Kommunikation im Team

Wie Sie eine gute Streitkultur entwickeln

Erfolgreiche Unternehmen brauchen eine funktionierende Streitkultur, die Teil der Leitkultur ist. Denn eine konstruktive Kommunikation führt zu besseren Ergebnissen des gesamten Teams.

Zwei Arme im Anzug halten ein Seil fest - bereit zum Tauziehen

Streiten ist auch im geschäftlichen Umfeld wichtig. Aber nur auf Augenhöhe und mit festen Regeln.

Foto: panthermedia.net/jamesgroup

  1. Vorteile einer gesunden Streitkultur
  2. Vorhandensein einer Streitkultur prüfen
  3. Eine gute Streitkultur einführen
  4. Der eigene Beitrag – die Checkliste

Eine gute Streitkultur treibt Innovationen voran. Denn abweichende Meinungen führen dazu, dass Prozesse und Produkte infrage gestellt und schließlich weiterentwickelt werden. Dennoch ist dieses Verständnis in den Leitkulturen vieler Unternehmen noch nicht verankert. Alle Mitarbeiter – vor allem, wenn sie als Führungskräfte eingesetzt sind und ihre Karriere vorantreiben wollen – können dazu beitragen, das zu ändern und eine Streitkultur mit offener Kommunikation zu entwickeln.

Dabei ist es keineswegs so, dass die zunehmend flacheren Hierarchien die Streitkulturen der Unternehmen in positiver Weise gefördert hätten. Zwar gibt es nun in einigen Betrieben keinen Vorgesetzten mehr, der lautstarke Konflikte unter Kollegen durch professionelles Konfliktmanagement unterbinden kann. Doch eine gute Streitkultur entsteht nicht durch die Freiheit, sich anzuschreien, sondern durch respektvolle Kommunikation im Team.

Warum ist es für die Karriere wichtig, eine gute Streitkultur zu beherrschen?

Die Grundlage einer guten Streitkultur sieht folgendermaßen aus: Die Teammitglieder sind in der Lage, sich zu einem Thema konstruktiv miteinander auseinanderzusetzen. Die sachlichen Argumente nehmen sie als solche wahr und tragen sie nicht auf eine persönliche Ebene. Wer diese Definition hört, gewinnt schnell den Eindruck, dass es sich um die Beschreibung wichtiger Soft Skills für Führungskräfte handelt. Und genau das ist auch der Fall. Wer als Ingenieur Karriere machen möchte, sollte die Grundlagen einer gesunden Streitkultur beherrschen und im besten Fall in der Lage sein, sie bei anderen Mitgliedern etwa eines Projektteams zu entwickeln.

Ein weiterer Aspekt kommt hinzu: Unabhängig davon, in welcher Branche Sie als Ingenieur beschäftigt sind: Die Streitkultur ist ein Treiber für Innovationen. Sie werden daher mit großer Wahrscheinlichkeit in Ihrem Beruf erfolgreicher sein und schneller Karriere machen, wenn Sie sich mit dem Thema Streitkultur auseinandersetzen.

Wie steht es um Ihre Streitkultur und die Ihres Teams?

Um eine gute Streitkultur zu entwickeln, muss die Ausgangslage am Arbeitsplatz bekannt sein. Es beginnt mit einer Analyse der Leitkultur im Unternehmen, zu der die Streitkultur gehört. Beantworten Sie dafür folgende Fragen:

  1. Sind Teamsitzungen in Ihrer Abteilung eher selten?
  2. Gibt es Konflikte unter Kollegen, von denen alle wissen?
  3. Lehnt Ihr Vorgesetzter eine Kommunikation über Konflikte ab?
  4. Wird bei einer Besprechung im Unternehmen so leidenschaftlich diskutiert, dass einige Mitglieder des Teams anschließend persönlich beleidigt sind?
  5. Ist bekannt, dass nur die lautesten Mitarbeiter beim Chef Gehör finden?
  6. Gibt es Kollegen, die sich zu konfliktträchtigen Themen gar nicht äußern?
  7. Unterbindet Ihr Vorgesetzter Diskussionen mit einem Machtwort?
  8. Wird nach solchen Besprechungen im kleineren Kreis darüber diskutiert, wer sich wie genau verhalten hat?
  9. Oder wird bei Ihnen nie diskutiert, weil alles immer ganz harmonisch abläuft?

