Tipps für Berufseinsteiger 22.12.2014, 12:01 Uhr

Die Hierarchie unter Ingenieuren ist wichtig für die Karriere

Ehrgeizige Nachwuchsingenieure sollten die bestehende Hierarchie akzeptieren und dürfen sich durch ihre Karrierevisionen nicht den Blick für das praktisch Mögliche verstellen. Sonst können sie im neuen Unternehmen schnell ins Abseits geraten.

Die Hierarchie sollte beachtet werden!

Die Hierarchie sollte beachtet werden!

Foto: panthermedia.net/ronstik

Da startet ein Ingenieur mit Aufbaustudium Betriebswirtschaft im technischen Marketing eines Unternehmens. Die Abteilung besteht lediglich aus dem Leiter und seiner Assistentin. Vom ersten Tag an läuft die Zusammenarbeit daher „sehr intim“ und beide Seiten können gegenseitig Stärken und Schwächen ausmachen bei dieser klaren Hierarchie unter Ingenieuren. Nach einem Jahr ist für den jungen Ingenieur klar: Der Vorgesetzte hat fachlich nicht viel drauf.

Er verschleudert für bestimmte Projekte mehr Geld als notwendig, stellt das Unternehmen in der Öffentlichkeit teilweise nachteilig dar und so weiter. Außerdem ist der alleinstehende Vorgesetzte dem Alkohol nicht abgeneigt, und so manchen Tag erscheint er angeschlagen im Büro. Auf der anderen Seite verlangt er von seinen Mitarbeitern äußerste Disziplin und tadelt kleinlichst jedes auch nur vermeintliche Fehlverhalten seiner Minicrew. Dem Ingenieur stinkt zudem, dass er bei dieser Hierarchie keine Projekte selbständig bearbeiten kann, der Vorgesetzte ihm in seine Arbeit hereinredet und seine Projektergebnisse stets als die eigenen verkauft.

Die Idee: Die Hierarchie unter Ingenieuren infrage stellen

Ein kleineres Projekt hat der junge Ingenieur dennoch alleine durchgezogen. Der Auftrag kam vom CEO des Unternehmens, der auf dem gleichen Flur nur ein paar Türen weiter sitzt. Er lobte den Ingenieur seinerzeit sogar für das Resultat. Das beflügelt die Phantasie des Ingenieurs: Warum also nicht einmal ein paar Worte über das firmenschädigende Verhalten des Vorgesetzten beim CEO fallen lassen und dafür die Hierarchie unter Ingenieuren ignorieren?

Es gibt so viele Beweise für Projekte, die unnötig Ressourcen verzehrten oder vor die Wand gefahren wurden, dass der CEO doch trotz der eigentlichen Hierarchie hellhörig werden müsste. Vielleicht würde eine entfachte Diskussion den offensichtlich persönlich angezählten eitlen Vorgesetzten zu einer spontanen Kündigung bewegen oder er würde ganz einfach entmachtet. Zumindest sollte der CEO entscheiden, dass der Ingenieur eigenständig auf gleicher Augenhöhe mit dem Leiter Technisches Marketing seine Projekte realisieren kann.

Die Umsetzung: Gespräch mit dem CEO über die Hierarchie unter den Ingenieuren

Gedacht, getan! Der Ingenieur vereinbart einen Termin mit dem CEO. Der zeigt überraschend große Ohren für das Anliegen des Ingenieurs und ermuntert ihn durch Nachfragen „richtig auszupacken“. Abschließend verspricht er, sich für den Ingenieur einzusetzen und ihm ein Feedback zu geben. Der CEO geht auf den Leiter Technisches Marketing zu und bittet um moderate Vorgehensweise gegenüber dem Ingenieur trotz der bestehenden Hierarchie. Tatsächlich ändert sich für den Ingenieur nichts. Also versucht er, zu einem nächsten Termin mit dem CEO zu kommen. Zum vereinbarten Date lässt der sich jedoch von seiner Sekretärin verleugnen. Der Ingenieur möchte die Sache aber zu Ende bringen.

Es kommt zu einem weiteren Gespräch mit dem CEO. Der zeigt wiederum volles Verständnis. Der Ingenieur deutet an, möglicherweise zu kündigen, wenn sich binnen einer Woche nichts verändert (Letzter möglicher Kündigungstag zum Quartalsende!). Die Worte zeigen Wirkung. Der CEO spricht mit dem Leiter Technisches Marketing und dem Personalchef. Alle wollen eigentlich den Ingenieur halten – aber eben nur als Mitarbeiter im technischen Marketing – wie gehabt. An der Hierarchie unter den Ingenieuren wollen sie nichts ändern. Der Personalchef verspricht, „etwas zu tun“.

Die Folge: Keine Veränderung an der Hierarchie unter den Ingenieuren

Der Ingenieur fühlt sich in seinem Vorgehen bestätigt, das Verhältnis zum Vorgesetzten sinkt auf den Null-Punkt. Umso überraschter ist er aber, dass trotz aller Versprechen innerhalb der Frist nichts weiter passiert und die Hierarchie bestehen bleibt. Konsequenterweise reicht er die Kündigung ein. An das Spießrutenlaufen, was nach einjähriger Verweilzeit bei der Stellensuche jetzt auf ihn zukommt, hat der junge Ingenieur bislang nicht gedacht.

Fazit: Die fachliche und wirtschaftliche Seite macht nur einen Teil des Unternehmens aus. Persönliche und machtpolitische Geflechte sind der andere Teil. Diese sind jedoch für den Ingenieur an der Basis kaum zu durchschauen. Er kann zwar spekulieren, mehr aber auch nicht. Selbst, wenn der Ingenieur recht hat, muss er sich auch die Situation des CEO überlegen. Welche Außenwirkung würde der CEO signalisieren, wenn er den Leiter Technisches Marketing entlässt oder entmachtet und den jungen Ingenieur aufs Schild hebt, also die Hierarchie unter den Ingenieuren umkehrt?

Das Fazit: Junge Ingenieure sollten die Hierarchie zunächst akzeptieren

Wahrscheinlich würden noch weitere Nachwuchsingenieure im Unternehmen mobil machen und die Hierarchie infrage stellen. Möglicherweise würde der Leiter Technisches Marketing gleichfalls einmal über bisher unbekannte Dinge und den CEO auspacken. Vielleicht käme sogar das gesamte Managementgefüge ins Schlingern. Also da sollte schon die Kirche im Dorf gelassen werden. So wichtig ist der einzelne Mitarbeiter dann nicht. Da ist es für den CEO doch besser, die ganze Angelegenheit zu vergessen.

Die Erfahrung zeigt, dass sich ein offenes Kräftemessen mit Vorgesetzten nicht lohnt. Der Mitarbeiter sitzt bei solch einer Hierarchie unter Ingenieuren eigentlich immer am kürzeren Hebel und verliert, zumindest, wenn es um die existentielle Frage „Sein oder Nicht sein?“ geht. Es ist besser, eine brauchbare Zeit auf dem Arbeitsplatz auszuharren, sich mit dem Vorgesetzten wie auch immer zu arrangieren und sich mit guten Arbeitsergebnissen intern oder extern zu empfehlen.

 

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