Karrieretrategie 27.07.2016, 00:00 Uhr

Woran liegt es, wenn ein Ingenieur längere Zeit arbeitslos ist?

Nicht jeder Absolvent findet direkt eine Stelle. Als Ingenieur arbeitslos zu sein, wird jedoch erst zum Problem, wenn die Lücke zu lang wird. Dann heißt es, die Gründe für die erfolglosen Bewerbungen zu identifizieren und sich eventuell weiterzubilden.

Längere Zeit arbeitslos zu sein ist ein Makel.

Längere Zeit arbeitslos zu sein ist ein Makel.

Foto: iStock / Thinkstock

Die Einstellungspraxis hat sich zugunsten von Arbeitgebern verändert. Die Folge sind zunehmend befristete Arbeitsverhältnisse, niedrigere Gehälter, kritischere Selektion von Bewerbern und so weiter. Dies spüren nicht nur gestandene Arbeitskräfte, auch der eine oder andere Hochschulabsolvent ist arbeitslos trotz der Ausbildung zum Ingenieur.

Bei der Stellensuche stellt sich nicht immer der gewünschte Erfolg ein. Ganz im Gegenteil, mit Pech rückt erst einmal die Arbeitslosigkeit an die Stelle des rauschenden Berufseinstieges nach dem Studium. Arbeitslos als Ingenieur? Wie soll es jetzt weitergehen? Ratschläge zu erteilen, fällt zwar schwer, ist aber immerhin einen Versuch wert.

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Als Ingenieur längere Zeit arbeitslos zu sein, ist ein Makel

Wo sehen mich die Personalentscheider? Eine Frage, die der einzelne Ingenieur nur schwer beantworten kann oder will. Aus Sicht der Personaler gibt es ein klares Ranking. Am begehrtesten sind Kandidaten, die kurz vor dem Abschluss ihres Studiums stehen, das richtige Studienfach mit dem entsprechenden Studienerfolg studiert haben. Im Extremfall buhlen viele Unternehmen um die gleichen, wenigen Topkandidaten. Der Ingenieur, der am längsten arbeitslos ist, ist in den Augen der Personaler im Regelfall am unattraktivsten.

Ob diese Einschätzung menschlich lobenswert, gut und richtig ist, soll an dieser Stelle nicht diskutiert werden. Die Ansage ist dennoch klar: Je länger die Arbeitslosigkeit dauert, desto mehr Anstrengungen muss der einzelne Ingenieur unternehmen, damit er nicht arbeitslos bleibt, desto höhere Flexibilität und Mobilität muss er zeigen, um dennoch zum Zuge zu kommen und desto stärker sinkt sein Marktwert. In letzter Konsequenz kann es dazu kommen, dass der adäquate Berufseinstieg versagt bleibt.

Ingenieure sollten über einen höhen Abschluss nachdenken, wenn sie arbeitslos sind

Bevor lange Zeit verstreicht und die zeitliche Lücke deutlich größer als sechs Monate wird, sollte über Verzögerungsstrategien für den Arbeitsmarkteintritt nachgedacht werden, um offiziell als Ingenieur nicht mehr arbeitslos zu sein. Besonders beliebt sind hier Maßnahmen wie das Aufbaustudium, die Promotion, die empirische Abschlussarbeit, das Auslandspraktika/-semester/-studium und Ähnliches. Wichtig ist es, eine breitere Aufstellung im Arbeitsmarkt für nachfolgende Bewerbungen zu bekommen.

War etwa das erste Studium zu speziell (Fahrzeugbau), empfiehlt es sich, die Weiterbildung allgemeiner zu wählen. Aber auch ein höherer akademischer Grad kann die Markteintrittschance für einen Ingenieur, der arbeitslos ist, erhöhen. So sollte etwa der Bachelor über ein zusätzliches Masterstudium nachdenken. Interessant sind auch Zusatzausbildungen, die auf gefragte Schlüsselqualifikationen abzielen, wie Projektmanagement, Controlling.

Ingenieure, die aufgeben, bleiben arbeitslos

Ob und wie lange Bewerbungen um einen adäquaten Einstieg Sinn machen, zeigt der Erfolg vergangener Bewerbungen. Solange es zu Vorstellungsgesprächen kommt, machen Bewerbungen Sinn. Ein Ingenieur berichtet etwa, dass seine letzten hundert Bewerbungen zu drei Vorstellungsgesprächen führten. Der Bewerbungserfolg ist zwar nicht berauschend und es kam nicht zu der erwünschten Einstellung, dennoch hätte es das eine oder andere Mal fast geklappt. Warum sollen die nächsten Bewerbungen also nicht zu weiteren Vorstellungsgesprächen und damit Chancen auf den Berufseinstieg führen? Erst wer aufgibt, bleibt als Ingenieur arbeitslos!

