Mitarbeiter motivieren und halten 06.04.2022, 14:40 Uhr

Bleibegespräche führen: So muss es nicht zur Kündigung kommen

Wenn gute Mitarbeiter kündigen wollen, liegt es im Interesse des Arbeitgebers, Fachkräfte dennoch zu halten. Chefs können dazu ein Bleibegespräch führen.

Drei Leute im Gespräch

In Bleibegesprächen können Mitarbeitende und Chefs für Zufriedenheit auf beiden Seiten sorgen und eine Kündigung noch abwenden.

Foto: panthermedia.net/VitalikRadko

Vorstellungsgespräche sind gut – Bleibegespräche besser. Denn Fluktuation ist nicht nur teuer, sondern zu Zeiten des Fachkräftemangels geradezu fatal. Zumal: Meist verschwinden die Besten. Wie kann man das vermeiden? Welche Fehler sollte man nicht begehen? Wie führt man ein Bleibegespräch? Und wie bereitet man sich als Mitarbeiter darauf vor? Andrea Jansen, Executive Coach von Jansen Beratung & Training International, gibt Antworten.

Andrea Jansen beobachtet immer wieder, dass nicht nur die Besten gehen, sondern gleich ganze Teams vom Wettbewerber abgeworben werden. Das kann leicht existenzgefährdend werden. Umso wichtiger ist es, vorzubauen, damit es soweit nicht kommt, und, wenn doch ein Exitus droht, zu wissen, wie man das Blatt noch wenden kann. Zunächst: Nicht lange fackeln! Nicht überlegen, ob man ein Bleibegespräch führen sollte oder nicht. Es tun. Aber wie?

So führen Sie ein erfolgreiches Bleibegespräch

Andrea Jansen gibt an: „Liegt die Kündigung erst einmal auf dem Tisch, ist es oft schwer, Mitarbeiter zu überzeugen, im Unternehmen zu bleiben. Mit einem gut durchdachten Bleibegespräch lässt sich eine Kündigung oftmals dennoch vermeiden. Sie sollten Ihren Mitarbeiter in jedem Fall zeitnah unter vier Augen um ein persönliches Gespräch bitten. Wichtig ist, dass Sie Ihre Emotionen nicht nach außen tragen. Eventuell sind Sie aber auch sehr in Sorge, weil der Mitarbeiter, der kündigen möchte oder bereits gekündigt hat, wirklich wichtig für das Unternehmen ist. Lassen Sie sich das bitte nicht anmerken! Vereinbaren Sie deshalb so schnell wie möglich einen Vier-Augen-Termin. Je mehr Zeit Sie verstreichen lassen, desto unwahrscheinlicher wird es, dass Sie Ihren Mitarbeiter umstimmen können. Denn derjenige hat es sich mit Sicherheit gut überlegt und aus seiner Sicht verspricht er sich aktuell von einem Wechsel mehr, als es ihn an „Preis für den Wechsel“ kostet. Dabei ist es auch völlig unerheblich, wie Sie die Situation und die Kündigungsgründe einschätzen. Umso mehr Zeit vergeht, umso mehr „Beweise“ wird der Mitarbeiter weiter für sich finden, dass seine Entscheidung richtig ist.“

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Fünf Tipps, mit denen es gelingen kann, den Mitarbeiter umzustimmen

1. Vermeiden Sie negative Emotionen
Führen Sie das Gespräch in einem ruhigen Raum und sorgen Sie dafür, dass Sie niemand stört. Sich vorab klar machen: Auch wenn Sie die Kündigung ärgert, weil Sie sich in der Vergangenheit stark für denjenigen eingesetzt haben, früher ein Zeichen erwartet hätten oder sich sogar durch Ihr Verhalten mitschuldig fühlen, dürfen Sie sich das keinesfalls anmerken lassen. Ärgerlich werden Sie Ihr Ziel nur schwer erreichen können!

Kommen Sie immer direkt zum Punkt, indem Sie Ihrem Mitarbeiter ehrlich sagen, dass Sie seine Kündigungsabsicht erkannt beziehungsweise seine Kündigung erhalten haben und was dies für Sie und Ihr Unternehmen bedeutet.

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2. Verdeutlichen Sie Ihre Wertschätzung bei dem Bleibegespräch
Sagen Sie dem Mitarbeiter klar, dass Sie ihn und seine Leistung sehr schätzen und es schade fänden, ihn zu verlieren. Machen Sie deutlich, dass auch er als Mensch dieser Wertschätzung unterliegt.

