Bewerbung 28.10.2015, 01:00 Uhr

Bewerbung in der Warteschleife – Was tun?

Bekanntermaßen mahlen die Mühlen in den Personalabteilungen langsam. Das hat sich auch im schnellen Internetzeitalter nicht verändert. Da ist es durchaus normal, dass Bewerber nach Versendung der Unterlagen oder Eintrag in ein elektronisches Bewerbersystem über Wochen vom Unternehmen nichts hören.

Längere Wartezeiten sind normal.

Längere Wartezeiten sind normal.

Foto: panthermedia.net/dcdp

In anderen Fällen gibt es schön formulierte und standardisierte (nichtssagende) Zwischenbescheide, die ggf. automatisiert ausgelöst werden. Ist das Vorstellungsgespräch absolviert, geht es bei manchem Arbeitgeber im gleichen Tempo weiter. Hat sich das Unternehmen allerdings für einen Kandidaten entschieden, wird die lahmste Ente unter den Personalern zum Windhund. Der Deal soll schnell unter Dach und Fach gebracht werden. Bittet sich der Bewerber eine angemessene Bedenkzeit vor Unterzeichnung des Vertrages aus, werden viele behäbige Personaler plötzlich ungeduldig. Souverän mutet der Auftritt vieler Unternehmen und Personalberater zumindest in dieser Phase in Sachen Stellenbesetzung nicht an

Zeitmanagement in den Personalabteilungen

Für den Bewerber ist es wichtig zu verstehen, was hinter den Kulissen von Unternehmen abläuft, um auf Wartezeiten in angemessener Form zu reagieren. Nach Aussendung der Bewerbung sollten Unternehmen schon den Eingang der Unterlagen – wie auch immer –  bestätigen. Das gehörte zumindest in der Vergangenheit schlichtweg zum guten Ton. Für den guten Ton kann man sich aber heute nichts mehr kaufen. Früher ganz übliche Verhaltensweisen sind überholt, der direkte Ton bestimmt im persönlichen Umgang die Musik. Also sollten sich Bewerber nichts dabei denken, wenn sie erst wieder etwas von dem beworbenen Unternehmen hören, wenn dieses ein ernsthaftes Interesse an ihnen hat. Das kann teilweise Wochen oder Monate dauern. Gerade, wenn sich ein Unternehmen mit vielen Bewerbungen auseinandersetzen muss, ist leicht vorstellbar, wie schnell die Zeit in Personalabteilungen, mit im Regelfall dünnen Personaldecken, verstreicht. Manchmal ändern sich auch die Prioritäten, so dass die Besetzung einer bestimmten Stelle in den Hintergrund gedrängt wird. Das lehrt eben auch das Zeitmanagement, dass gewisse Aktivitäten erst dann dran sind, wenn wichtigere abgearbeitet wurden. Vielfach werden Bewerbungen aber auch erst einmal gesammelt und Wochen später beginnt die Sichtung und es erfolgt eine Absage oder die Einladung zum Vorstellungsgespräch.

Was im Unternehmen passiert

Für den Bewerber unsichtbar bleibt oft dass, was im Hintergrund der Unternehmen abläuft. Da sind die Quartalszahlen nicht wie erwartet, und es ist nicht sicher, ob die ausgeschriebene Stelle noch besetzt werden soll. Der Fachbereichsmanager hat plötzlich andere Ideen zum Anforderungsprofil für die Stelle. Der Personalreferent ist ausgefallen oder hat gekündigt. Die Personalabteilung hat eine Stelle ausgeschrieben, die Fachabteilung zieht aber nicht mit. Das Unternehmen hat sich bereits für einen anderen Kandidaten entschieden, ist sich aber nicht sicher, ob der zusagt oder die Probezeit übersteht. So hält man sich die restlichen Bewerber noch „warm“.

Nett anfragen

Wie soll sich der Bewerber bei langen Wartezeiten verhalten? Grundsätzlich ist kein Arbeitgeber der Welt so wichtig, dass er mit Bewerbern Nachlaufen spielen kann. Jeder Bewerber sollte immer mehrere Eisen im Feuer haben. Sind 14 Tage nach Bewerbung oder Interview verstrichen, kann ruhig der Stand der Dinge telefonisch in der Personalabteilung abgefragt werden. Das sollte nett, freundlich und ohne Unterton geschehen. Damit ist es dann aber auch gut. Nachfassbriefe/-mails sind wenig empfehlenswert, wecken höchstens den Unmut auf der anderen Seite, weil die jetzt auch schriftlich reagieren muss. Pluspunkte für besonders Interesse gibt es dafür sicherlich nicht.

Bedenkzeit für den Arbeitsvertrag

Und wenn der Vertrag auf dem Tisch liegt, braucht sich der Bewerber nicht unter Druck setzen lassen. Kein Personaler kann einer Fachabteilung glaubhaft machen, dass er dem Bewerber abgesagt hat, weil der sich eine Woche Bedenkzeit vor Vertragsunterzeichnung ausbedungen hat.

Fazit

Ein Grund, verärgert, die Unterlagen nach einer schriftlichen Bewerbung zurückzufordern, sind lange Wartezeiten nicht. Es handelt sich eben um den Normallfall. Der Schluss der allerdings gezogen werden sollte ist der, dass Berufseinsteiger und Stellenwechsler genügend Zeit für die Stellensuche mitbringen müssen – auch wenn sie sich zu den gefragteren Ingenieuren zählen. Nur so kann der Bewerbungsauftritt weiterhin souverän abgespult werden und der Bewerber kommt erst gar nicht in die Rolle des Nachläufers.

 

Ein Beitrag von:

  • Bernd Andersch

    Bernd Andersch ist Karriere-Coach, Sachbuchautor und Spezialist für Bewerbungsstrategien.

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