Jobwechsel innerhalb der Organisation

Interne Bewerbung: Was es für Ingenieure zu beachten gilt

Wer seiner Karriere einen Schub verpassen will, muss nicht das Unternehmen wechseln. Eine Lösung kann die interne Bewerbung sein. Um erfolgreich zu sein, gilt es hier, Fehler zu vermeiden und den richtigen Eindruck zu hinterlassen.

Die Buchstaben J O B S hängen an einer Kork-Pinnwand

Foto: panthermedia.net / thinglass

Inhalt:

Innerhalb des eigenen Unternehmens gibt es oftmals Möglichkeiten, sich beruflich weiterzuentwickeln. Vor allem in Zeiten, in denen es nur wenige offene Stellen auf dem Arbeitsmarkt gibt, bietet sich die interne Bewerbung als naheliegende Alternative an. Auch Unternehmen nutzen aufgrund der niedrigen Besetzungskosten verstärkt die Möglichkeit, auf diesem Weg Stellen zu besetzen. Solche Ausschreibungen finden sich häufig am Schwarzen Brett oder im Intranet. Die interne Bewerbung unterscheidet sich kaum von der klassischen externen Bewerbung. Grundsätzlich sollte die interne Bewerbung sorgfältig vorbereitet werden. Sie ist kein Selbstläufer, daher sollten Ingenieure und Informatiker sie genauso ernst nehmen wie eine externe Bewerbung.

Vor- und Nachteile der internen Bewerbung

Die Vorteile einer internen Bewerbung für den Arbeitnehmer liegen auf der Hand: Er kann sich eine neue Stelle suchen und Karrierechancen wahrnehmen, ohne das Risiko einer erneuten Probezeit und inklusive der arbeitsrechtlichen Vorzüge seiner möglicherweise langen Betriebszugehörigkeit. Der Arbeitnehmer kennt darüber hinaus seinen „neuen“ Arbeitgeber bereits bestens. Er kann sich innerbetrieblich über die ausgeschriebene Stelle und das Umfeld informieren, etwa in Gesprächen mit Kollegen oder über das Intranet. Grundsätzlich ist das Risiko, bei der neuen Stelle zu scheitern, intern geringer als bei einem Unternehmenswechsel. Auch privat ergeben sich für den Arbeitnehmer zahlreiche Vorteile: So ist der Stellenwechsel bei einer internen Bewerbung in der Regel nicht mit einem Wechsel des Wohnorts verbunden.

Nichtsdestotrotz sollten Ingenieure und Informatiker auch die Nachteile einer internen Bewerbung im Blick haben. Nicht immer bringt die interne Bewerbung den erhofften Karrieresprung. Denn vor allem bei intern ausgeschriebenen Stellen wollen Unternehmen eine zu starke Rotation im Personalgefüge vermeiden. Auch die Gehaltserhöhung dürfte deshalb im kleineren Rahmen bleiben. Ausnahmen sind Führungspositionen, die in Kombination mit einer entsprechenden Fortbildung neu besetzt werden sollen. Übrigens: Je nachdem, wie man die interne Bewerbung kommuniziert, kann diese Wechselbereitschaft missverstanden werden. Das sollte man bedenken, falls eine Absage kommt. Die Gefahr, sich mit einer gescheiterten, internen Bewerbung als Kandidat für die nächste Kündigungswelle zu empfehlen, ist gegeben.

Typische Fehler bei der internen Bewerbung

Eigene Bekanntheit überschätzen

Die interne Bewerbung scheint eine sichere Sache zu sein – schließlich ist man im Unternehmen bekannt. Doch das ist einer der größten Fehler, den man bei der internen Bewerbung machen kann. Wer glaubt, aufgrund seiner Leistung leichtes Spiel zu haben, kann schnell enttäuscht werden. Denn vor allem in großen Unternehmen sind diese Leistungen meist nur dem direkten Vorgesetzten bekannt. Die Personalakte, über die die Personalabteilung verfügt, ist meist recht dünn. Fortbildungsnachweise und Zwischenzeugnisse landen dort üblicherweise ungelesen. Ingenieure und Informatiker, die sich intern bewerben wollen, tun gut daran, selbst eine entsprechende Mappe zusammenzustellen und diese der Bewerbung beizulegen.