Die folgenden Fragen geben Ihnen – in einem gewissen Rahmen – Aufschluss über Ihre eigene Streitkultur:

  1. Ziehen Sie sich lieber zurück, wenn Kollegen aus Ihrem Team eine Diskussion starten?
  2. Sind Sie ganz vorne dabei, sobald es hitzig wird und überlegen sich schon die griffigsten Formulierungen, um die anderen rhetorisch in die Ecke zu treiben?
  3. Fühlen Sie sich schnell angegriffen, wenn ein Kollege vehement eine andere Meinung vertritt?
  4. Hängen Ihnen Diskussionen, in denen Sie als „Verlierer“ dastanden, noch lange nach?
  5. Haben Sie das Talent, die Schwächen Ihrer Kollegen zu erkennen und können daraus in einer Diskussion Kapital schlagen?
  6. Empfinden Sie es als Sieg, wenn Ihr Vorschlag Akzeptanz findet? Oder umgekehrt als Niederlage, wenn Ihre Ideen auf Ablehnung stoßen?
  7. Ist es Ihnen wichtig, im Nachgang zu einer Diskussion noch einmal den Chef aufzusuchen, um genau darzulegen, wie Sie zu Ihrer Position gekommen sind?
  8. Haben Sie in Ihrer langen Berufspraxis gelernt, dass Erfahrung zählt und daher Ihre Argumente grundsätzlich besser sind als die eines Berufseinsteigers?
  9. Legen Sie als Führungskraft Wert darauf, dass Ihre Mitarbeiter Ihre erweiterte Kompetenz ohne große Diskussionen akzeptieren?
  10. Ist es Ihnen wichtig, sich bei Debatten als selbstbewusste Führungskraft zu präsentieren, die genau weiß, wo es langgeht?

Um es direkt zu sagen: Je häufiger Sie „Ja“ notiert oder sich beim Nicken ertappt haben, desto schlechter ist die Streitkultur in Ihrem Team beziehungsweise bei Ihnen selbst ausgebildet. Denn Streitkultur bedeutet weder möglichst laut zu schreien noch in Harmonie zu versinken – und dafür auf Innovationen zu verzichten.

Wie genau sieht eine gute Streitkultur für Ingenieure aus?

Nun wissen Sie, was nicht Teil einer guten Streitkultur ist. Doch wie sollte sie aussehen? Stellen Sie sich folgendes Bild vor: Eine Runde von Experten sitzt an einem Tisch und diskutiert über ein Sachthema. Die Argumente werden durchaus hitzig vorgetragen, doch jeder lässt den anderen ausreden. Es geht inhaltlich stets ausschließlich um die Sache. Niemand wird beschuldigt oder persönlich angegriffen. Am Ende finden die Beteiligten einen Kompromiss, schütteln sich die Hände und stehen vom Tisch auf, um ihre Entscheidungen umzusetzen.

Ein verklärtes Idealbild? Mit Sicherheit, denn eine perfekte Streitkultur ist extrem selten. Sie setzt voraus, dass jeder einzelne Mitarbeiter sein Verhalten reflektiert und zu einer funktionierenden Streitkultur beiträgt – bei unterschiedlichen Persönlichkeiten innerhalb eines Teams ist das nahezu unmöglich. Aber vor allem Führungskräfte können eine Leitkultur im Unternehmen fördern, die zu einer guten Streitkultur beiträgt. Ganz nebenbei fördert das Ihre eigene Karriere. Für eine erfolgreiche Implementierung sollten unter anderem diese Werte kommuniziert und gelebt werden:

  1. Wertschätzung der Mitarbeiter und Kollegen
  2. Respektvoller Umgang miteinander
  3. Anerkennung abweichender Methoden und Meinungen
  4. Offene Kommunikation

Für eine gute Streitkultur muss es also eine Leitkultur geben, in der Konflikte und abweichende Meinungsäußerungen nicht im Verborgenen vor sich hin schwelen. Gleichzeitig traut sich jeder, sich direkt zu äußern und muss dafür keine Sanktionen befürchten. Da die Kommunikation wertschätzend ist, sind keine persönlichen Angriffe zu befürchten. Unterm Strich wird aus den meisten Diskussionen heraus ein Kompromiss entstehen, der das Unternehmen voranbringt und damit auch Ihre Karriere. Eine Leitkultur ist aber nur die Voraussetzung für eine gute Streitkultur. Es sind die Mitarbeiter, die beide Begriffe mit Leben füllen müssen.

Mehr zur Mitarbeitermotivation als Führungsaufgabe

Was können Sie selbst zu einer guten Streitkultur beitragen?

Unabhängig davon, ob Sie als Ingenieur Teammitglied sind oder Mitarbeiter führen, es liegt an Ihnen – und an jedem Ihrer Kollegen – was für eine Streitkultur Sie in Ihrem Unternehmen entwickeln. Sinnvoll ist es, im Kleinen zu beginnen, also beispielsweise bei den engsten Kollegen, und dieses System dann nach und nach auf größere Bereiche zu übertragen. Praktisch heißt das: Wenn es Ihnen in kleiner Runde gelingt, richtig zu streiten, wenden Sie diese Mechanismen automatisch auch bei größeren Besprechungen an und tragen so dazu bei, dass eine gute Streitkultur Teil der Leitkultur wird. Eine Leitkultur kann sich nämlich durchaus durch Initiative der Mitarbeiter entwickeln. Ganz nebenbei demonstrieren Sie Soft Skills und fördern so Ihre eigene Karriere.

