Aufstieg im Unternehmen

Interne Bewerbung – Ja oder Nein?

Die interne Bewerbung kann eine Alternative sein – vor allem, wenn es auf dem Arbeitsmarkt generell nicht rosig aussieht. Dennoch scheuen viele Ingenieure diesen Schritt. Sie haben Angst, dass die interne Bewerbung ein Zeichen dafür sein könnte, dass sie mit ihrem aktuellen Job unzufrieden sind. Dann ist Fingerspitzengefühl gefragt

Auf interne Jobanzeigen achten und Chance nutzen.

Auf interne Jobanzeigen achten und Chance nutzen.

Foto: panthermedia.net/londondeposit

Auf der Suche nach einer beruflichen Perspektive muss nicht zwangsläufig der Arbeitgeber gewechselt werden. Gerade in Zeiten, wo nur begrenzt offene Stellen auf dem Arbeitsmarkt warten, bietet sich die interne Bewerbung als naheliegende Alternative an. Aufgrund der niedrigen Besetzungskosten werden Stellen gleichfalls verstärkt auf diesem Wege von der Personalabteilung den Mitarbeitern unterbreitet, etwa durch den Aushang am Schwarzen Brett. Dass ein interner Stellenwechsel anderweitig eine Personallücke reißt, interessiert nur bei wirklichen Schlüsselfunktionen.

Frei nach dem Motto: „Je mehr das Personal intern zirkuliert, desto geringer ist der externe Personalbedarf!“ Eine interne Bewerbung scheint für den Ingenieur zunächst attraktiv, da viele Nachteile entfallen. Der Arbeitgeber ist bestens bekannt, der Kandidat kann sich über innerbetriebliche Informationskanäle umfangreich zur Stelle und deren Umfeld informieren usw. Letztlich fällt das Risiko, in der neuen Stelle zu scheitern, wesentlich geringer aus als bei einem Unternehmenswechsel.

Die interne Bewerbung bringt nicht immer den Karrieresprung

Die interne Bewerbung bringt zudem keine private Unruhe, da häufig nicht einmal der Wohnort gewechselt werden muss. Es sprechen aber auch eine ganze Reihe von Fakten gegen den internen Wechsel. So unterbleibt oftmals der mit einem Stellenwechsel verbundene größere Gehalts- und Karrieresprung. Eine entscheidende Veränderung nach vorne wird selten möglich sein, häufig rangiert der Wechsel eher unter dem Motto „Schuster bleib´ bei Deinen Leisten!“ Letztlich darf das interne Personal- und Gehaltsgefüge nicht zu sehr in Bewegung geraten. So wird es kaum möglich sein, dass sich der Projektingenieur plötzlich in der Position des Projektmanagers oder Teamleiters mit Personalverantwortung wiederfindet. Eine Ausnahme bilden lediglich interne Wechsel, die im Rahmen der Weiterentwicklung einer Fach- oder Führungskraft geplant werden.

Die interne Bewerbung läuft unter völlig anderen „mentalen“ Gesetzen ab.
Mancher fühlt sich sogar ertappt, wenn der Kollege oder Vorgesetzte zur gleichen Zeit das Schwarze Brett passiert. Schon bei der Vorstellung, in die Personalabteilung zu gehen und Interesse an der internen Stellenausschreibung zu bekunden, treibt nicht selten den Schweiß auf die Stirn. Hier findet ein Outing statt, das den Kandidaten angreifbar macht und für Unbehagen sorgt.

Interne Bewerbung: Kein schlechtes Gewissen haben

Mit dem Interesse an einem Stellenwechsel signalisiert der Kandidat schließlich, dass er mit seinem Job unzufrieden ist. Die interne Bewerbung kann ihm von allen Seiten übel genommen werden. Die größte Befürchtung vieler Mitarbeiter ist allerdings, dass der Vorgesetzte zu früh Wind von der Angelegenheit bekommt, den Kandidaten fallen lässt oder die Perspektiven verbaut. Was passiert eigentlich, wenn in letzter Konsequenz die offene Stelle anderweitig besetzt wird? Und überhaupt, empfiehlt man sich der Personalabteilung nicht mit der Wechselbereitschaft für die nächste Kündigungswelle?

Wer sich für eine interne Bewerbung interessiert, braucht generell kein schlechtes Gewissen zu haben. Der bekannte Rahmen im Unternehmen verführt jedoch dazu, sich weniger professionell als beim externen Wechsel zu verhalten. Ganz wichtig ist, vor der offiziellen internen Bewerbung kritisch zu prüfen, ob überhaupt die Chance besteht, die Stelle wirklich zu bekommen. Eher beiläufig kann z.B. in der entsprechenden Abteilung unter Kollegen recherchiert werden, wie der Stand der Dinge ist, ob die Stelle noch vakant ist, ob bereits bestimmte Kollegen Interesse an der Stelle gezeigt haben usw.

Die interne Bewerbung benötigt Unterstützung vom Vorgesetzten

Für die interne Bewerbung muss aber auch die Unterstützung des eigenen Vorgesetzten vorhanden sein. Wer in einer Schlüsselfunktion arbeitet, dürfte diese kaum vom Vorgesetzten und der Personalabteilung bekommen. Erst wenn realistische Chancen für eine erfolgreiche Bewerbung bestehen, sollte der Kontakt zur Personalabteilung gesucht werden. Eher unverbindlich sollte zunächst die Unterstützungsbereitschaft der Personalabteilung abgefragt werden.

Der entscheidende Punkt dürfte dabei die Begründung der gewünschten Veränderung sein. Keinesfalls dürfen dabei der aktuelle Vorgesetzte oder die ausgeübten Aufgaben niedergemacht werden. Mit Engelszungen sind Argumente vorzutragen, die aufzeigen, dass der Kandidat in der angepeilten Position nachweislich mehr Nutzen für das Unternehmen stiften kann. Spätestens nach der offiziellen Bewerbung ist damit zu rechnen, dass der Vorgesetzte über die interne Bewerbung informiert wird. Ein guter Vorgesetzter wird die Abwanderung nicht einfach unterstützen, sondern das Gespräch mit dem Mitarbeiter suchen.

Interne Bewerbung nur bei externer Alternative?

Diese Gespräche können u.U. viel persönliches Unbehagen auslösen und der ursprünglich wechselbereite Kandidat gerät ins Schwanken, knickt möglicherweise ein, insbesondere wenn er keine durchdachten Argumente auf den Tisch legen kann. Die Reaktion vom Vorgesetzten und den Kollegen kann aber auch anders ausfallen und es rollt plötzlich eine Mobbingwelle über den Abwanderungswilligen hinweg. Ist die interne Bewerbung erfolgreich, interessiert das nicht, wohl aber wenn sie scheitert. Auch darauf sollte man eingestellt sein. Die größte Sicherheit bei einer internen Bewerbung liegt immer noch dann vor, wenn man bereits die externe Alternative in der Tasche trägt!

Fazit: Eine interne Bewerbung ist dann sinnvoll, wenn man sich ausgesprochen gute Chance ausrechnet, die Stelle auch wirklich zu bekommen. Um den Bewerbungsprozess zu bestehen, müssen viele rationale Argumente vom Kandidaten ins Feld geführt werden, die aufzeigen, dass alle Seiten von dem internen Wechsel profitieren.

 

Von Bernd Andersch, Karrierecoach, Aachen Tags:

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