Wer erst jetzt die Frage nach der Qualität der Bewerbungsunterlagen stellt, stellt sie im Grunde Monate zu spät. Das Ausarbeiten optimaler Bewerbungsunterlagen, insbesondere des zugkräftigen Lebenslaufes, gehört zu den ersten Bewerbungsaktivitäten überhaupt. Das sehen auch die meisten Ingenieure so, die arbeitslos sind. An den Lebensläufen liegt es meist nicht, dass der Einstieg nicht gelingt. Es gibt allerdings schon einen Knackpunkt bei arbeitslosen Ingenieuren. Personaler stellen sich die Frage, was der Absolvent seit Abschluss des Studiums macht. Viele Kandidaten lassen die Tatsache der Arbeitslosigkeit einfach im Raum stehen.

Das Argument „arbeitslos“ hilft Ingenieuren nicht bei der Jobsuche

Wie der Kandidat neben der Jobsuche seine Zeit ausfüllt, lässt sich dem Lebenslauf nicht mehr entnehmen. Hier stehen den Personalern Tür und Tor für Spekulationen offen. Das Vakuum sollte daher gefüllt werden. Am besten ist es natürlich, wenn praktische Tätigkeiten, Weiterbildungen und Ähnliches mit Tuchfühlung zum Ingenieurberuf auftauchen. Je artfremder die Aktivitäten gewählt werden und je länger sie dauern, desto eher beschleicht den Leser des Lebenslaufes der Eindruck, dass der Ingenieur nicht nur arbeitslos ist, sondern sich im Grunde schon von einer Karriere als Ingenieur verabschiedet hat.

Anders sieht es mit dem Anschreiben aus. Die Zeit der längeren Arbeitslosigkeit sollte nicht jammernd vermittelt werden. Die besten Anschreiben sind solche, die das Thema Arbeitslosigkeit erst gar nicht thematisieren. Am schlechtesten kommen immer solche Anschreiben an, die den Einsteller moralisch unter Druck setzen, etwa mit einem Satz: Geben Sie mir eine Chance, damit ich auch in Zukunft ohne Sozialhilfe leben kann! Dieser Satz ist zugegebenermaßen etwas überzogen, soll aber das Prinzip verdeutlichen. Ein Ingenieur wird nicht eingestellt, weil er arbeitslos ist, sondern weil sein Profil zur Stelle passt.

Achtung bei Mitleid! Ein Ingenieur, der arbeitslos ist, muss auf der Hut sein

Wer immer wieder aus der Arbeitslosigkeit zu vereinzelten Vorstellungsgesprächen kommt, ist relativ gut dran. Er sollte jedoch sehr kritisch die vergangenen Gespräche reflektieren. An welchen Stellen habe ich mich vermutlich um Kopf und Kragen geredet? Bei welchen Fragen fühlte ich mich unwohl? Wie konnte ich insbesondere die längere Zeit der Arbeitslosigkeit verargumentieren? Ingenieure, die arbeitslos sind und unter Druck stehen, laufen immer wieder in die geschickt aufgestellten Fallen der Personaler.

Sie zeigen Interesse und Mitleid am Schicksal Ingenieurs, der ja arbeitslos ist. Dieser fühlt sich verstanden, packt aus und erzählt mehr als er eigentlich möchte. Möglicherweise tritt der Arbeitssuchende auch zu sehr als Bittsteller auf, was bei Personalern gar nicht gut ankommt. In Unternehmen werden Führungskräfte immer mehr an ihrer Fähigkeit zur Gewinnmaximierung gemessen, nicht an ihren gesellschaftlichen Beiträgen. Moralische Verantwortung früherer Managergenerationen, die häufig einen zufriedenstellenden Gewinn anstrebten, gerät immer mehr in den Hintergrund.

Wer als Ingenieur arbeitslos ist, sollte beim Gehalt bescheiden sein

Über den Marktwert eines Ingenieurs lässt sich sicherlich streiten, auch wenn er arbeitslos ist, genauso über die Gehaltsstudien, die an verschiedenen Stellen veröffentlicht werden. Geht man einmal davon aus, dass es sich im Regelfall um Befragungen handelt, bei denen der Befragte frei und ohne Nachweis seine Gehaltszahlen einträgt, und nicht um Auswertungen, die an der Quelle der Einkommenszahlungen (bei den Arbeitgebern) gefahren werden, stellt sich die Frage nach der Qualität der Basisdaten. Schon unsere Großväter wussten: Nirgends wird so viel geschummelt wie bei Autos … und beim Lohn!