Eine gute Streitkultur entsteht nicht von heute auf morgen, sondern muss geübt werden. Lassen Sie sich also von Rückschlägen nicht entmutigen. Die nachfolgende Liste können Sie mit Ihren Kollegen besprechen, im Büro aufhängen oder vor Besprechungen als Ausdruck verteilen (Tipps zur Streitkultur – PDF):

  1. Pflegen Sie eine offene Kommunikation, und beginnen Sie bei sich selbst. Äußern Sie Ihre Meinung.
  2. Bitten Sie Kollegen oder Mitarbeiter ebenfalls um ihre Meinung – gerade „stille Wasser“ haben oft gute Ideen.
  3. Jedes Teammitglied sollte ausreden dürfen. Falls das nicht klappt, werden Regeln festgelegt. Beispielsweise erhält jeder zu Beginn 3 Minuten, um seinen Standpunkt zu erläutern. Verwenden Sie dafür bei Bedarf tatsächlich eine Stoppuhr.
  4. Kritik an Vorschlägen oder im Rückblick auf vergangene Projekte wird ausschließlich in der Ich-Form geäußert. Das ist ein sehr wichtiger Aspekt für eine gute Streitkultur, da auf diese Weise unterschieden wird zwischen der Handlung des Kollegen – und wie sie bei den anderen ankommt. Außerdem führt der direkte Angriff automatisch zu einer Verteidigungshaltung, die so vermieden werden kann. Ein Beispiel: Ein Kollege wird beschuldigt mit den Worten: „Du hast dich nicht an den Zeitplan gehalten.“ Selbst wenn diese Aussage zutreffend sein sollte, wird er sich sofort verteidigen wollen, weil er angegriffen wird. Das führt in der Regel zu einem hitzigen Streit ohne Ergebnis. Eine Alternative sähe so aus: „Ich habe den Eindruck, dass der Zeitplan problematisch war.“ Da Sie von Ihrem Eindruck sprechen, wird der Kollege nicht direkt angegriffen und kann vielleicht sogar zustimmen.
  5. Suchen Sie nach Lösungen, statt Probleme zu wälzen. Zum vorherigen Beispiel könnten Fragen ergänzt werden, etwa: War der Zeitplan vielleicht zu eng gestrickt? Wie kann das gesamte Team dazu beitragen, dass der Plan künftig eingehalten wird? Können Sie den Kollegen unterstützen? Hätte er früher Bescheid geben können, dass es zeitlich nicht klappt – und wäre dementsprechend eine Regelung sinnvoll, wann alle Teammitglieder eine Warnung aussprechen sollten, dass Pläne nicht einzuhalten sind?
  6. Vermeiden Sie Verallgemeinerungen, etwa „Das machen Sie immer.“ Verallgemeinerungen stimmen nie und verhindern daher eine gute Streitkultur.
  7. Lassen Sie sich niemals zu abschätzigen Bemerkungen oder Gesten hinreißen, wenn Kollegen eine abweichende Meinung haben. Selbst Berufseinsteiger mit wenig Erfahrung können wichtige Impulse geben, weil sie nicht in ausgetretenen Pfaden denken.
  8. Versuchen Sie, in Ihrem Kopf die Sache und die Person voneinander zu trennen. Eine inhaltliche Diskussion darf niemals auf der persönlichen Ebene stattfinden. Umgekehrt sollten Sie eine abweichende Meinung auch nie persönlich nehmen. Ein Tipp: Notieren Sie alle Vorschläge auf einem Flip-Chart. Dann stehen die Inhalte für sich, und es ist nicht mehr so wichtig, ob die Idee von einem Kollegen stammt, den Sie nicht mögen. Ob Projektingenieur oder Führungskraft, sie alle sind nur Menschen und können sich nicht vollständig von Sympathien und Antipathien lösen.
  9. Die wichtigste Regel für eine gute Streitkultur zum Schluss: ruhig bleiben. Diskussionen dürfen im Rahmen einer guten Streitkultur hitzig geführt werden, aber auf inhaltlicher Ebene. Es wird nicht geschrien!
  10. Weisen Sie während der Diskussion auf diese Regeln hin, sobald sie nicht eingehalten werden. Beauftragen Sie in jeder Runde jemanden damit, auf die Regeln zu achten und auf Verstöße hinzuweisen. Streitkultur muss man üben.

Die Situation ist festgefahren, und die Diskussion dreht sich im Kreis? Dann versuchen Sie einen Trick: Bitten Sie die Kollegen, dass sich jeder seine Notizen macht – und Argumente für die Positionen der anderen aufschreibt. Das verändert den Blickwinkel und kann erheblich zu einer guten Streitkultur beitragen. Im Extremfall können Sie anregen, dass das Unternehmen einen ausgebildeten Konfliktmanager hinzuzieht, um die Streitkultur zu verbessern.

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Von Nicole Lücke

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