3. Hören Sie Ihrem Mitarbeiter gut zu!

Bei einem guten Bleibe-Gespräch wird Ihnen der Mitarbeiter seine Gründe für den Kündigungswunsch darstellen. Lassen Sie ihn in jedem Fall aussprechen, fallen Sie ihm nicht ins Wort und reagieren Sie nicht verärgert. Im Anschluss an seine Ausführungen sind Verständnisfragen natürlich erlaubt.

4. Reagieren Sie auf die Aussagen
Je nachdem, was dem Kündigungswunsch zugrunde liegt, können Sie entsprechend reagieren. Handelt es sich beispielsweise um persönliche Gründe, da der Mitarbeiter einem Ehepartner in ein anderes Land folgt, drücken Sie Verständnis aus. Halten können Sie ihn nicht. Hat der Kündigungswunsch jedoch Gründe, die Sie beeinflussen können und wollen, etwa geringe Wertschätzung, fehlende Aufstiegschancen etc., kommunizieren Sie Lösungswege.

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Stellen Sie sich dazu aber auch folgende Fragen:

1. Können Sie dem Mitarbeiter wirklich Lösungen oder ein Gegenangebot machen, die die Ursachen der Kündigung beseitigen?
2. Wie können Sie aus der vorhandenen Lage eine für beide Seiten bessere Situation entstehen lassen?
3. Was wäre auch Ihnen hierfür wichtig?
5. Setzen Sie Ihre Versprechen anschließend um!

Wenn Sie Ihrem Mitarbeiter entgegenkommen, weil er wirklich wichtig für das Unternehmen ist, achten Sie darauf, Ihren Worten schnellstmöglich Taten folgen zu lassen. Finden Sie so schnell keine Lösung für das spezielle Problem des Mitarbeiters, sagen Sie ihm ganz ehrlich, dass Sie ihn auf jeden Fall halten möchten und sich Lösungen überlegen. Vereinbaren Sie dann einen zeitnahen Anschlusstermin.

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Zudem beobachten andere Mitarbeiter sehr genau, wie mit Kündigungen umgegangen wird. Womöglich erinnern Sie sich auch an den Satz: „Reisende soll man nicht aufhalten!“ Die Frage ist nur: Wie zeitgemäß ist denn dieser Spruch noch? Insbesondere gut ausgebildete Mitarbeiter wie Ingenieurinnen und Ingenieure haben heute oft die Wahl, die Unternehmen viel weniger. Durch Ihre Reaktion leisten Sie auch einen Beitrag zu einer Kultur der Anerkennung.

Wenn leistungsstarke Mitarbeiter gehen wollen, ist das immer ein Problem. Mit zügig durchgeführten Bleibegesprächen können Sie das Ruder oft selbst dann noch herumreißen, wenn die Kündigung längst auf Ihrem Tisch liegt. Besser ist es jedoch immer, Kündigungsabsichten frühzeitig zu erkennen und darauf zu reagieren.

Warum Mitarbeiterförderung wichtig ist

Tipps, wie Mitarbeiter das Beste aus einem Bleibegespräch für sich herausholen

  • Zunächst: Vorab keine Gerüchte über den Weggang (oder gar Negatives über den Arbeitgeber) streuen. Das schwächt die Ausgangsposition ungemein.
  • Klar kommunizieren, wie groß der Wunsch nach einer beruflichen Veränderung ist und warum.
  • Sich selbst klar darüber sein, was man möchte, um zu bleiben. Mehr Gehalt? Eine Beförderung? Herausfordernde Aufgaben? Mehr Verantwortung? Incentives?
  • Kein Geschwurbel, was für Missverständnisse sorgen kann. Schnell zum Punkt kommen!
  • Sich nicht einlullen lassen oder sich aus falscher Loyalität zum Bleiben überreden lassen.
  • Bei einer Einigung unbedingt zum Schluss des Bleibegesprächs einen weiteren Termin vereinbaren, um alle Details zu besprechen.

Ein Beitrag von:

  • Chris Löwer

    Chris Löwer arbeitet seit mehr als 20 Jahren als freier Journalist für überregionale Medien. Seine Themenschwerpunkte sind Wissenschaft, Technik und Karriere.

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