zusätzlich zeigt das SIT sein Trusted-Core-Network, das IT-Netzwerke vor Hackerangriffen schützen soll. „Beide Sicherheitstechnologien sind wichtige Bausteine für das angestrebte Industrie 4.0 Szenario.“ In der vierten industriellen Revolution sollen cyberphysische Systeme und das Internet der Dinge in die Fabrikhallen einziehen. „Diese Revolution kann nur funktionieren, wenn das geistige Eigentum ausreichend geschützt wird.“

  • Patrick Schroeder

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