Mitbewerber ausblenden

Ein typischer Fehler bei der internen Bewerbung ist es auch, Kollegen als mögliche Mitbewerber auszublenden. Anders als bei externen Bewerbungen haben bei der internen Variante die meisten Stellenanwärter ähnliche Voraussetzungen. Auch die Kollegen sind im Unternehmen mehr oder weniger bekannt, alle haben je nach Dauer der Betriebszugehörigkeit ein entsprechendes Insiderwissen und können passende Referenzen vorweisen. Das gilt umso mehr, wenn die Mitbewerber aus derselben Abteilung stammen. Es ist daher wichtig, im Anschreiben seine Motivation besonders hervorzuheben. Zahlreiche Stellen werden zudem intern und extern ausgeschrieben. Nicht immer werden die internen Bewerber bevorzugt.

So verfassen Sie ein Motivationsschreiben

Falsche Ansprache

Ein Fehler, der bei der internen Bewerbung ebenfalls nicht passieren sollte, ist die falsche Ansprache. Auch wer den Vorgesetzten der möglichen neuen Abteilung gut kennt und mit ihm per du ist, sollte bei der Anrede im Anschreiben die Firmengepflogenheiten beachten. Denn Anschreiben und Lebenslauf kommen in die Personalakte – und die sollte zu keinem Zeitpunkt nach Kungelei aussehen. Man weiß schließlich nie, wer die Bewerbung noch in die Hände bekommt.

Vorgesetzten übergehen

Zu den größten Fehlern bei der internen Bewerbung gehört es, den aktuellen Vorgesetzten außen vor zu lassen. Das hat mehrere Gründe. Zum einen bekommt es der Vorgesetzte vermutlich ohnehin über den sogenannten Flurfunk mit, dass sich einer seiner Mitarbeiter intern (weg-)bewirbt. Oder er wird direkt von der Personalabteilung oder vom potenziellen neuen Vorgesetzten informiert, der die Gründe für den Wechselwunsch anfragt. Erfährt der Vorgesetzte eines wechselwilligen Arbeitnehmers von dritter Seite von einer internen Bewerbung, kann er dies als Vertrauensbruch auffassen. Das Tischtuch ist dann schneller zerschnitten, als man schauen kann. Verläuft die Bewerbung dann auch noch negativ, muss man weiterhin mit ihm auskommen.

Wenn der sich bewerbende Ingenieur oder Informatiker eine Schlüsselstelle in seiner Abteilung besetzt, ist das ein weiterer Grund, weshalb eine interne Bewerbung ohne die Unterstützung des aktuellen Vorgesetzten kaum Erfolg haben dürfte. Denn der Abteilungsleiter dürfte kaum Interesse daran haben, einen Mitarbeiter auf einer wichtigen Position zu verlieren. Folglich hat er kein Interesse daran, die interne Bewerbung zu unterstützen. Es wäre also ein Fehler, ihn nicht zu informieren. Erst wenn der direkte Vorgesetzte seine Unterstützung zugesichert hat, sollte man sich an die Personalabteilung wenden.

Kommunikation mit den Kollegen

Den Chef bei einer internen Bewerbung zu informieren, ist das eine. Die Kollegen sind das andere. Dabei sollten Ingenieure und Informatiker genau abwägen, ob und wenn ja, wem sie von ihren Plänen erzählen. Wer bei der internen Bewerbung zu indiskret agiert, wird schnell zum Mittelpunkt des Abteilungs- oder gar Firmentratsches. Dann heißt es hinter vorgehaltener Hand: „Der/Die will hier weg und hält sich für was Besseres.“ Eine solche Situation ist nicht ungefährlich. Vor allem dann nicht, wenn die Bewerbung floppt und man mit den „alten“ Kollegen weiterarbeiten muss. Machen Sie deshalb bei der internen Bewerbung nicht den Fehler, ihren Kollegen zu signalisieren, dass Sie die Abteilung verlassen wollen. Bleiben Sie stattdessen wertschätzend gegenüber den bisherigen Kollegen und betonen Sie, warum Sie sich bewerben. Nicht, weil sie ein vermeintlich schlechtes Arbeitsumfeld verlassen wollen, sondern weil Sie für sich eine neue reizvolle Aufgabe gefunden haben und sich dieser stellen wollen.