Diese Studien führen vielfach zu überzogenen Gehaltsvorstellungen von Hochschulabsolventen. Daher sollten sich Absolventen schon grundsätzlich an die Jahreswerte halten, die vor der „heißen“ Endphase der letzten Hochkonjunktur galten: FH-Absolventen 35.000 bis 37.000 Euro, Uni/TH-Absolventen 40.000 bis 42.000 Euro, promovierte Kandidaten 50.000 Euro. Ein Bachelor-Absolvent kann allenfalls an die FH-Zahlen heranreichen, ein Master liegt zwischen dem FH- und Uni-Absolvent. Wer als Ingenieur mehr als sechs Monate arbeitslos ist, sollte sich eher bescheiden, um den Personalern eine realistische Einschätzung der eigenen Situation zu signalisieren.

Wer arbeitslos ist, sollte auch als Ingenieur über eine Weiterqualifizierung nachdenken

Woran liegt es, dass ein Ingenieur arbeitslos bleibt? Liegt es an dem weniger gefragten Studiengang, dem hohen Alter des Absolventen? Dies sind Punkte, die sich kaum ändern lassen. Bewusst legt der Bewerber aber die Arbeitsmarktsegmente fest, in denen er sich bewirbt oder auch nicht bewirbt! Diese Auswahl lässt sich ändern. Jeder kann für sich einmal eine historische Stellenmarktanalyse durchführen. Dazu werden rückwirkend Ausschreibungen der Online-Stellenmärkte ausgewertet.

So ergibt sich ein sehr gutes Gefühl, in welchen Branchen, Funktionsbereichen, Regionen und Unternehmensgrößen etwas mehr geht als in anderen. Zudem erhält man wertvolle Hinweise, welche (fachlichen) Schlüsselqualifikationen gerade gefragt sind und welche nicht. Diese Informationen können zudem eine gute Grundlage für eine mögliche Weiterqualifizierung bilden, die schließlich dazu führen, dass der Ingenieur nicht mehr arbeitslos ist.

Flexibilität ist wichtig, wenn ein Ingenieur arbeitslos ist

Je länger die Arbeitslosigkeit dauert, desto flexibler und mobiler muss der Absolvent sein. Die zuvor angedeutete Arbeitsmarktanalyse kann zu völlig neuen Erkenntnissen führen, etwa dass sich der Kandidat bisher an den besten Arbeitsmarktsegmenten vorbei beworben hat. Dies muss jetzt geändert werden. Viel Kreativität bei der Lebenslaufgestaltung und passende Weiterbildung sollten dann den Weg für Bewerbungen in diese bisher vernachlässigten Branchen und Funktionsbereiche ebnen. Was die Mobilität eines Ingenieurs angeht, der arbeitslos ist, lohnt sich auf jeden Fall der Blick über den Tellerrand auf die skandinavischen oder angelsächsischen Arbeitsmärkte, nach Österreich oder in die Schweiz.

Einige frischgebackene Ingenieure stehen sich bei ihren Bewerbungen auch deshalb im Weg, weil sie zu viele Karrierebücher gelesen haben und im Grunde nichts verkehrt machen wollen. So sind sie zwar als Ingenieure arbeitslos, träumen aber immer noch vom optimalen Berufseinstieg. Dabei merken sie gar nicht, dass der Zug bereits abfährt. Diese eher theoretischen Karriereausführungen müssen im Kopf der arbeitslosen Ingenieure manchmal ganz gestrichen werden. Es geht jetzt um das nackte Überleben, sprich zu verhindern, dass das Studium zum Schluss umsonst war. Es spielt jetzt keine Rolle mehr, ob der Start in einem größeren oder kleineren Unternehmen vollzogen wird, in einer vermeintlich guten oder schlechten Branche.

Sollte ein Ingenieur ein Praktikum machen, wenn er arbeitslos ist?

Wer, aus welchen Gründen auch immer, keine Möglichkeit zu einer zusätzlichen Ausbildungsmaßnahme hat, wird über einen „kleinen“ Anfang nachdenken. Hin und wieder versuchen sich Ingenieure, die arbeitslos sind, über ein Praktikum in den Job zu bringen. Sicherlich ist es sinnvoller einem Praktikum nachzugehen, als nichts zu tun. Möglicherweise springt auch eine Vollzeitbeschäftigung heraus. Dennoch führt das Praktikum nach dem Studium immer zu größerem Erklärungsbedarf.

Das einschlägige Praktikum ist allerdings immer noch besser als die artfremde Tätigkeit. Bei letzterer entfernt sich der Ingenieur mehr und mehr von seinem Fachstudium, bis ihm letztlich niemand mehr abnimmt, dass er einen Ingenieurjob ausfüllen kann. Zu überdenken ist auch die Bewerbung um Positionen, für die eigentlich eine Technikerausbildung ausreicht – das ist für einen Ingenieur besser, als arbeitslos zu bleiben. Aber auch die Tätigkeit in einem Zeitarbeitsunternehmen ist nicht verwerflich. Letztlich sollte über das Thema freiberufliche Tätigkeit als Ingenieur nachgedacht werden.

Tipp:

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