Gleiches gilt, wenn sie sich vor der internen Bewerbung bei den potenziellen neuen Kollegen über die ausgeschriebene Stelle informieren wollen. Bleiben Sie diskret und wägen Sie genau ab, welche Kollegen sie ins Vertrauen ziehen. Diese sollten die Interessen des Bewerbers für sich behalten können.

Formen der internen Bewerbung

Im eigenen Interesse sollten Ingenieure und Informatiker die interne Bewerbung genauso behandeln wie die Bewerbung bei einem anderen Unternehmen. Wer glaubt, ein einfaches Anschreiben reicht, weil alle anderen Unterlagen ja schon bei der Personalabteilung vorhanden sind, irrt. Gerade das Anschreiben ist bei der internen Bewerbung von großer Wichtigkeit. Denn es muss ihre Motivation und Befähigung deutlich machen. Der berufliche Werdegang sollte eine eindeutige Entwicklungskurve nach oben aufweisen. Denn befördert werden bei einer internen Bewerbung nur diejenigen Mitarbeiter, die sich weiterentwickelt haben und sich noch weiterentwickeln wollen. Als Motivation sollte klar erkennbar sein, dass man neue Herausforderungen sucht und nicht vor Problemen in der alten Abteilung flüchtet.

Der Lebenslauf darf bei einer internen Bewerbung durchaus mit der aktuellen Position beginnen, anstatt chronologisch aufgebaut zu sein. Diese amerikanische Form ist sinnvoll, weil sie bei den Entscheidern ihre aktuellen Fähigkeiten in den Vordergrund rückt. Auf Zeugnisse, die der Personalabteilung vorliegen, kann gegebenenfalls verzichtet werden. Es sei denn, diese werden ausdrücklich nochmal verlangt. Dabei kommt es auch darauf an, wie die Stelle ausgeschrieben wurde.

Achtung: Auch der Hinweis auf eine formlose Bewerbung bedeutet nicht, dass eine einfache E-Mail reicht. Ursprünglich mussten bei Bewerbungen mehrseitige Formulare ausgefüllt werden. Der Hinweis „formlos“ bedeutet im Wortursprung, dass darauf verzichtet werden kann. Heute ist mit einer formlosen Bewerbung meist eine Kurzbewerbung gemeint. Doch auch diese umfasst immer noch Anschreiben und Lebenslauf. Lediglich Ausbildungs- und Hochschulzeugnisse sowie Zertifikate über Weiterbildungen dürfen weggelassen werden und müssen erst auf Nachfrage eingereicht werden.

Tipps für die interne Bewerbung

Damit die interne Bewerbung ein Erfolg wird, sollten Ingenieure und Informatiker nicht nur oben genannte Fehler vermeiden, sondern noch einige andere Tipps beherzigen:

  1. Verlässlichkeit. Bewerben Sie sich nur auf eine Stelle, die sie auch wirklich haben wollen. Gerade bei internen Bewerbungen ist ein nachträglicher Rückzieher ohne gute Gründe absolut negativ zu sehen. Eine Absage durch den Bewerber kann zu einem echten Karriererückschritt werden.
  2. Sorgfalt. Die interne Bewerbung sollte genauso sorgfältig vorbereitet werden wie eine externe Bewerbung. Das gilt nicht nur für die Unterlagen, sondern auch für das Bewerbungsgespräch. Bewerber sollten sich darauf einstellen, dass es nicht ausreicht, auf ihre bisherigen Leistungen im Betrieb hinzuweisen. Stattdessen gilt es, mit überzeugenden Argumenten deutlich zu machen, warum man selbst und nicht ein identisch befähigter Kollege die ausgeschriebene Stelle bekommen sollte.
  3. Diskretion. Nicht nur bezüglich der Kollegen, sondern auch im Hinblick auf Interna der bisherigen Abteilung und mögliches Fehlverhalten von Vorgesetzten und Kollegen. Wer solche Informationen bereitwillig nutzt, um sich selbst in ein besseres Licht zu rücken, fällt bei den Entscheidern für die interne Bewerbung für gewöhnlich durch.
  4. Gehen Sie im Guten. Die interne Bewerbung war erfolgreich, jetzt gilt es, die Kollegen und den alten Vorgesetzten im Guten zu verlassen. Das bedeutet auch, seinen Nachfolger mit Sorgfalt und Engagement einzuarbeiten. Damit belegt man auch, dass die Unternehmensleitung die richtige Entscheidung getroffen hat.

 

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